Thomas Dörflinger
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Pandemie hat nochmals sehr deutlich gemacht, wie wichtig die berufliche Ausbildung für unser Land ist. Ob Pflegekräfte, Lkw-Fahrer, Einzelhandelskaufleute, Laborangestellte und viele andere mehr – sie alle waren große Stützen in einer schwierigen Zeit. Dafür sagen wir ein aufrichtiges, herzliches Dankeschön. (Beifall bei der CDU und den Grünen sowie Abge- ordneten der SPD) Diese Phase hat aber auch ganz eindrucksvoll gezeigt, dass die duale Ausbildung ein Erfolgsmodell ist, um das uns zu Recht viele beneiden. Doch leider ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge stark rückläufig. Im März 2022 meldete die Agentur für Arbeit über 65 000 offene Ausbildungsstellen in Baden-Württemberg, aber nur 37 700 Bewerberinnen und Bewerber. Es ist noch Zeit für die Schulabsolventinnen und -absolventen, sich um einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Deswegen möchte ich die heutige Debatte auch dazu nutzen, für die duale Ausbildung zu trommeln. Als handwerkspolitischer Sprecher meiner Fraktion habe ich schon sehr viele Lossprechungsfeiern erlebt. Immer hatte ich (Thomas Dörflinger) bei den Veranstaltungen das Gefühl, hier sind junge Leute am Start, die nicht nur fordern, man brauche dieses oder jenes, die nicht nur sagen, man sollte, man könnte, es wäre wichtig, dass ..., sondern die anpacken und gestalten wollen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Abg. Manuel Hagel CDU: Genau!) Das hat auch nichts mit der oftmals kritisierten Null-Bock-Generation zu tun. Das sind junge Leute, das sind junge Ermöglicher. Deshalb wollen auch wir, die CDU-Landtagsfraktion, diesen Jugendlichen gute Startbedingungen in ihrem Beruf ermöglichen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Doch Corona hat auch Spuren in den Ausbildungsberufen hinterlassen. Sie wissen, das BOGY-Praktikum, Ausbildungsmessen oder vieles andere haben entweder gar nicht oder nur sehr eingeschränkt stattgefunden. Das spüren die Betriebe jetzt. Es ist deshalb richtig, dass Wirtschaftsministerin Dr. Hoffmeister-Kraut gemeinsam mit allen Partnern des Ausbildungsbündnisses Baden-Württemberg handelt. Über vielfältige Angebote soll der direkte Kontakt zwischen Betrieben und Jugendlichen wiederhergestellt werden. Das unterstützen wir, die CDU-Landtagsfraktion, ausdrücklich. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Betriebe spüren aber auch, dass die duale Ausbildung nicht bei allen politischen Parteien denselben hohen Stellenwert hat. Die Haltung der CDU ist hier ganz klar: Wir waren und wir sind ein starker Fürsprecher für die berufliche Ausbildung, und wir werden dies auch bleiben. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Viel zu lange ist gepredigt worden, dass nur Abitur und akademische Titel etwas wert sind. Doch es ist gerade die berufliche Bildung, dieser Mix aus Theorie und Praxis, die die Wirtschaft in unserem Land stark macht. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Ein Indiz dafür ist die geringe Jugendarbeitslosenquote, die wir in Baden-Württemberg verzeichnen. Sie steht aktuell bei 2,2 %. Jugendlichen, die in Baden-Württemberg eine Ausbildung machen, stehen also am Ende alle Türen offen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Ein Blick auf Europa genügt. Wenn ich die Probleme von jungen Leuten dort auf dem Arbeitsmarkt sehe, dann bin ich jeden Tag froh, dass wir in Deutschland eine so starke Bildung, eine duale Ausbildung haben. Das sollte endlich in allen Köpfen ankommen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Ausbildungswille und die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe in unserem Land waren trotz der Pandemie ungebrochen. Sie waren bereit, auch in einer sehr schwierigen Zeit Verantwortung zu übernehmen und Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Dafür möchte ich allen Ausbildungsbetrieben im Land meinen ganz besonderen Dank, auch im Namen der CDU-Landtagsfraktion, aussprechen. iode – 38. Sitzung – Donnerstag, 12. Mai 2022 (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Denn wir haben im Land alles, was es für eine gute duale Ausbildung braucht. Wir haben Ausbildungsplätze, wir haben hoch qualifizierte und engagierte Ausbildungsbetriebe, wir haben leistungsfähige Berufsschulen und auch innerbetriebliche Bildungsstätten, um Ausbildung auf höchstem Niveau zu garantieren. Die Rahmenbedingungen sind gut; wir brauchen aber auch ein gesellschaftliches Umdenken. Denn was bedeutet es, wenn wir in Deutschland von gesellschaftlichem Aufstieg sprechen? Hier haben viele nur die Hochschule im Blick. In der Tat: Es ist eine tolle Leistung, wenn Kinder, deren Eltern nicht studiert haben, ein Hochschulstudium erfolgreich abschließen. Im Umkehrschluss darf es aber ausdrücklich nicht als Scheitern verstanden werden, wenn Kinder aus einer Akademikerfamilie nicht auf die Uni gehen und sich stattdessen für eine Ausbildung entscheiden. (Beifall bei der CDU, Abgeordneten der Grünen und der SPD sowie des Abg. Joachim Steyer AfD) In diesem Zusammenhang ist auch die Initiative „Ausbildungsbotschafter“ durch das Wirtschaftsministerium zu sehen. Auszubildende gehen dabei in Schulen und stellen ihre Berufe vor, und dies sehr erfolgreich. (Abg. Anton Baron AfD: Ich dachte, das ist Aufgabe der Kammern!) Über 480 000 Schülerinnen und Schüler konnten so direkt erreicht werden. Vielen Dank an die aktuellen Ausbildungsbotschafter, die gerade unterwegs sind, um im ganzen Land für die duale Ausbildung zu werben. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie des Abg. Andreas Kenner SPD) Die Ausbildungsbotschafter sind auch deshalb so erfolgreich, weil sie ehrlich für ihren Beruf werben können, weil sie dabei die Perspektiven vermitteln können. Ich zähle einmal exemplarisch auf: Energiewende, Wohnungsbau, Infrastruktur, Ernährung – bei all diesen Megathemen ist das Handwerk zentraler Baustein in der Umsetzung. Anders gesprochen: Ohne das Handwerk geht nichts – (Beifall bei der CDU, Abgeordneten der Grünen und der SPD sowie des Abg. Joachim Steyer AfD) oder wie es die Imagekampagne des Handwerks treffend ausdrückt: „Wichtiges tun, statt wichtig zu tun.“ (Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den Grünen – Abg. Manuel Hagel CDU: Genau! – Zuruf des Abg. Winfried Mack CDU) Vor diesem Hintergrund war meiner Fraktion die Herstellung der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung immer ein ganz wichtiges Anliegen. Es hat sich in Bund und Land auch schon einiges getan: Mit einer bestandenen Meisterprüfung können die Absolventinnen und Absolventen zusätzlich die neue Abschlussbezeichnung „Bachelor Professional“ führen. Damit wird die Gleichwertigkeit von beruflicher Fortbildung und Studium besser sichtbar gemacht. Das (Thomas Dörflinger) Aufstiegs-BAföG wurde verbessert, und im Handwerk wurde die Meisterprämie eingeführt. (Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den Grünen – Abg. Thomas Blenke CDU: Genau! – Zu- rufe von der AfD) Im Jahr 2021 haben 2 645 baden-württembergische Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeister eine Meisterprämie erhalten. Das sind über 500 mehr als im Vorjahr – (Abg. Joachim Steyer AfD: Das ist doch nur ein Mit- nahmeeffekt!) eine mit Blick auf die Fachkräftesicherung erfreuliche Entwicklung. – Wenn Sie nun schreien, das sei ein Mitnahmeeffekt, dann sprechen Sie doch mal mit dem Handwerk. (Zuruf von der CDU: Genau! – Abg. Joachim Steyer AfD: Ich bin das Handwerk!) Von dort aus wurde dies gefordert, und es ist zu sehen, dass unglaublich viel dahintersteht. (Beifall bei der CDU und den Grünen sowie des Abg. Andreas Kenner SPD – Zuruf von der CDU: Sehr gut! – Unruhe) Was wir nicht wollen, ist, dass akademische und berufliche Ausbildung gegeneinander ausgespielt werden. Beides ist sehr wichtig und ergänzt sich auch sehr gut. Für die CDU gilt unverändert: Wir brauchen den Meister und den Master. Weil uns das Thema Meisterausbildung so wichtig ist, möchte ich mich bei diesem Punkt noch einmal wiederholen: Meister zu sein, das ist kein Titel für die Visitenkarte, das ist nicht unbedingt mit einem höheren Eingang auf dem Gehaltskonto verbunden. Meister zu sein ist ein Bekenntnis. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Zuruf von der CDU: Sehr gut!) Meister zu sein heißt, Ja zu sagen zu Qualität, Ja zu sagen, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, und Ja zu sagen, um Vorbild zu sein. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Abg. Thomas Blenke CDU: Sehr gut!) Wo Meister fehlen, fehlen auch die Fach- und Führungskräfte. Der Meisterbrief bleibt der Maschinenraum der beruflichen Bildung. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Liebe Kolleginnen und Kollegen, die berufliche Bildung ist der Einstieg zum beruflichen Aufstieg. Hier sind wir international in der Spitzengruppe. Doch Sie alle wissen: Nichts ist von Dauer, sondern das muss jeden Tag neu erarbeitet werden. Die CDU-Landtagsfraktion setzt sich weiterhin für eine Weiterentwicklung, für eine Stärkung der dualen Ausbildung ein, damit am Ende weiterhin gilt: Wer Handwerk und duale Ausbildung anerkennt, macht dies am besten in „THE LÄND“. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie des Abg. Andreas Kenner SPD – Abg. Thomas Blenke CDU: Genau!) eriode – 38. Sitzung – Donnerstag, 12. Mai 2022
