landtag-bw.de ↗

Dr. Timm Kern

FDP 19.07.2023 Sitzungen 17/71

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute debattieren wir über ein bildungspolitisches Thema, das fast jede Schülerin und jeden Schüler an einem Gymnasium sowie jedes Elternteil dieser Kinder betrifft, nämlich die Regeldauer des allgemeinbildenden Gymnasiums. Vor der Einführung von G 8 war das Gymnasium durchweg neunjährig, und ich sage es an dieser Stelle ganz offen: Damals, vor knapp 20 Jahren, war es eine Regierung aus CDU und FDP/DVP, die das achtjährige Gymnasium eingeführt hat. (Abg. Gabriele Rolland SPD: Nein!) Das hatte damals auch durchaus nachvollziehbare Gründe: Man wollte junge Menschen schneller in Studium und Arbeit bringen. Doch knapp zwei Jahrzehnte später müssen wir feststellen: Der damals erhoffte Erfolg hat sich eben nicht eingestellt. Das Hauptproblem, das sich im Laufe der Jahre bei G 8 herauskristallisiert hat, war der Mangel an Zeit für die Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien, viel zu wenig Zeit für das Lernen, für Freunde, für das Ehrenamt oder schlicht für das kreative Ausleben und Austoben. Kurz zusammengefasst: Es fehlt Zeit für eine bestmögliche Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der SPD) (Dr. Timm Kern) Wer das bis zum Jahr 2020 noch nicht realisiert hatte, wurde spätestens im Zuge der Coronakrise endgültig eines Besseren belehrt. Aber auch an ganz anderer Stelle wird deutlich, dass mit dem achtjährigen Gymnasium neue Probleme entstanden sind. So beklagen sich die Hochschulen in unserem Land über den deutlichen Anstieg mangelnder Studierfähigkeit. Es ist dabei fast schon zur Normalität geworden, dass Hochschulen Vorbereitungskurse für die Abiturientinnen und Abiturienten anbieten müssen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, alle westdeutschen Flächenbundesländer haben aus diesen Gründen reagiert und sind wieder zu G 9 in der Regelform zurückgekehrt – (Abg. Thomas Poreski GRÜNE: Die brauchen auch Vorbereitungskurse! Woran liegt das denn?) alle, bis auf Baden-Württemberg, (Zuruf: Alle?) und das, obwohl es hier eine eindeutige Mehrheit für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium gibt: bei den Eltern, bei den Schülern, bei den Lehrern und – jetzt kommt die Pointe – eigentlich auch hier im Landtag. Denn wir seitens der FDP/DVP sind genauso wie die SPD und auch die CDU für die Rückkehr zu G 9. (Zuruf des Abg. Daniel Lindenschmid AfD) Einzig und allein die Grünen und ihr Ministerpräsident Winfried Kretschmann sind verantwortlich dafür, dass es in dieser Frage in Baden-Württemberg nicht vorangeht. (Beifall bei der FDP/DVP – Abg. Anton Baron AfD: Sie haben die AfD vergessen!) Liebe Grüne sowohl auf der Regierungsbank hinter mir als auch auf den Fraktionssitzen vor mir: Die Fakten liegen auf dem Tisch. Die Menschen in Baden-Württemberg sind sich einig: Eine übergroße Mehrheit der Baden-Württemberger wäre begeistert, wenn Sie endlich handeln würden, statt in dieser Frage die Ohren weiter auf Durchzug zu stellen. Aber leider bleibt das wohl Wunschdenken. Denn um den Prozess rund um G 9 noch ein wenig mehr in die Länge zu ziehen, hat der Ministerpräsident jetzt eine Bürgerbeteiligung gestartet. Wir Freien Demokraten halten von dieser Bürgerbeteiligung nichts. Warum? Ganz einfach: weil wir der Überzeugung sind, dass in Sachen G 9 jetzt gehandelt werden kann und muss, statt weiter zu diskutieren. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der SPD) Liebe Grüne, jetzt geben Sie es doch zu – wir sind ja hier unter uns –: Es geht Ihnen doch gar nicht um eine echte Bürgerbeteiligung. Sie möchten in Wirklichkeit Zeit gewinnen, um sich bis zur nächsten Landtagswahl zu retten. (Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Da täuschen Sie sich, Herr Kollege!) Aber das ist mit uns Liberalen nicht zu machen. Für uns Freie Demokraten gilt: Nicht quatschen, sondern handeln, liebe Kolleginnen und Kollegen. periode – 71. Sitzung – Mittwoch, 19. Juli 2023 (Beifall bei der FDP/DVP) Ich will da auch mit Nachdruck an die CDU appellieren. Hier ist die Gelegenheit, einmal zu zeigen, dass es Sie in der Bildungspolitik in diesem Land noch gibt. Sie wissen, was in dieser Frage richtig ist und was zu tun ist. Seien Sie mutig, und handeln Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU. (Beifall bei der FDP/DVP) Auch Sie, liebe Kollegen von der SPD, tun jetzt so, als hätten Sie mit der aktuellen Bildungsmisere nichts zu tun. Dabei hat Ihre Regierungsbeteiligung eine wesentliche Ursache hierfür bereitet. Der Kollege Fulst-Blei hat sich jüngst damit gerühmt, dass die SPD in der grün-roten Landesregierung dafür gesorgt habe, 44 G-9-Modellgymnasien einzurichten. Doch damit hat sich die Situation in unserem Land ja in keiner Weise nachhaltig verbessert. Vor knapp zwei Jahren offenbarte der Philologenverband die unhaltbaren Zustände an den 44 G-9-Modellgymnasien, die damals von Grün-Rot aufgesetzt wurden. Ich zitiere: Die Anmeldezahlen an den G-9-Gymnasien sind so hoch, dass häufig Schülerinnen und Schüler abgewiesen werden oder Plätze verlost werden müssen. (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Was ist passiert? –

Alle Reden von Dr. Timm Kern Protokoll ↗