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Hans-Peter Storz

SPD 01.06.2022 Sitzungen 17/39

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr verehrten Damen und Herren! Wein ist Genuss, und der Weinbau verbindet Ba­ den-Württemberg als Genießerland und prägt unser Land­ schaftsbild, ist also auch wichtig für den Tourismus. Als Teil der Landwirtschaft ist er natürlich auch von großer wirtschaft­ licher Bedeutung. All dies ist Grund genug, zu schauen: Wie sieht die Zukunft aus? Deshalb auch herzlichen Dank für den Antrag. Herr von Eyb, wir können uns gern einmal einen Tag darüber unterhal­ ten und das, wie Herr Pix es vorgeschlagen hat, gern mit ei­ nem guten Essen und einem begleitenden Wein abschließen. Dazu bin ich gern bereit. Wenn man die Bestandsaufnahme „Wie sieht es mit dem Weinbau aus?“ macht, dann sieht man: Der Zustand ist nicht sehr rosig. Herr Pix hat es schon deutlich gemacht. Trocken­ heit, Hitze, extreme Regenfälle, Klimawandel, Pflanzenkrank­ heiten, die Umstellung im Rahmen des Biodiversitätsstär­ kungsgesetzes und nicht zuletzt die noch immer andauernde Coronapandemie, all das stellt die Winzerinnen und Winzer in Baden-Württemberg vor besondere Herausforderungen. Insbesondere in den vergangenen zwei Jahren – das zeigt die Stellungnahme des Ministeriums – haben vor allem direktver­ marktende Weingüter wirtschaftlich unter der Pandemie ge­ litten. Wenn die Gastronomie nichts ausschenken darf und die Besenwirtschaft geschlossen bleibt, stellt das für die oftmals in Familienhand betriebenen Weingüter ein Problem dar. periode – 39. Sitzung – Mittwoch, 1. Juni 2022 Die Gewinneinbußen waren teilweise beträchtlich. Wenn in den Jahren 2019 und 2020 nur ein Gewinn von 30 000 € ver­ zeichnet wird, dann ist es nur verständlich, dass die Zahl der Betriebe kontinuierlich abnimmt. Wir haben es in den vergan­ genen zehn Jahren gesehen: Die Zahl ist von 25 000 auf 20 000 gesunken. Angesichts dieser Situation wird jeder, der in diesem Beruf tätig ist, der einen auch handwerklich fordert, überlegen: Lasse ich das bleiben, und schaue ich, wo ich sonst mein Geld verdienen kann? Auch der Klimawandel – ich habe es gesagt – setzt den Pflan­ zen zu. Beim Weinbau meint man ja zunächst, er könnte der Gewinner des Klimawandels sein. Man denkt ja: Wärme tut dem Wein gut. Wir haben aber natürlich auch Sorten wie bei­ spielsweise den Riesling, den man zunehmend und gern trinkt, die den Klimawandel einfach nicht vertragen. Ein Mehr an Sonne setzt die Trauben unter Stress und führt bei einem hö­ heren Zuckergehalt auch dazu, dass sich die Kirschessigflie­ ge immer mehr ausbreitet und die Ernte kaputt macht. Auch die Wärme im Frühjahr, die das Treiben beschleunigt, und die gefährlichen Spätfröste bedingen immer wieder Ern­ teausfälle. Insbesondere junge Pflanzen leiden unter den Wit­ terungsbedingungen mit der Hitze; denn die Wurzeln reichen noch nicht tief genug, um an das Wasser zu kommen, und ei­ ne Bewässerung ist insbesondere in Steillagen zu kostspielig. Viele Betriebe können sich das nicht leisten. All das verdeutlicht: Die Winzerinnen und Winzer brauchen auch vom Land Unterstützung, brauchen Förderung. Da spie­ len natürlich die weinbaulichen Forschungseinrichtungen bei uns eine wichtige Rolle. Aus den Fragen und Antworten in der Drucksache wird deutlich, dass inzwischen ein Schwerpunkt auf dem ökologischen Weinbau liegt. Das ist sicher gut und zukunftweisend, und das unterstützen wir auch gern. Aber an­ gesichts der Tatsache, dass sich die Anbaufläche beim ökolo­ gischen Weinbau in den vergangenen zehn Jahren auf 1 500 ha verdoppelt hat – das sind gerade einmal 5 % der 30 000 ha insgesamt –, muss man auch schauen, wie man die Winzer un­ terstützt, die auf den restlichen 95 % der Fläche konventio­ nellen Weinbau betreiben. Das darf man dabei nicht verges­ sen. Ein Zweites ist mir aufgefallen: In Baden-Württemberg wer­ den mit Blick auf den Weinbau viele unterschiedliche Studi­ en in Auftrag gegeben. Das halte ich auch für richtig. Doch dass die wertvollen Erkenntnisse daraus primär in Fachzeit­ schriften landen, wie man es in der Stellungnahme des Minis­ teriums sieht, reicht meiner Ansicht nach nicht aus. Da müs­ sen andere Weg gefunden werden, um die Winzerinnen und Winzer zu unterstützen und fortzubilden. Ein Beispiel könnte sich die grün-schwarze Regierung hier­ zulande an Rheinland-Pfalz nehmen. Aus den von der dorti­ gen Landesregierung und unabhängigen Forschungsinstituten in Auftrag gegebenen Studien wurden wertvolle Erkenntnis­ se extrahiert und für die Zukunft evaluiert. Daraus ergeben sich Potenziale und mögliche Förderperspektiven für den An­ bau von z. B. völlig neuen Rebsorten. So fördert Rheinland-Pfalz die Anpflanzung der neuen Sorte „Roter Regent“. Hier­ bei handelt es sich um eine robuste Rebsorte, die seit Mitte der Neunzigerjahre auf Erfolgskurs ist. Sie zeichnet sich durch eine gute Anpassung an klimatische Veränderungen aus, und außerdem ist sie resistent gegen Mehltau und Reblausbefall und muss weniger gespritzt werden. (Hans-Peter Storz) Wir wissen, dass es manche Weine, wie bei uns in Südbaden auch der Burgunder, aufgrund der zunehmenden Hitze immer schwerer haben. Das braucht eine komplette Neuausrichtung, eventuell auf mediterrane Sorten. Aber hier sehen wir in Ba­ den-Württemberg kaum Investitionen in die Forschung und Entwicklung sowie Förderung von interessanten Alternativen. Aber nicht nur die Hitze sorgt für Veränderungen. Wir haben es deutlich gemacht: Auch Hagel und Starkregen machen im­ mer mehr zu schaffen. Die Weinberge sind noch nicht bereit für die Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringt. Wir wünschen uns, dass das Land den Weinbaubetrieben hier mehr Unterstützung anbietet, auch verstärkt in pilzresistente Sorten investiert, diese kultiviert und auch den Absatz bei den Verbrauchern mehr unterstützt. Denn dort ist die Zurückhal­ tung gegenüber diesen neuen PIWI-Sorten groß.

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