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Dr. Hans-Ulrich Rülke

FDP 01.06.2022 Sitzungen 17/39

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Mein Vorredner hat es aus­ geführt: Ausgangspunkt dieses Skandals sind offensichtliche Verhaltensweisen des Inspekteurs der Polizei. Deshalb wird gern gesagt, es gehe ja gar nicht um den Innenminister, son­ dern um den suspendierten Inspekteur der Polizei. Auch vom Innenminister selbst wird gern in diese Richtung argumen­ tiert. Aber, meine Damen und Herren, schon an dieser Stelle stel­ len sich folgende Fragen: Wer hat eigentlich diesen Inspek­ teur ins Amt gebracht? Wie ist es zugegangen? Warum wur­ de er in dieses Amt gebracht? Schon an dieser Stelle wird aus dem IdP-Skandal ein Strobl-Skandal. Seit Monaten hören wir aus dem Innenministerium von Seilschaften, von manipulier­ ten Beurteilungen, von geschwärzten Akten, von verweiger­ ten Auskünften. Da ist klar ersichtlich: Dieser Innenminister hat einiges zu verbergen. Das schreit geradezu nach einem Untersuchungsausschuss. (Beifall bei der FDP/DVP und der SPD) In dieser Situation taucht dann auf einmal ein Anwaltsschrei­ ben auf. Es geht angeblich um maximale Transparenz. Meine Damen und Herren, es ist doch klar ersichtlich: In diesem Fall geht es nicht um maximale Transparenz, sondern um maxi­ male Ablenkung, um maximale Vertuschung. Da soll der Blick auf ein angeblich nachrangiges Schriftstück gelenkt werden, um vom Sumpf im eigenen Ministerium abzulenken. Da wird dann eine Straftat nach § 353b des Strafgesetzbuchs in Kauf genommen. Da ist es ja praktisch, dass man gar nicht bestraft werden kann, weil man selbst die Möglichkeit hat, Ermittlun­ gen zu unterbinden. Das sagt man im Übrigen nicht gleich. Vielmehr wird die Staatsanwaltschaft monatelang im Unklaren gelassen; mona­ telang werden die Medien im Unklaren gelassen, monatelang wird die Öffentlichkeit im Unklaren gelassen, und plötzlich (Dr. Hans-Ulrich Rülke) kommt dann der Innenminister aus dem Gebüsch und erklärt: „Ich war es selbst: Der Täter ist überführt, aber er kann nicht bestraft werden, weil ich ja die Möglichkeit habe, staatsan­ waltschaftliche Ermittlungen zu unterbinden.“ Das ist ein einmaliger Skandal in der Geschichte des Landes Baden-Württemberg: Ein Minister begeht mutmaßlich eine Straftat, aber unterbindet die Strafverfolgung gegen sich selbst mit der Begründung: „Ich sehe keine Straftat, also hat die Jus­ tiz gefälligst auch keine Straftat zu sehen“ – ein einmaliger Skandal, meine Damen und Herren! (Beifall bei der FDP/DVP und der SPD) Und der Ministerpräsident schaut zu, steckt den Kopf in den Sand, verweigert die Aussage, sieht keine Probleme. Solche Verhältnisse gibt es sonst nur in Bananenrepubliken – und bei uns in Baden-Württemberg, meine Damen und Herren. (Beifall bei der FDP/DVP und der SPD – Wider­ spruch bei der CDU – Unruhe) So ist die Situation. (Beifall bei der FDP/DVP und der SPD) Das Pech des Innenministers ist es, dass die Staatsanwalt­ schaft sich nicht so leicht austricksen lässt. Die Staatsanwalt­ schaft hat nämlich bei § 353 des Strafgesetzbuchs weiterge­ lesen. Das haben die Strategen im Innenministerium offen­ sichtlich nicht berücksichtigt, dass man da noch zwei Sätze weiterlesen kann, dass es nicht nur um die Verletzung von Dienstgeheimnissen gehen kann, sondern – § 353d – auch um verbotene Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen. Man hät­ te also nur zwei Sätze weiterlesen sollen, und dann wäre man schon zu dem Ergebnis gekommen, dass es vielleicht doch keine so gute Idee ist, mit Verweis auf einen Paragrafen, auf­ grund dessen die Staatsanwaltschaft nicht ermitteln kann, weil man das selbst verhindert, von eigentlichen Skandalen ablen­ ken zu wollen. Es kommen weitere Tatbestände in Betracht, etwa Rechts­ bruch beim Datenschutz. Das hat der Datenschutzbeauftrag­ te festgestellt, meine Damen und Herren. Das ist keine Ver­ dachtssituation, sondern eine abgeschlossene Feststellung ei­ nes Datenschutzbeauftragten, der, wie der Kollege Binder ge­ sagt hat, von Ihnen selbst für dieses Amt vorgeschlagen wur­ de. Wieder steckt der Ministerpräsident den Kopf in den Sand und schafft es, bei einer Regierungspressekonferenz in 20 Mi­ nuten 24-mal zu sagen: „Das liegt mir nicht vor.“ Na ja, Herr Ministerpräsident, seit dem Katholikentag am ver­ gangenen Wochenende wissen wir wenigstens, womit Sie sich lieber befassen als mit dem Datenschutz, wenn Sie so im In­ ternet surfen. Aber es wäre trotzdem besser, sich mit dem Da­ tenschutz und mit dem auseinanderzusetzen, was ein Daten­ schutzbeauftragter sagt, und nicht zunächst zu erklären: „Es liegt mir nicht vor“, und wenn Sie es dann gelesen haben, zu sagen: „Ich sage nichts dazu.“ Das ist eines Regierungschefs unwürdig, und es ist auch dieser Landesregierung unwürdig, meine Damen und Herren. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der SPD) Es geht weiter mit möglichen Tatbeständen: Strafvereitelung im Amt. Ein Minister verhindert die eigene Strafverfolgung, periode – 39. Sitzung – Mittwoch, 1. Juni 2022 und er torpediert auch das anhängige Verfahren gegenüber dem Inspekteur der Polizei. Wie soll dann noch ein faires Strafverfahren möglich sein? Wie soll ein faires Disziplinar­ verfahren möglich sein, wenn der Innenminister solche ver­ traulichen Dokumente in die Öffentlichkeit bringt? Da ist doch völlig klar, dass man sich auf die Position zurückziehen und sagen kann: Das ist kein faires Verfahren. Dieses faire Verfah­ ren wurde vom eigenen Dienstherrn sabotiert. – Das ist doch eine weitere Schwierigkeit dieses angeblichen Vorgehens, meine Damen und Herren. (Abg. Andreas Deuschle CDU: Übernehmen Sie jetzt schon die Verteidigung? Unglaublich!) Nein, es sind ohne Ende Ungereimtheiten, es sind Ansätze für Fehlverhalten, die in der Geschichte des Landes Baden-Würt­ temberg ihresgleichen suchen. Deshalb sind die Menschen im Land, die schon seit Wochen davon hören, welche Vorgänge in dieser Landesregierung stattfinden, außerordentlich ge­ spannt, was letztlich bei diesem Skandal herauskommt. Nie war ein Untersuchungsausschuss notwendiger als dieser. (Lachen des Abg. Andreas Schwarz GRÜNE – Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Ein Witz!) Es wird höchste Zeit, diesen Augiasstall im Innenministerium auszumisten, meine Damen und Herren. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der SPD – Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Ich sage nur Flow­ Tex, Schmider, Morlok, Werwigk-Hertneck! – Ge­ genruf des Abg. Thomas Dörflinger CDU: Da war doch was! – Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Wie hieß noch mal der Wirtschaftsminister?)

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