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Winfried Mack

CDU 07.04.2022 Sitzungen 17/35

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst möchte ich mich dem Antragsteller zuwenden. Herr Steyer, dass zu Ihnen keine Fachkraft kommt, dass Sie Fachkräftemangel haben, das verstehen wir nach Ihrer Rede. (Beifall bei der CDU sowie Abgeordneten der Grü- nen, der SPD und der FDP/DVP – Abg. Bernd Gögel AfD: Eine Unverschämtheit! – Zuruf des Abg. Joachim Steyer AfD) Dass der Fachkräftemangel auch in der AfD herrscht, das verstehen wir selbstverständlich auch. (Winfried Mack) (Abg. Anton Baron AfD: Unverschämt! – Abg. Bernd Gögel AfD: Das ist ein Schlag ins Gesicht für das Handwerk! Das wird der Wähler merken!) In größter Not hat ein Bundeskanzler neulich das Wort „Zeitenwende“ geprägt. Vielleicht ist das Wort „Zeitenwende“ etwas übersteigert. Aber wir haben eine Erkenntniswende. Wir müssen uns auf das Wesentliche, auf das Grundsätzliche konzentrieren. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat etwas süffisant kommentiert: „Die deutsche Politik muss wieder erwachsen werden!“ Was heißt das für uns? Das heißt für uns, das duale Ausbildungssystem ist der Grundpfeiler unseres ökonomischen und sozialen Erfolgs im Land. Das muss uns bewusst sein. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Ohne die Fachkräfte, ohne die Gesellen, Meister und Techniker in unserem Land würde bei uns nichts funktionieren: keine gesunden Nahrungsmittel, keine Gastronomie, keine qualifizierte Pflege und medizinische Versorgung, keine qualifizierte Kinderbetreuung, kein Fotovoltaikausbau, kein Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft, keine Energieversorgung, keine Verteidigungswaffen für die Bundeswehr, kein Automobilbau, kein Maschinenbau und vieles mehr. (Zuruf des Abg. Bernd Gögel AfD) Das duale System ist der Grundpfeiler unseres ökonomischen und unseres sozialen Erfolgs. Hier befindet sich die Mitte der Gesellschaft. Das duale System, die Meister, die Techniker, die Fachkräfte: Sie halten unsere Gesellschaft zusammen. (Beifall bei der CDU sowie Abgeordneten der Grü- nen und der FDP/DVP) Das duale System ist aber von vielen Seiten her bedroht. Geburtenschwache Jahrgänge kommen, starke Jahrgänge gehen. Eine gute Schulausbildung ist das Fundament für das duale System. Berufsbilder und -profile wechseln schnell, der Weiterbildungsbedarf ist enorm. Durch den Strukturwandel, die Digitalisierung und die Internationalisierung in vielen Bereichen ergibt sich ein ständiger Veränderungsbedarf. Deswegen müssen wir klar sagen: Eine Ausbildung ist nicht weniger wert als ein Studium. Sie ist die Basis für ein gutes Einkommen, einen sicheren Arbeitsplatz und bietet große Aufstiegschancen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Wir haben einen enormen Fachkräftebedarf. Nach dem IHK-Fachkräftemonitor fehlen bis 2035 sage und schreibe 863 000 Fachkräfte in Baden-Württemberg. Und die Handwerkskammern in Baden-Württemberg haben errechnet, dass in den kommenden fünf Jahren 23 000 Betriebe zur Übergabe anstehen, dass wir im Handwerk 17 500 offene Stellen haben. Deswegen ist das Fachkräftethema ein entscheidendes für unser Land. Deshalb haben wir auch die Meisterprämie beschlossen. Davon profitieren rund 3 000 Handwerkerinnen und Handwerker im Land. Ich möchte da dem Kollegen Dörflinger besonders danken, der sich in besonderer Weise dafür eingesetzt hat. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) eriode – 35. Sitzung – Donnerstag, 7. April 2022 Wir müssen deswegen auch überlegen, ob wir die Meisterprämie auf weitere Bereiche ausdehnen. Auch das kommende 365-€-Ticket ist für die Auszubildenden und die Ausbildungsbereitschaft im Land ganz wichtig. (Zuruf des Abg. Ruben Rupp AfD) Die Digitalisierung ist längst auch im Handwerk und im Mittelstand angekommen. KI und Handwerk müssen wir zusammen denken. Deshalb sind Investitionen in moderne Ausbildungsstätten elementar. Die Landkreise investieren enorm in die Kreisberufsschulzentren. Fachkräfte gewinnen wir nicht mit der Schulausstattung von gestern, sondern wir brauchen hier die modernste Ausstattung für die kommenden Meister, Techniker und Gesellen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Abg. Anton Ba- ron AfD: Sie wissen wahrscheinlich gar nicht, was im Land los ist!) Jeder muss die Möglichkeit haben, eine duale Ausbildung aufzunehmen und sich weiterzuentwickeln. Deshalb sind auch die Abendrealschulen und die Abendgymnasien in unserem Land sehr wichtig. Deswegen ist es auch wichtig, dass wir in der Weiterbildung weiter vorankommen und in sie investieren; der Kollege hat es schon ausgeführt. Wir wollen, dass unser Land klimaneutral wird. (Lachen bei Abgeordneten der AfD – Zuruf des Abg. Ruben Rupp AfD) Aber wir wollen auch, dass Baden-Württemberg Industrieland bleibt. Dafür brauchen wir die Fachkräfte. Im Handwerk wird der Klimaschutz ganz praktisch umgesetzt – so durch den guten Elektriker, der sich um smarte Wohnungen kümmert, der die Fotovoltaikanlage und die Wallbox anschließt oder der Stromleitungen verlegt. Der Heizungsbauer muss jetzt Rat geben, welches die richtige Heizung ist, die energieeffizient funktioniert. Wir brauchen den Zimmermann, den Stuckateur, um energieautarke Gebäude zu bauen. Wer aktiv etwas für das Klima tun will, ist im Handwerk genau richtig. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie des Abg. Hans Dieter Scheerer FDP/DVP) Damit wir Fachkräfte dort finden, wo sie gebraucht werden, müssen die Berufsberatung und die Berufsorientierung ausgeweitet werden – gerade auch an Gymnasien und an den Hochschulen. Die Neigungen, Begabungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler müssen im Vordergrund stehen. Bevor jemand mit einem Studium scheitert, ist er mit einer Ausbildung oder einem dualen Studium vielleicht doch viel besser beraten. Das Handwerk ist natürlich nur ein Beispiel. Das Gleiche gilt für die Pflegeberufe oder für die Erzieherinnen und Erzieher. Schlägt man die Stellenanzeigen auf, findet man kaum eine Seite, auf der nicht nach sozialem Fachpersonal gesucht wird. Hier müssen neben der Bezahlung auch die Rahmenbedingungen geändert werden. Wer 30 Jahre als Pflegekraft gearbeitet hat, kann vielleicht nicht mehr eine Nachtschicht durchhalten. Dafür braucht es Lösungen, wie diese Fachkräfte im Beruf bleiben können – aber mit geänderten Anforderungen, z. B. mehr Einsatz in der Ausbildung künftiger Fachkräfte, neue (Winfried Mack) Arbeitszeiten oder Unterstützung bei körperlich anstrengenden Arbeiten. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen) Dann müssen wir natürlich auch an die Arbeitskräfte 65 plus denken. Diese stehen heute mitten im Leben. Viele möchten gern weiterarbeiten und sind wichtige Fachkräfte in ihren Firmen, mit viel Wissen. Hierfür braucht es ebenfalls eine Flexibilisierung. Wer weiterarbeiten möchte, muss dies auch tun können, und die Arbeit muss sich weiterhin lohnen. Entscheidend sind auch Betreuungsangebote. Wer arbeiten möchte, das aber nicht kann, weil flexible Betreuungsmöglichkeiten fehlen, der fehlt seinem Arbeitgeber als wichtige Fachkraft. Deswegen ist es wichtig, dass wir die Ganztagsbetreuung weiter ausbauen. (Beifall bei der CDU und der Abg. Daniela Evers GRÜNE) Reichen diese Maßnahmen hier in Baden-Württemberg nicht aus, müssen wir Fachkräfte aus dem Ausland fürs Arbeiten im Ländle begeistern, aber nicht nur fürs Arbeiten, sondern auch fürs Leben hier in Baden-Württemberg. Deswegen geht es eben nicht nur um den Arbeitsplatz selbst, sondern auch um die Umstände: um Wohnung, Freizeit, Kulturangebote und Sport. Deshalb sind unsere Städte und Gemeinden hier sehr wichtig. Sie haben eine Schlüsselstellung bei der Gewinnung von Fachkräften. Baden-Württemberg unterstützt viele Welcome Center. Ich habe neulich ein solches besucht; sie leisten hervorragende Arbeit. (Zuruf des Abg. Ruben Rupp AfD) In der Summe bleibt festzuhalten: Die Nachfrage nach Fachkräften im Land bleibt ungebrochen. Viele Branchen sind besonders hart vom Fachkräftemangel betroffen. Deswegen wird meine Fraktion sich auch für weitere Mittel zur Bekämpfung des Fachkräftemangels im kommenden Haushalt einsetzen. (Abg. Ruben Rupp AfD: Wir müssen erst den Fach- kräftemangel in der Regierung beseitigen!) Entscheidend ist aber, dass unserem Land immer bewusst ist, welche enormen Chancen das duale Ausbildungssystem für jeden Einzelnen birgt. Das ist die Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolgs in Baden-Württemberg. Dabei müssen wir bleiben, dafür müssen wir weiter arbeiten. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen)

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