Dr. Wolfgang Reinhart
Herr Minister. Minister für Soziales, Gesundheit und Integration Manfred Lucha: Herzlichen Dank, Frau Krebs. – Die Strategie des Landes ist auch, dass wir zum einen bei ME/CFS, was eine besondere Ausprägung von Long Covid und Post Covid nach sechs Monaten Symptomfeststellung ist – das ist vor allem die chronische Fatigue –, versuchen, Behandlungsnetzwerke, Forschungsnetzwerke zu verbreitern. Sie, die Regierungsfraktionen, geben derzeit 17 Millionen € für Netzwerke und Forschung auf diesem Sektor. Gleichzeitig sind wir bundespolitisch auf der letzten GMK noch mal vorangekommen. Wir sind auch in einem engen Austausch mit dem Paul-Ehrlich-Institut. Das Paul-Ehrlich-Institut hat uns am 19. Mai auf unsere Anfrage hin mitgeteilt, dass Post-Vac bislang keine medizinisch definierte Bezeichnung einer Erkrankung darstellt. Es unterliegt keiner eindeutigen Falldefinition. Das ist genau periode – 71. Sitzung – Mittwoch, 19. Juli 2023 der Punkt, zu dem wir jetzt beschlossen haben, das noch mal wissenschaftlich besser einzugrenzen. Beim Paul-Ehrlich-Institut sind laut Sicherheitsbericht vom 7. September seit Beginn der Covid-19-Impfkampagne bis zum 6. Juli 2022 – neue Daten müssen wir derzeit noch erheben – 472 Verdachtsmeldungen über Gesundheitsstörungen mit Long-Covid-ähnlichen Symptomen in unterschiedlichem Abstand zu einer Covid-19-Impfung eingegangen. Das müssen wir jetzt einfach noch wissenschaftlich genau untersuchen. Post-Vac hat es schon immer gegeben. Ich habe Ihnen ja auch im Ausschuss schon von den 127 Fällen berichtet, die hier bei uns gemeldet wurden, die einen Impfschaden geltend gemacht haben. 28 Fälle sind positiv beschieden worden; da wurden Impfschäden anerkannt. Die etwas Älteren, wie z. B. ich, wurden gegen Pocken geimpft. Da gab es die höchste Zahl von Impfschäden, weil ein Lebendimpfstoff verimpft wurde. Trotzdem war das damals die Chance, die Pocken auszumerzen. Sie sehen, wir sind auf dem Weg. Gibt es eine wissenschaftliche Kausalität? Das sind offensichtlich sehr komplexe Prozesse, die im Körper ausgelöst werden. Ich bin Ihnen auch sehr dankbar, dass wir die Menschen bei den Behandlungen, bei den Reha-Chancen bei der chronischen Fatigue, bei diesem extremen Erschöpfungssyndrom, hier nicht alleinlassen und individuell angepasste Behandlungsnetzwerke, Fortbildungsnetzwerke schaffen, dass die Patientinnen und Patienten – – Auf der GMK in Friedrichshafen war die Selbsthilfe auch Thema. Wir haben auch da den Beschluss – mit Ihrer Unterstützung noch ein Symposium hier in diesem Haus – gefasst, dass wir einfach in der Verpflichtung sind, nicht von Pontius zu Pilatus zu gehen und jetzt auch unsere Behandlungsnetzwerke – – Wir haben Hinweise von der Uni Tübingen, wir haben kinderspezifische Hinweise aus Offenburg, wir haben Hinweise von der Uni Ulm und von anderen starken Netzwerken, z. B. unser CoFit-Netzwerk mit über 80 Kliniken nach Behandlung auf Intensiv. Damit versuchen wir, die Behandelten, die persönlich häufig sehr, sehr verzweifelt sind und sich in einer sehr, sehr massiven Leidensphase befinden, nicht von Pontius zu Pilatus zu schicken.
