Dr. Wolfgang Reinhart
Für die Landesregierung spricht nunmehr die Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut: Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Vorneweg an Sie, Herr Rupp, und an die AfD gerichtet: Sie hätten auch eine Frau zu Wort kommen lassen können, dann wäre Ihr Beitrag bestimmt neutraler und wertvoller für uns alle gewesen. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU – Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Das kann man be- antworten! – Heiterkeit der Abg. Katrin Schindele CDU – Zuruf des Abg. Ruben Rupp AfD) Da habe ich sogar noch Hoffnung, dass sich auch bei der AfD eine Frau zu diesem Thema anders positioniert hätte. (Abg. Miguel Klauß AfD: Er fühlt sich heute als Frau! – Heiterkeit des Abg. Anton Baron AfD) Warum brauchen wir mehr Frauen in der Wirtschaft, in der Gründerszene? Wir stehen vor großen Herausforderungen. Wir müssen alle Potenziale, die uns zur Verfügung stehen, stärker nutzen. In dieser Debatte geht es nicht um Gleichstellung. Es geht um „Enabeln“, darum, dass wir es Frauen ermöglichen, sich stärker als Gründerinnen auch in der Startup-Szene zu engagieren und damit die Innovationskraft und den Fortschritt bei uns im Land noch mehr mitzuprägen. (Abg. Emil Sänze AfD: Die stellen doch heute schon das Gros der Studienabgänger!) (Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut) Frauen gehen häufig andere Wege, vielleicht oft auch bessere Wege. Sie wollen nach eigenen Qualitätsstandards arbeiten, wollen die Gestaltungshoheit über ihr Tun in ihren Händen halten. Sie machen Karriere, sie beweisen Führungsstärke, sie schätzen selbstbestimmtes Arbeiten und das Umsetzen eigener Ideen. Die am besten qualifizierte Frauengeneration, die gibt es jetzt, und darauf müssen wir aufbauen. Wir haben es mit einem beeindruckenden Spektrum von Können, kreativen Ansätzen und innovativen Potenzialen zu tun. Die Zahlen belegen auch eine steigende Tendenz bei Gründerinnen und Gründern – im Schnitt ein Drittel der Gesamtzahl. Und in der Start-up-Szene sind es ca. 16, 17 % – auch mit steigender Tendenz. Ich denke, der Weg ist der richtige, aber wir müssen gemeinsam noch viel tun. Das ist unbestritten. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) Aus der Bildungsforschung ist bekannt, dass Frauen unser Bildungssystem schneller und mit durchschnittlich besseren Abschlüssen durchlaufen als Männer. Dennoch bestehen die Gründerteams von Start-ups aktuell zu ca. 82 % aus Männern. Die Förderung von Unternehmensgründungen durch Frauen ist daher ein erklärtes Ziel unserer Landesregierung. Ich kann Ihnen sagen: Als wir „Start-up BW“ im Jahr 2017 gestartet haben, haben wir das Thema „Frauen und Gründungen“ überhaupt erst auf die Tagesordnung gesetzt. Wir beschäftigen uns jetzt also schon seit vielen Jahren intensiv damit, was wir, das Land, tun können, um Frauen stärker zu unterstützen, auch ihren Ideenreichtum, ihre Kreativität zu gewinnen. Frauen sind gerade in der jetzigen Phase, in der sich vieles im Umbruch befindet, mit ihren oft doch anderen Ansätzen – – Häufig gehen Frauen, wenn sie gründen, nicht nur von technologischen Lösungen aus, sondern sie überlegen sich den Nutzen, den eine Lösung für die Gesellschaft haben kann. (Zuruf des Abg. Willi Stächele CDU) Das ist auch eine Bereicherung und bietet uns wichtige Chancen, neue Potenziale, die wir verstärkt nutzen wollen. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) 2017 haben wir die Landeskampagne „Start-up BW“ ins Leben gerufen und haben hier – Sie können sich ja auch auf der Webseite ausführlich informieren – mit „Start-up BW Women“ einen ganz klaren Schwerpunkt auf die Frauenförderung im Bereich der Gründerinnen und Unternehmensnachfolgerinnen gesetzt. „Start-up BW“ unterstützt die Gründerinnen im Land. Die Netzwerke wurden auch angesprochen. Netzwerke, Mentorenprogramme sind ganz entscheidend und wichtig, um junge Frauen oder generell Frauen auf ihrem Weg, ein Unternehmen zu gründen, zu begleiten, zu beraten, auch zu bestärken. Deswegen war es mir auch so wichtig, dass wir beispielsweise bei „Start-up BW@School“ gezielt Gründerinnen in die Schulen schicken, um hier schon Mädchen zu mobilisieren, zu motivieren, damit sie überhaupt in Erwägung ziehen, eiriode – 40. Sitzung – Mittwoch, 22. Juni 2022 nen eigenen Weg zu gehen und im Laufe ihrer Bildungsbiografie selbst zu gründen. Wir setzen also in allen Kampagnen – Bestandteil von „Startup BW“ – wirklich auch einen Schwerpunkt auf Frauen. Das ist uns ganz wichtig, und das tun wir schon seit Beginn der Kampagne. „Young Talents“, Studierende sowie wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Wir sind im Start-up-Bereich auch in ganz enger Abstimmung, in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsministerium, weil hier natürlich auch an den Hochschulen unheimlich viel Dynamik entstanden ist, viele junge Frauen eben dann auch gründen und aus den Hochschulen heraus Unterstützung brauchen. Auch diese Schnittstellen besetzen wir. Wir, das Land, haben auch im Rahmen der Start-up-Kampagne die sogenannten EXI-Gründungsgutscheine auf den Weg gebracht, und diese werden zu 50 % von Frauen genutzt. Ich finde, das ist schon mal ein erster wichtiger Schritt, der sicherlich auch dazu geführt hat, dass es mit der Zeit immer mehr Gründerinnen, Frauen in der Gründerszene, auch in den Gründerteams – wir müssen das ja ganzheitlich betrachten –, gibt. Im aktuellen Förderaufruf für diese Beratungsdienste ist eine zielgruppenspezifische Ansprache von Frauen explizit auch als Kriterium aufgenommen worden, um hier noch mal ein stärkeres Gewicht auch auf das „Enabeln“ von Frauen zu richten. Ich möchte Sie einladen: Am 21. Juli findet die „Start-up BW Night“ auf dem Stuttgarter Börsenplatz statt. Dort werden sich eine ganze Reihe frauengeführter Start-ups gezielt einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen. Es ist so wichtig, dass wir die Frauen stärker ins Schaufenster stellen, dass wir Vorbilder generieren und dass wir dadurch Frauen motivieren und mobilisieren, diesen Weg auch zu gehen. Am 30. September findet Gott sei Dank der „Start-up BW Summit“ wieder statt. Das ist wirklich ein Highlight. Auch da wollen wir gezielt auf Venture-Capital-isten zugehen. Denn in der Tat – das machen die Zahlen deutlich, und wir bekommen auch entsprechende Rückmeldungen von Gründerinnen – ist für Frauen der Zugang zu Venture-Capital schwieriger als für Männer. Das müssen wir thematisieren. Denn dann – da bin ich mir sicher – werden wir auch eine Verbesserung erreichen. Wir werden hier einen Schwerpunkt darauf legen, Investoren und Fremdkapitalgeber gezielt mit Gründerinnen zusammenzubringen. In den letzten Jahren haben wir auch über „Start-up BW“ einen Verbund mit regionalen Partnerinnen in ganz Baden-Württemberg auf den Weg gebracht. Wir haben über 80 Anlaufstellen für Erst- und Orientierungsberatung sowie gut 200 Expertinnen und Experten für eine vertiefte Fachberatung mit dem entsprechenden Branchen-Know-how. Das ist eine niederschwellige Unterstützung und für viele Frauen unheimlich wertvoll. Maßnahmen wie unsere landesweiten Frauenwirtschaftstage wirken schon seit vielen Jahren. In diesem Jahr haben wir den Schwerpunkt auf Gründen gelegt. Das Motto ist: „Frauen. Gründen.Zukunft“. Auch hier stellen wir das Thema Frauen wieder stärker in den Mittelpunkt. (Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut) Ein ganz erfolgreicher Wettbewerb, der FEMALE FOUN-DERS CUP – das ist ein Pitchwettbewerb ausschließlich für Frauen –, macht noch mal die Sichtbarkeit von Frauen bei uns im Land deutlich. Über 130 teilnehmende Gründungsvorhaben sind, denke ich, durchaus ein Beleg dafür, dass wir damit auch auf einem guten Weg sind, unser Ziel, die Frauen, den Frauenanteil in der Start-up-Szene weiter auszubauen, zu erreichen. Auch bei den Maßnahmen im Rahmen von „Start-up BW Local“ und von „Start-up BW Acceleratoren“ ist das Thema „Adressieren von Frauen“ ein Schwerpunkt. Wir haben die Acceleratoren um Technologie- und Dienstleistungsschwerpunkte erweitert und versprechen uns hier auch eine erhöhte Gründerinnenbeteiligung. Zusammenfassend kann man sagen: Wir haben viele Maßnahmen auf den Weg gebracht, übrigens auch im Bereich der Finanzierung. Natürlich hat das Land hier auch einen Vorbildcharakter. Wir haben natürlich mit Partnern wesentlich mehr Venture-Capital im Venture-Capital-Fonds zur Verfügung gestellt als noch vor dem Start von „Start-up BW“ im Jahr 2017. Das ist aufsteigend. Wir haben mit „Pre-Seed“ ein ganz wichtiges Instrument geschaffen, um junge Unternehmen, Startups schon in einer Frühphase zu unterstützen. Auch hier werden wir den Frauenanteil, der natürlich noch ausbaubar ist, gezielt adressieren und stärker ins Bewusstsein rücken. Sie sehen: Wir machen viel. Wir können aber nur gemeinsam erfolgreich sein. Wir brauchen Mitstreiterinnen und Mitstreiter, Multiplikatoren, die in die Gesellschaft, in die Gründerszene hineinwirken und auch in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis Frauen motivieren und unterstützen. Gern können Sie auch mich als Ansprechpartnerin nennen. Ich spreche viel mit Gründerinnen. Es ist mir wirklich ein wichtiges Anliegen, sie zu unterstützen und zu „enabeln“. Das Angebot mache ich gern. Nutzen Sie es. Ich freue mich darauf, dass wir gemeinsam noch mehr für Frauen in der Gründerszene in Baden-Württemberg bewegen. Danke schön. (Beifall bei den Grünen und der CDU)
