Hans-Peter Storz
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Auerhuhn ist das vielleicht mit dem größten Aufwand beobachtete und geschützte Tier des Landes – abgesehen vielleicht vom Wolf seit den Jahren seiner Wiederkehr. Die vorliegende Stellungnahme der Landesregierung und damit der Forstlichen Versuchsanstalt geht sehr gut und ausführlich auf die verschiedenen Aspekte der Probleme des Auerhuhns ein, aber auch auf die Aktivitäten, die wir hier zum Schutz des Auerhuhns unternehmen. Leider zeigt sich, dass selbst das intensivierte und auf einer neuen wissenschaftlichen Grundlage aufwendig erarbeitete Schutzkonzept bei uns nicht richtig greifen will. Nach den reinen Zahlen der letzten zehn Jahre zeigt sich ein Totalversagen des Auerhuhnschutzes bei uns im Land. Dabei ist nach wie vor nicht ganz klar, wie stark der Klimawandel, die Störungen durch das Freizeitverhalten und andere menschliche Einflüsse sowie weitere Faktoren wie Raubtiere diesen jüngsten Trend beeinflussen. Deutlich wird, dass es sich bei den Schutzmaßnahmen um eine Aktivität mit langem Atem handeln muss. Allein schon aufgrund solcher Sonderfaktoren, wie sie die jüngsten Trockenjahre darstellen, ist es schwierig, Entwicklungen im Verlauf nur weniger Jahre zu interpretieren. Anscheinend erfolgreiche Ansiedlungsversuche in Brandenburg stimmen optimistisch, um den Kampf um das Auerhuhn im Schwarzwald nicht aufzugeben. Was die Diskussion um den Einfluss der Windkraft betrifft, muss man wissen, dass die Auerhuhnpopulation in Österreich und in Schweden – in den dortigen Wäldern wird Windkraft genutzt – nicht zurückgegangen ist. Dies hat ein Antrag unserer Fraktion samt einem hierzu erstellten Gutachten seinerzeit gezeigt. Ich muss da Herrn Pix beipflichten: Es geht nicht um das Entweder-oder; es geht nicht um das Ob; man darf beide Seiten nicht gegeneinander ausspielen. Optimistisch darf vielleicht auch stimmen, dass es in den Bereichen, in denen es viele Offenflächen mit lichten Strukturen in den Wäldern gibt, kaum einen Rückgang der Bestände gibt. Das Konzept des Aktionsplans Auerhuhn scheint also im Grundsatz zu stimmen. Was offenbar nicht stimmt, ist hingegen dessen Umsetzung in der gesamten betroffenen Fläche. Reine Fichtenwälder sind dunkel und wachsen auch immer schnell wieder zu. Genau das ist nicht gut für das Auerhuhn. Wir wissen seit mehr als vier Jahrzehnten, dass solche Wälder auch anfällig sind für Stürme und Borkenkäfer, dass sie Trockenheit und Wärme weniger vertragen und oftmals auch artenärmer sind. Der Umbau hin zu lichteren Laubmischwäldern geht ganz offensichtlich zu langsam, da man im alten Denken viel zu spät in Richtung Waldumbau umgeschwenkt ist. Der Wald ist eben kein Holzacker, bei dem es einfach darum geht, Ernte einzufahren, sondern ein komplexer Lebensraum mit vielen Funktionen und Aufgaben. eriode – 37. Sitzung – Mittwoch, 11. Mai 2022 Wenn wir das Auerhuhn als Bewohner des Schwarzwalds noch retten wollen, dann müssen wir den Waldumbau im Schwarzwald forcieren und das Thema ernster nehmen. Mit Blick auf den Klimawandel müssen wir das aber sowieso, meine Damen und Herren. (Beifall bei der SPD) Das Land muss auch jenseits des Staatsforstes und des Nationalparks dafür sorgen, dass die Wälder auerhuhngerecht sind. Nur auf den Flächen des Landes vorbildlich zu arbeiten wird nicht reichen. Wir haben auch schon viel dazu gehört, dass ausschlaggebend für den Rückgang der Auerhühner der Mensch ist. Die Auerhühner sind störungsempfindlich, und das Freizeitverhalten von uns Menschen dehnt sich immer mehr aus. Das verursacht Stress, vor allem im Winter. Da ist es natürlich nötig, dass man zum einen Aufklärung betreibt und zum anderen Wegeverbote erlässt und dadurch störungsfreie Waldflächen schafft. Wir haben daneben die Prädatoren; die Bejagung der Rotfüchse müsste zunehmen, um die Jungtiere zu schützen. Auch müssen wir beobachten – das hat die Kollegin Schweizer deutlich gemacht –, in welchem Umfang auch andere Prädatoren bei uns zuziehen, nachwachsen und so eine weitere Bedrohung für das Auerhuhn darstellen. In der Stellungnahme zu Ziffer 8 des Antrags werden Maßnahmen aufgeführt, die im Land angeblich bereits laufen. Leider höre ich in dieser Darstellung viel zu häufig Fügungen wie: „Das soll initiiert werden“, „Das wird voraussichtlich gemacht.“ Meine Damen und Herren, Sie sagen deutlich, wir müssten zeitnah und entschlossen handeln. So aber funktioniert das leider nicht. Herr Pix, Sie sagten, wir müssten das Ruder herumreißen. Sie sind seit elf Jahren am Ruder. Da müssen Sie eigentlich nichts mehr herumreißen, sondern Sie müssen endlich mal was machen; Sie müssen ins Handeln kommen. (Beifall bei der SPD und der FDP/DVP – Zuruf des Abg. Reinhold Pix GRÜNE) Wir von der SPD-Fraktion sind jederzeit bereit, auch weiterhin mitzuwirken, wenn es darum geht, den Schutz des Auerhuhns wirksam weiterzuentwickeln und umzusetzen. In diesem Sinn danke ich für den Antrag und für Ihre Aufmerksamkeit. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD)
