Thomas Poreski
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Der von der SPD-Fraktion gewählte Titel dieser Aktuellen Debatte bringt vor allem eines zum Ausdruck: eine Geringschätzung von Bürgerräten (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Ach ja! – Abg. Sa- scha Binder SPD: Oh, jetzt! Das sagt der, der dem Parlament Geringschätzung entgegenbringt!) nach dem Motto: „Wir, die SPD, haben ja schon das Patentrezept. Da stört es nur, wenn sich Bürgerinnen und Bürger vertieft mit Chancen und Risiken auseinandersetzen.“ (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Das wurde doch ge- macht!) Eine Politik des Gehörtwerdens scheint in Baden-Württemberg nicht die Linie der SPD zu sein – (Abg. Sascha Binder SPD: Oh Gott!) ganz im Gegensatz zur Bundestagspräsidentin Bärbel Bas von der SPD, die alles dafür tut, Bürgerräte als wichtiges Beteiligungsformat zu etablieren; (Abg. Gabriele Rolland SPD: Ja!) denn sie bieten eine Chance, öffentlichen Debatten zu strittigen Themen mehr Differenzierung und Tiefgang zu verleihen. Sie sind ein Gegengewicht zu populistischen Verkürzungen und damit ein Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Es kommt immer auch darauf an, was man hören will, Herr Kollege. (Zuruf des Abg. Daniel Born SPD) Der Beginn des Beteiligungsverfahrens am Montag hat bereits gezeigt, dass bei der Debatte über G 8 (Zuruf des Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD) und G 9 Risiken und Nebenwirkungen zu Recht bedacht werden müssen und dass es gleichwohl gute Gründe für die Debatte gibt. Ein Motiv für den Wunsch nach G 9 ist die enorme Arbeitsbelastung der Kinder und Jugendlichen in der Unter- und der Mittelstufe. Auch viele Lehrkräfte beklagen zu Recht: Die gigantische Stoffmenge erdrückt die Pädagogik, verhindert eine Kompetenzbildung und sorgt für das berüchtigte Bulimielernen: schnelles Eintrichtern von Stoff ohne echte geistige Verankerung. Es bleibt viel zu wenig Raum für Vertiefung, die für einen nachhaltigen Bildungserfolg spielentscheidend ist – Stichwort „Deeper Learning“. Da müssen wir, und zwar (Thomas Poreski) unabhängig von G 8 und G 9, ran. Die bisherigen Nachbesserungen genügen nicht.
