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Dr. Timm Kern

FDP 01.02.2023 Sitzungen 17/56

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn uns die Coronapandemie eines deutlich gezeigt hat, dann, dass vor allem eine Ressource für die bestmögliche Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen in unserem Land ein überaus kostbares Gut ist, nämlich Zeit. Durch die aktuellen Rahmenbedingungen, die sie selbst nicht beeinflussen können, haben die Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien in Baden-Württemberg deutlich zu wenig Zeit: zu wenig Zeit für das Lernen, für Freunde, für Vereinstätigkeiten, für das Ehrenamt wie Rotes Kreuz oder Feuerwehr, für das kreative Ausleben und Austoben z. B. in Musik, Sport oder Kunst. Kurzum: Es fehlt die Zeit für die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit. (Beifall bei der FDP/DVP und des Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD) (Dr. Timm Kern) Es ist nun 19 Jahre her, dass die damalige, christlich-liberale Landesregierung G 8 einführte. Die Begründung damals lautete, man wolle die Schulzeit verkürzen, um einen früheren Studien- oder Ausbildungsbeginn zu ermöglichen. Doch fast zwei Jahrzehnte später hat sich gezeigt: Der erhoffte Erfolg von G 8 stellt sich so nicht ein. Durch die engere Taktung und immer weniger Zeit, sich mit seinen eigenen Interessen auseinanderzusetzen, sind zu viele junge Menschen nach dem Abitur ratlos, was sie denn nun akademisch oder beruflich machen wollen. Und schließlich beklagen die Universitäten eine zunehmende mangelnde Studierfähigkeit und bieten immer mehr Vorbereitungskurse an. Die FDP richtet ihre bildungspolitischen Grundsätze und Forderungen an der Realität aus. Angesichts dieser Realität kann man nur eine richtige Konsequenz ziehen: Die Landesregierung muss zum Wohle der Kinder und Jugendlichen wieder G 9 in der Regelform an unseren Gymnasien anbieten, und zwar an jedem Gymnasium, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der SPD) In der aktuellen grün-schwarzen Bildungspolitik sucht man diese Orientierung an den tatsächlichen Gegebenheiten allerdings vergeblich. Obwohl man um die Hintergründe und Folgen von G 8 weiß, macht man einfach genauso weiter wie bisher. 2021 offenbarte der Philologenverband die unhaltbaren Zustände an den 44 G-9-Modellgymnasien. Ich zitiere: Die Anmeldezahlen an den G-9-Gymnasien sind so hoch, dass häufig Schülerinnen und Schüler abgewiesen werden oder Plätze verlost werden müssen, ... Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe ja durchaus eine gewisse Fantasie, aber ich hätte mir bis vor einigen Jahren niemals vorstellen können, dass die Bildungsbiografie eines baden-württembergischen Schülers einmal am Losglück hängen würde. (Beifall bei der FDP/DVP und der SPD)

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