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Andreas Sturm

CDU 21.07.2022 Sitzungen 17/44

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Die CDU-Fraktion ist der Meinung, dass der von der SPD vorgelegte Gesetzentwurf zur beruflichen Orientierung am Gymnasium inhaltlich ein wichtiges Thema anspricht. (Abg. Andreas Kenner SPD: Sehr gut! – Abg. Gabri- ele Rolland SPD: Immerhin!) Zwar hat das Gymnasium primär die Befähigung zum Hochschulstudium als Ziel. Jedoch: Bei einer Übergangsquote von 44 % von der Grundschule auf das Gymnasium (Abg. Gabriele Rolland SPD: Nur? 83 %!) ist es naheliegend, dass wir die berufliche Orientierung am Gymnasium stärken müssen – natürlich ohne die Studierfähigkeit zu vernachlässigen. Wenn wir aber gerade bei Quoten sind: 50 % der Studierenden an baden-württembergischen Hochschulen haben ihren Hochschulzugang nicht an einem allgemeinbildenden Gymnasium erworben. Das muss man auch einmal betonen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Auch wenn wir die inhaltliche Themensetzung begrüßen, ist das Vorgehen formal nicht zielführend und wirkungslos. Denn für eine erfolgreiche Berufs- und Studienorientierung ist es nicht mit einem ergänzenden Passus in irgendeinem Schulgesetz getan. Wir brauchen Best Practice für eine gelingende Umsetzung vor Ort, mehr Praxis statt eines theoretischen Passus in einem Schulgesetz, in das er nicht hineingehört. (Beifall bei der CDU – Abg. Gabriele Rolland SPD: Wieso gehört er da nicht hinein?) Denn der Busfahrplan hängt ja auch an der Bushaltestelle und liegt nicht im Handschuhfach des Busfahrers. (Abg. Gabriele Rolland SPD: Hä?) Die Debatte ist deshalb grundsätzlich richtig, aber nicht zielführend. Was stellen wir uns also vor? Eine Verankerung im Curriculum. Wir regen an, stärker mit den Ausbildungspartnern, mit den Industrie- und Handelskammern sowie dem Baden-Württembergischen Handwerkstag zu kooperieren, um deren Expertise in diese Fragestellung mit einzubeziehen. Bei den IHKs gibt es da eine große Bandbreite: die landesweite Praktikumswoche in Baden-Württemberg, den „Sommer der Berufsausbildung“ auf Bundesebene, das Vermittlungsprojekt „Azubi gesucht?“, das Bewerbungsformat „Azubi-Speed-Dating“ sowie die Initiative „Ausbildungsbotschafter“. Die Miteinbeziehung dieser Ausbildungspartner ist der richtige Weg. riode – 44. Sitzung – Donnerstag, 21. Juli 2022 Wir regen an, den unglaublichen Fundus der Berufsschulen zu nutzen. Wir haben dort Smart Factories, Industrie 4.0, 3-D-Drucker. Mit einem Schnuppertag an der Berufsschule können Gymnasiasten interessante Einblicke auch in praktische Tätigkeiten bekommen. In diesem Kontext begrüßen wir ausdrücklich die Initiative „BO durchstarten!“ des Kultusministeriums und des Wirtschaftsministeriums zur Stärkung der beruflichen Orientierung vom 21. Juni dieses Jahres und damit drei Wochen vor dem Datum, an dem dieser Gesetzentwurf eingegangen ist. (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Bei- fall bei den Grünen) Mit dem dualen Ausbildungssystem haben wir ein Alleinstellungsmerkmal auf allerhöchstem Niveau. Deshalb wollen wir dieses gemeinsame Anliegen ernst nehmen und das Thema Berufsorientierung im Ausschuss diskutieren. Eine einfache Änderung des Schulgesetzes sehen wir nicht als zielführend an. Das nützt weder den Betrieben noch den Schülern. Der Bildungsausschuss ist der richtige Ort, um konkrete, zielführende Maßnahmen zu beschließen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen)

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