Arnulf Freiherr von Eyb
Herr Präsident, verehr te Kolleginnen und geehrte Kollegen! Ich darf fünf Minuten über die Zukunft des Weinbaus in Baden-Württemberg spre chen; dieser großartige Berufsstand hätte es verdient, dass wir uns einen ganzen Tag mit ihm beschäftigen. (Beifall bei der CDU sowie Abgeordneten der Grü nen und der SPD – Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/ DVP: Dann können Sie weiter trinken! – Abg. Dani el Lede Abal GRÜNE: Das übersteigt die Fähigkeit vieler Kollegen! – Zuruf der Abg. Gabriele Rolland SPD) Wir sprechen über hohe Kompetenz, einen Berufsstand mit viel Erfahrung, einen Berufsstand, in dem man noch händisch arbeitet, einen Berufsstand, der in unserer Kulturlandschaft im Laufe der Jahrhunderte wunderbare Lebensräume für Klein getier und vieles andere geschaffen hat, einen Berufsstand, der eriode – 39. Sitzung – Mittwoch, 1. Juni 2022 jeden Tag mit ganz großen Herausforderungen zu kämpfen hat. Wenn wir von Perlen in Baden-Württemberg sprechen, dann gehört der Weinbau auf jeden Fall dazu. (Beifall bei der CDU, den Grünen und der SPD) Von welchen Veränderungen spreche ich? Ich kann nur einen kleinen Ausschnitt wählen. Über den Klimawandel brauchen wir, glaube ich, in diesem Haus nicht zu sprechen – Wetter kapriolen mit außergewöhnlichen Umständen, Hagel, Frost, Dürre oder zu viel Regen, und manchmal kommt alles zusam men. Auch der demnächst kommende Mindestlohn wird in vielen Bereichen für erhebliche Schwierigkeiten sorgen. Wir haben eine ausländische Konkurrenz, und wir dürfen nicht – gerade ist es schon genannt worden – den Wein aus den Ländern Por tugal, Frankreich, Italien, Rumänien und – wie ich in der letz ten Woche gehört habe – Armenien vergessen. Überall wird guter Wein angebaut. Zuweilen ist der dortige Mindestlohn nur ein Zehntel so hoch wie hier. Preissteigerungen und vieles mehr – was ist also zu tun? Wir müssen dem Berufsstand die Freiräume lassen, die er benö tigt, um sich entsprechend zu entwickeln. Wir müssen dafür sorgen, dass die Kulturlandschaft offen bleibt; ich habe die Gründe gerade genannt. Zusätzlich zu dem, was Kollege Pix als ausgewiesener Ken ner – er hat auf den Landtagspräsidenten Dr. Reinhart verwie sen, der Bücher über den Wein schreibt und ein Weinkenner ist; eine Weinprobe mit Professor Dr. Reinhart ist übrigens ein Genuss – geäußert hat, möchte ich noch den Hinweis geben: Jeder von uns kann einen kleinen Beitrag leisten, nämlich in Maßen Wein trinken. Weil das eine Hotel gerade ausgebucht ist, bin ich derzeit in einem anderen Hotel untergebracht. Auf der Weinkarte – es ist ein großes Haus – findet sich kein einziger Wein aus Würt temberg. Keine Sorge, auch die Badener kommen dabei nicht besser weg. (Abg. Gabriele Rolland SPD: Das geht ja gar nicht!) Wenn Menschen nach Stuttgart kommen, denken sie, es gibt nur Porsche, Mercedes, Bosch und andere Weltfirmen. Aber in Stuttgart, in Württemberg wird auch hervorragender Wein produziert. (Abg. Gabriele Rolland SPD: Vor allem in Baden!) Wenn man in Stuttgart schon keinen Württemberger Wein trinkt, dann möge man doch bitte zum badischen Wein grei fen. Notwendig ist, dass dieser Wein zumindest auf der Kar te steht. Ich möchte Sie alle ermuntern: In Hotels oder Res taurants innerhalb von Baden-Württemberg, in denen Wein aus Südafrika – nichts gegen unsere Freunde aus Südafrika – auf der Karte zu finden ist, muss zumindest auch ein heimi scher Wein auf der Karte stehen. Sonst kann das Lokal bzw. das Hotel nicht so viel taugen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Ich werde mich auf jeden Fall bei der Hotelleitung beschwe ren und den Hinweis geben. (Vereinzelt Heiterkeit) (Arnulf Freiherr von Eyb) Ich erwarte, dass es dort eine gewisse Wandlung der Karte gibt. Wenn wir alle in diese Richtung agieren und Wein in Maßen genießen, ist es auch gut für diesen Berufsstand. Ich gehe häu fig auch zu kleinen Weinbauern, und was die leisten und wie die Jungen sich untereinander vernetzen und schauen, dass sie von anderen lernen, und wo die überall schon waren, das ist unglaublich. Wir haben viel zu tun, dass dieser Stand das blei ben kann, was er ist, nämlich eine Perle für uns alle, die uns Genuss bietet. Stellen Sie sich einen Parlamentarischen Abend vor: Nichts gegen Wasser und gegen andere Getränke, aber ohne Wein wären die meisten Parlamentarischen Abende doch nicht so schön, wie sie sind. Das gilt im Übrigen nicht nur für Parla mentarische Abende. Ich habe jetzt noch 23 Sekunden Redezeit. Die nutze ich aber nicht aus. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und den Grünen – Heiterkeit des Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE)
