Dr. Natalie Pfau-Weller
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich habe meist das Vergnügen, zu von der AfD-Fraktion beantragten Aktuellen Debatten zu sprechen – (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Da hätte ich eine andere Gefühlslage!) die leider unmögliche Titel tragen. So auch heute; denn wir, die CDU, sehen die Energiewende nicht als Wohlstandsende. (Beifall bei der CDU und den Grünen sowie Abge- ordneten der SPD) Da wir beim ersten Tagesordnungspunkt schon sehr viel über die Kernenergie und allgemein über die erneuerbaren Energien gesprochen haben, möchte ich in meinem Beitrag die Aufmerksamkeit eher auf die Wärmeversorgung der Zukunft lenken. (Beifall des Abg. Winfried Mack CDU) Die grün-schwarze Koalition hat sich aufgemacht, aus Baden-Württemberg das Klimaschutzland Nummer 1 zu machen. Wir werden die Klimaziele nur erreichen, wenn wir hier auch im Wärmesektor eine schnellere Umstellung hinbekommen. Denn Warmwasser und Raumwärme verbrauchen laut Umweltbundesamt den weit überwiegenden Teil der Endenergie in den Haushalten. Bei der Wärme liegt der regenerative Anteil erst (Dr. Natalie Pfau-Weller) bei knapp 15 %. Wir sehen hier also einen sehr starken Handlungsbedarf. Ein Umdenken im Wärmesektor hin zu mehr Effizienz und erneuerbaren Energien ist zum einen, wie gesagt, schon für das Erreichen der Klimaschutzziele wichtig und zum anderen, wie wir auch beim ersten Tagesordnungspunkt besprochen haben, um die Abhängigkeit Deutschlands von Energielieferungen aus autoritären Staaten zu verringern. (Beifall bei der CDU und der SPD sowie Abgeord- neten der Grünen) Entscheidend dafür sind Energieeffizienzmaßnahmen, auch in der Industrie, der Ausbau der erneuerbaren Energien und natürlich weitere Maßnahmen im Gebäudesektor. Wir benötigen hierfür, wie meine Vorrednerin Jutta Niemann schon gesagt hat, eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für die erneuerbaren Energien, die Umsetzung der Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung, eine Umstellung der Gas- und Ölheizungen auf klimaneutralere Kraftstoffe oder andere Heiztechniken und Förderprogramme für die Transformation der Industrie sowie eine Fachkräfteoffensive. Denn alles in allem können wir die Einsparungen nicht allein durch einen Technologiewechsel erzielen, der uns, wie ich schon gesagt habe, ermöglicht, die Ziele im Klimasektor zu erreichen, sondern wir müssen auch den Energiesektor resilienter aufstellen. Damit beschäftigen wir uns auch in der Enquetekommission „Krisenfeste Gesellschaft“. Wärme ist ein lokales Thema. Das heißt, wir müssen lokal immer schauen: Wie sind die lokal verfügbaren Potenziale, und wie ist die Wärmenetzinfrastruktur? Deswegen sind wir, die CDU-Landtagsfraktion, technologieoffen. Wir sehen den Technologiemix als wichtig an und ziehen sowohl Biogas, Biomasse als auch Geothermie, Wärmepumpen, PV, Nah- und Fernwärme als Wärmelieferanten in Betracht. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Stichwort Gebäudesanierung: Fast drei Viertel der Gebäude in Deutschland und auch in Baden-Württemberg sind aus den Siebzigerjahren. Das ist eine Zeit gewesen, in der es noch keine Vorgaben in den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien gab. Dadurch ergibt sich ein unglaublicher Sanierungsbedarf und auch ein Sanierungsstau. Das bedeutet, wir müssen jetzt gemeinsam, die Politik mit der Gesellschaft, die Häuser auf ein höheres energetisches Niveau hin dämmen, ertüchtigen, beispielsweise auch die Fenster austauschen und die Wärmeversorgung schrittweise auf erneuerbare Energien umstellen. Hier wird auch der Fachkräftemangel ein großes Problem werden. Dieser wird sich in den kommenden Jahren leider noch verschärfen. Ein erster Schritt für jeden Gebäudeeigentümer, jede Gebäudeeigentümerin ist, den individuellen energetischen Sanierungsfahrplan anzuwenden. Das machen jetzt sehr viele Kundinnen und Kunden. Es ist auch ein Beratungsinstrument der vergangenen Legislaturperioden, dass man gebäudeindividuell schaut, was man in der einzelnen Immobilie machen kann. Wir finden, dass der Fahrplan ein sehr erfolgreiches Instrument ist. Im Moment liegt das Problem leider darin, dass die personellen Kapazitäten und auch das Material nicht vorhanden sind. iode – 47. Sitzung – Donnerstag, 13. Oktober 2022 (Abg. Emil Sänze AfD: Das wird auch so bleiben! – Abg. Dr. Uwe Hellstern AfD meldet sich. – Die Red- nerin macht eine Geste, um ihm das Wort zu erteilen. – Heiterkeit – Glocke des Präsidenten)
