Dr. Timm Kern
Frau Ministerin, wenn ich Sie richtig verstanden habe, haben Sie gesagt: Wenn wir über die Abschaffung der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung diskutierten, wäre das eine Strukturdebatte, und das würde jetzt, z. B. hinsichtlich der Ergebnisse von VERA 8, nichts bringen. Ich glaube, da liegen Sie falsch; denn die viel zu schnell und schlecht durchgeführte Abschaffung der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung hat dazu geführt, dass es Wanderungsbewegungen gibt, dass wir insbesondere an den Realschulen, aber auch an den Gymnasien eine viel größere Heterogenität haben. Wie sollen sich die Lehrerinnen und Lehrer um möglichst jedes einzelne Kind an den Realschulen, an den Gymnasien kümmern, wenn diese Klassen eine sehr hohe Heterogenität haben? Es hat sehr wohl etwas mit Unterrichtsqualität zu tun, ob sich die Lehrkräfte tatsächlich um die Kinder kümmern können. Denn je größer die Heterogenität ist, desto schwieriger ist es. Da würde mich doch sehr interessieren, wie Sie zu der Meinung kommen, dass die Diskussion darüber, wie es zu dieser Heterogenität kommt, nichts mit Qualität zu tun habe. Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Theresa Schopper: Also, Herr Dr. Kern, meine Aussage ist, dass die Strukturdebatten als solche noch kein Erklärungsmuster für entsprechende Ergebnisse aus den IQB-Studien sind. Es gibt zwei, drei Länder, die eine Grundschulempfehlung haben. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Bayern!) Eine Grundschulempfehlung haben Brandenburg, Tübingen (Vereinzelt Heiterkeit – Abg. Dr. Markus Rösler GRÜ- NE: Das könnte auch sein! Beim Boris weiß man nie!) – nein, nicht Tübingen; Thüringen – und Bayern. Das sind die drei Länder, die Grundschulempfehlungen haben. Die anderen Länder haben keine Grundschulempfehlung. Und daran jetzt festzumachen, dass eine Grundschulempfehlung – egal, ob ja oder nein – Auswirkungen auf die IQB-Ergebnisse hat – – (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: VERA 8!) – Wir haben gerade das Thema IQB; ich habe von IQB geredet. Aber diese Debatte führen wir jetzt nicht hier, sondern wir führen sie ein andermal. Meine Redezeit ist zwar nicht begrenzt, aber doch endlich. (Vereinzelt Heiterkeit – Abg. Dr. Markus Rösler GRÜ- NE: Sie sollte enden!) (Ministerin Theresa Schopper) Sonst kommt wieder der Egon und sagt mir, man müsse auch mal aufhören – daher. (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Genau! Keinen Hauk machen!) – Nein. – Ich möchte etwas erwähnen, was hier überhaupt noch nicht genannt wurde und was doch einer der größten positiven Aspekte ist, die wir momentan haben: Am Programm „Aufholen nach Corona“ nehmen mittlerweile 90 % der Schulen teil, mit 1 600 Kooperationspartnern. Wir haben 13 000 Einzelpersonen, die zur Unterstützung registriert sind; das sind sozusagen 13 000 Kurse, mit denen wir hineingehen. Das ist viel Geld; es sind 260 Millionen €, die wir dort insgesamt über das Programm „Aufholen nach Corona“ oder bei uns „Lernen mit Rückenwind“ an den Schulen einsetzen. Dies nutzen wir an unseren Schulen momentan nicht nur, um die Kinder in Deutsch, Mathe und der ersten Fremdsprache nach vorn zu bringen, sondern mit diesem Programm gehen wir gerade auch auf die sozial-emotionalen Belange ein und versuchen, bei sozialen Defiziten aufzuholen. Genau das brauchen wir auch dringend; das haben mir die Schulen unisono gesagt. Sie können damit schon in den ersten Klassen anfangen, weil die Möglichkeiten vorhanden sind, aufzuholen. Die Kinder, die heute in die erste Klasse kommen, gehören den Coronajahrgängen an, die am meisten geplagt waren. Denn die Kindergärten waren geschlossen, Spielplätze waren geschlossen. Genau diese Kinder müssen wir abholen, und sie sollen schon jetzt eine Förderung erhalten. Das ist mir wirklich ein Anliegen. Pädagogische Assistentinnen und Assistenten: Sie sagen: Na ja, ob wir da welche finden, das wird man noch sehen. Wir haben jetzt sowohl bei der Plattform für die Ukraine als auch beim „Lernen mit Rückenwind“ Interessentinnen und Interessenten, sodass ich mir sehr sicher bin, dass wir die entsprechenden Leute, die wir dringend brauchen, auch für die pädagogischen Assistenzen bekommen werden. Ich bin gottfroh, dass wir die notwendigen Mittel über das Programm „Lernen mit Rückenwind“ akquirieren konnten, und zwar auch durch die Unterstützung des Finanzministeriums. (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Auf drei Jahre be- fristet!) – Ja, auf drei Jahre befristet. Aber wir müssen doch einfach mal anfangen. Immer gleich zu mäkeln und zu sagen: „Mensch, das ist ja nicht im ganzen Land“, das ist doch irgendwie – – Da denke ich mir: Sapperlot, es gilt doch, einfach mal damit anzufangen. Das ist doch der Punkt. (Beifall bei den Grünen und der CDU – Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Sehr gut! Genau! – Abg. Tobias Wald CDU: Sehr gut!)
