landtag-bw.de ↗

Dr. Dorothea Kliche-Behnke

SPD 01.02.2023 Sitzungen 17/56

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Krieg in der Ukraine, Fachkräftemangel, Transformation unserer Wirtschaft, die Situation in den Kitas und in den Schulen in unserem Land, (Abg. Raimund Haser CDU: Keine anderen Proble- me!) die Krankenhauslandschaft – (Abg. Raimund Haser CDU: Ganz dünnes Eis! – Ver- einzelt Heiterkeit bei der CDU) es gäbe so viele Themen, zu denen wir uns hier zu Wort melden könnten, aber die FDP/DVP schlägt als wesentliches Thema für die heutige Debatte etwas ganz anderes vor. (Abg. Anton Baron AfD: Heute schon gegendert?) Ihnen geht es um die Richtlinien zur Nutzung der deutschen Sprache in Landesbehörden und Ministerien. Das scheint Sie wahnsinnig umzutreiben. Im Übrigen hat sich die CDU im vergangenen Jahr zu diesem Thema absolut gleichlautend gemeldet. Man merkt an dieser Stelle eine große Nähe bei Ihnen bzw. in Ihren Reden. (Beifall bei der SPD – Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Das soll vorkommen! – Vereinzelt Hei- terkeit) Worum geht es da? Vorgeblich geht es um Rechtschreibung und Grammatik. Aber bei näherer Betrachtung geht es natürlich um etwas anderes. Es wird klar: Es geht um geschlechtergerechte bzw. geschlechtersensible Sprache, um den Genderstar, das Binnen-I, den Unterstrich, die ja nichts anderes iode – 56. Sitzung – Mittwoch, 1. Februar 2023 bedeuten als die sprachliche Anerkennung der Tatsache, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, was im Übrigen auch das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat. Es geht immer auch darum, dass wir Frauen nicht einfach mit gemeint sind. (Zuruf von der FDP/DVP: Blödsinn!) Der Rat für deutsche Rechtschreibung beruft sich in seinen Ausführungen zu Recht darauf, dass es ein sprachwissenschaftliches Fundament braucht; das ist völlig richtig. Es sei aber allen gesagt: Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler gehen immer davon aus, dass Sprache dem Wandel unterworfen ist. (Zuruf der Abg. Carola Wolle AfD) Es gibt in der Sprachwissenschaft niemals das Bild der starren Sprache. (Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen) Sprache unterliegt also immer dem Wandel. Dieser Wandel vollzieht sich niemals überall zur gleichen Zeit. Man denke nur an die zweite Lautverschiebung. Als Germanistin muss ich dem Germanisten Dr. Rülke sagen: Den sprachlichen Wandel werden Sie mit Ihrem Antrag nicht aufhalten, weil Sie den gesellschaftlichen Wandel nicht aufhalten werden. (Beifall bei der SPD und den Grünen – Zuruf des Abg. Joachim Steyer AfD) An Herrn Ministerpräsident Kretschmann und diejenigen, die sich voller Sorge geäußert haben: Denken Sie nicht, dass die Schülerinnen und Schüler an unseren Schulen mit dieser Situation, vor der sie gerade stehen, wirklich überfordert sind. Ich muss Ihnen zu Ihren Ausführungen zum „Erlkönig“ auch sagen: Die Begriffe „Eltern“ und „Kinder“ sind geschlechtsneutral; diese werden niemals zur „Elternperson“ und „Kindsperson“. (Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen) Ich fürchte, dass es manch einen hier ein bisschen mehr überfordert, was da gerade alles im Wandel ist. (Unruhe bei der AfD) Im Übrigen reden wir, wenn wir über solche Dinge sprechen, niemals von Wörtern und Sprachphänomenen. Vielmehr geht es am Ende immer um Menschen. (Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen) Sie, die FDP/DVP, reden immer so gern – – (Unruhe bei der AfD)

Alle Reden von Dr. Dorothea Kliche-Behnke Protokoll ↗