Dr. Dorothea Kliche-Behnke
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte Ihnen heute von Inga erzählen. Inga war eine Studentin in Tübin gen, eine junge, aufgeweckte, sehr lebensfrohe Frau. Sie hat viel gelacht, war fleißig, engagiert, sehr sozial, kommunika tiv. Sie hat hart gejobbt, um sich ihr Studium zu finanzieren. Und Inga konnte wahnsinnig gut backen. Das letzte Mal, als ich sie gesehen habe, hat sie eine wunderschöne Torte für mei nen Sohn zu seiner Taufe gebacken. Das letzte Mal, als ich sie gesehen habe, ist jetzt schon fast 13 Jahre her. Denn in einer Nacht hat Ingas Ehemann sie in den eigenen vier Wänden im Streit getötet. Mit dabei war der ge meinsame kleine Sohn. Wir alle hoffen, dass er nicht zu viel davon mitbekommen hat, was da passiert ist. Warum erzähle ich Ihnen das? Zum einen, weil es mich be wegt und weil ich, wenn wir über die Istanbul-Konvention sprechen, natürlich immer an Inga denke, aber auch deshalb, weil es sehr viele verschiedene Möglichkeiten der Reaktio nen auf das gibt, was ich Ihnen gerade geschildert habe. Es wird die einen geben, die vielleicht zuerst mal fragen, wel chen Vornamen der Mann denn trägt, der Inga getötet hat. Hat er Migrationshintergrund? Ich glaube, hier im Saal gibt es Leute, die diese Frage stellen werden. (Zurufe von der AfD: Jawohl! – Richtig!) Und es gab ja auch Leute in Berlin, Abgeordnete, die solche Fragen bei den Taten nach Silvester gestellt haben. Es wird manche geben, die fragen: Was erzählt die da? Wir sind hier ein Parlament, und das hier ist eine persönliche, pri vate Sache zwischen zwei Personen, sehr bemitleidenswert, aber was gehört das eigentlich in den politischen Raum? Und dann gibt es die anderen – dazu gehört natürlich klar die SPD-Fraktion –, die das, was Inga passiert ist, als Femizid be zeichnen und damit als einen Teil, einen Ausdruck einer ge schlechtsspezifischen Gewalt. Damit sind wir beim Thema Is (Dr. Dorothea Kliche-Behnke) tanbul-Konvention. Die Istanbul-Konvention verpflichtet uns, genau dagegen vorzugehen und Strukturen zu schaffen, die geschlechtsspezifische Gewalt verhindern. Deshalb ist das so wichtig. (Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU und der FDP/DVP) Jetzt wurde vielfach über die konkreten Maßnahmen gespro chen. Der GREVIO-Bericht hat im letzten Jahr sehr deutlich angemahnt, dass Deutschland in der Umsetzung der Istanbul Konvention nicht weit genug ist. Ich freue mich, dass Bun desfamilienministerin Paus heute im Ausschuss – – (Glocke des Präsidenten)
