Daniel Born
Vielen Dank, Herr Abg. Dr. Schütte. – Ich darf das Wort der Frau Ministerin erteilen. Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Petra Olschowski: Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich, dass ein paar aus der Mittags pause zurück sind, und danke der Fraktion der CDU herzlich, dass wir uns, wenn auch in kleinem Kreis heute, kurz des The mas „Innovation und Mobilität“ und der Frage, wie diese Neu erungen aus der Forschung in Wirtschaft und Gesellschaft transferiert werden, annehmen können. Im „InnovationsCampus Mobilität der Zukunft“ bündeln seit 2019 das KIT, also das Karlsruher Institut für Technologie, und die Uni Stuttgart ihre Kompetenzen, um neue Formen von Mobilitäts und Produktionstechnologien zu erforschen. Sie wissen, es geht wie auch bei den anderen Innovationscampus modellen darum, Kompetenzen zu verdichten, zusammenzu binden und intensiv gemeinsam zu arbeiten. Ich glaube, ich kann hier sagen, dass die Universität Stuttgart und das KIT in Karlsruhe entgegen einer langjährigen Tradition, in der die beiden Hochschulen eigentlich immer um vergleichbare Stu dierende und auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gerungen haben und deswegen durchaus in einem Wettbe werbsverhältnis standen und stehen, an diesem Punkt seit 2019 konstruktiv zusammenarbeiten. Ich beginne mit der Beantwortung der ersten Frage, nämlich der Frage nach der Förderung der letzten Jahre. Seit 2019 bis 2024 wird die Aufbauphase des „InnovationsCampus Mobi lität der Zukunft“ mit rund 65 Millionen € gefördert. 10 Mil lionen € entfallen auf den gestarteten Aufbau des Campus 2019, 3,5 Millionen € aus den Mitteln der Zukunftsoffensive auf die initiale Einrichtung von zwei Nachwuchsgruppen in diesem Zusammenhang in den Bereichen „Emissionsfreie Mo bilität“ und „Additive Fertigung“. 50 Millionen € stehen seit dem Frühjahr 2021 für den weiteren Ausbau zur Verfügung, vor allem in Programmmitteln. Zusätzlich sind für bis zu zehn Jahre vier Professoren für die Forschung an Mobilitäts- und Produktionstechnologien zugewiesen. Sie wissen: Wir haben im vergangenen Doppelhaushalt 2023/2024 die strukturelle Förderung des Campus ab 2024 mit 2,8 Millionen € pro Jahr abgesichert. Man kann die Einzelmaßnahmen in etwa so fassen: Es gibt der zeit rund 100 Forschungsprojekte in den Bereichen Mobili täts und Produktionsforschung, insgesamt sechs Nachwuchs eriode – 65. Sitzung – Mittwoch, 24. Mai 2023 gruppen und ein internationales Austauschprogramm sowie die Unterstützung von Forschungsinfrastruktur mittels Zu kunftslaboren. Es gibt eine starke Zusammenarbeit mit den KMUs über Programme wie „Innovation Challenges“ und Verbundprojekte – ich komme nachher noch einmal darauf zu sprechen –; es gibt den Aufbau eines Accelerator-Programms zur Ermöglichung von Ausgründungen. Ich denke, man kann zu Recht sagen, dass der „Innovations Campus Mobilität der Zukunft“ im Zentrum der baden-würt tembergischen Forschungs, Mobilitäts und Produktionstech nologien steht, auch im nationalen und internationalen Kon text. Es geht natürlich auch darum, weitere Drittmittel auch für dieses Leuchtturmprojekt im Bereich der Mobilität zu ge winnen. Ich möchte ein paar konkrete Beispiele für Projekte nennen. Beispielsweise gibt es eine Kooperation mit einem KMU, durch das über KI die Qualitätskontrolle für stabileres Laser schneiden in der Elektromobilität ermöglicht werden soll. Sie wissen vielleicht, dass es in der Elektromobilität zum Teil um sehr, sehr kleine, sehr feine – wie soll ich sagen? jetzt fällt mir das Wort nicht ein – (Zuruf der Abg. Gabriele Rolland SPD) Teile geht. Es ist wichtig, dass sowohl die Laserleistung als auch die Schneidegeschwindigkeit für diese diffizilen Teilpro dukte optimal sind. Über KI-Algorithmen soll weniger Aus schuss produziert werden. Das ist ein Beispiel für ein Projekt, um zu sehen, was die eigentlich in der Umsetzung machen. Ein zweites Projekt, aus dem Bereich „Nachhaltigkeit der Elektromobilität“: Dabei geht es darum, neue, alternative Mo toren zu finden, die ohne Seltene Erden auskommen. Sie wis sen, auch das ist ein ganz zentrales Thema. Oder es geht um das Thema „Reichweite von Fahrzeugen mit elektrischen Mo toren über induktive Energieübertragung“. Das heißt, diese konkret erarbeiteten Lösungen durch Grund lagenforschung sind am Ende auch notwendig, um die Ska lierbarkeit und die wirtschaftliche Nutzung überhaupt erst zu ermöglichen. Das waren einmal ein paar Beispiele hierfür. Zur zweiten Frage, zum Thema „Eingebundenheit von Ein richtungen in den Innovationscampus“: Wir wissen, dass die Innovationscampusmodelle je nach Standort unterschiedlich sind. Beim KIT und der Uni Stuttgart sieht die Gesamtgemen gelage so aus, dass 26 Forschungsinstitute am KIT und 20 an der Uni Stuttgart aktiv beteiligt sind. Es wirken rund 300 For scherinnen und Forscher beider Universitäten mit. Weitere Partner sind die DHBW Mannheim, die Hochschulen für an gewandte Wissenschaften in Aalen und Esslingen, zwei Fraun hofer-Institute, nämlich Chemische Technologie in Pfinztal sowie Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart, sowie fünf internationale Forschungseinrichtungen aus Aust ralien, Frankreich, Großbritannien und den USA. Wir haben unterschiedlichste Projektpartnerschaften mit gro ßen und kleinen Unternehmen. Mit 15 Unternehmen gibt es sogenannte Projektpartnerschaften. Im Rahmen des bereits genannten Programms „Innovation Challenges“ existieren im Moment 17 Projektpartnerschaften mit baden-württembergi schen KMUs. Außerdem hat sich ein Beirat gebildet mit Un ternehmen wie Bosch, Trumpf, Schaeffler, Zeiss, Vector In (Ministerin Petra Olschowski) formatik, ABB, RA Consulting – um nur ein paar zu nennen. Es handelt sich also um unterschiedliche Partner aus dem Un ternehmensbereich, die auch im Beirat vernetzt sind, sodass es ein tatsächlich funktionierendes System zwischen For schung, Hochschule und Wirtschaft gibt. Dass diese Strukturen nachhaltig wirken sollen, ist ein Anlie gen, das wir haben. Tatsächlich: Beide Hochschulen, das KIT und die Uni Stuttgart, stehen insgesamt vor großen Heraus forderungen. Wir haben hier schon mehrfach über das Thema Nachwuchs, aber auch über die Studierendenzahlen oder die Frage nach der Ausrichtung der Universitäten gesprochen. Durch den „InnovationsCampus Mobilität der Zukunft“ ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fachdisziplinen Ma schinenbau, Elektrotechnik und Informatik beider Universi täten maßgeblich gestärkt, befördert und auch dauerhaft eta bliert worden. Es sind die Fachbereiche, die für die beiden großen Universitäten beispielhaft sind. Wir wissen aber auch, dass in diesen Bereichen gerade eine enorme Transformation und enorme Veränderungen stattfinden. Die Verschränkung und Angleichung auch in den Curricula und in den Vorlesungen finden statt, organisiert und abgespro chen über die Geschäftsstellen beider Universitäten. Wenn man den Campus besucht, die Partner besucht, stellt man tat sächlich fest, dass es mittlerweile so etwas wie einen gemein samen Spirit über die beiden Standorte hinweg gibt. Dafür sorgen auch Großveranstaltungen wie der Innovationscam pus-Mobilitätstag und Vernetzungsaktivitäten für Nachwuchs forschende. Der nächste Schritt sind jetzt die interuniversitäre und die in terfakultäre Organisation beider Universitäten für den Cam pus, die vorgesehen sind und die Kooperation ab jetzt dauer haft und fest verankern sollen. Das ist der nächste Schritt, der kommt. Zum Thema IT: In einem großen Teil der mehr als 100 Pro jekte sind IT- und softwaregetriebene Technologien ein zent raler Aspekt. Es ist ganz klar, dass die Software als Ermögli cherin moderner Mobilität und Produktion definiert wird. Ich habe über das Thema KI vorhin schon gesprochen und ein Beispiel genannt. Es ist ganz klar, dass das Thema „KI-getrie bene Umsetzung“ ganz wichtig ist, und zwar gerade auch, um Themen wie Nachhaltigkeit und „Bessere Effizienz“ voranzu treiben. Aber auch im Bereich Design und Fertigung spielen Softwarefragen natürlich eine ausgesprochen wichtige Rolle.
