Andreas Sturm
Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Herr Präsident! Das Linden-Museum mit seiner qualitativ sehr hochwertigen Sammlung, die weltweit wahrgenommen wird, ist eines der führenden Völkerkundemuseen in Europa. Meine beiden Vorredner sprachen bereits über den positiven Beitrag zur Völkerverständigung. Ein Haus mit einer so herausragenden Sammlung bedarf einer ständigen Weiterentwicklung. Es besteht also große Einigkeit in den verschiedenen Gremien darüber, dass die räumliche Situation des Linden-Museums verbessert werden muss. Der Neubau steht nun aber nicht am Beginn, sondern am Ende einer Diskussion. Der geeignete erste Schritt ist das Finden eines Standorts. Zudem soll die individuelle Situation des Linden-Museums, die wir sehr klar wahrnehmen, im Zusammenhang mit der Kulturpolitik des ganzen Landes gesehen werden. Im Land stehen zahlreiche Vorhaben an: die Sanierung und Erweiterung der Staatstheater in Stuttgart, die Sanierung und Erweiterung des Staatstheaters in Karlsruhe, die Sanierung und Erweiterung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, die Sanierung des Badischen Landesmuseums, die Sanierung der Württembergischen Landesbibliothek, die Weiterentwicklung des Deutschen Literaturarchivs in Marbach. Hier wird deutlich, dass wir im Bereich der Kulturbauten vor großen Herausforderungen stehen. Herr Rivoir, Sie sehen: Kultur geht in Baden-Württemberg auch während der Coronakrise nicht unter; im Gegenteil. Das zeigt sich an diesen Investitionen. (Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den Grünen) Finanziell ist das Land bei den soeben genannten Vorhaben mit beträchtlichen Summen beteiligt. Die Baupreissteigerungen und die Inflation lassen vermuten: Günstiger als geplant wird es nicht werden. Die finanzielle Lage ist ohnehin ungewiss. Vor zwei Monaten sprachen wir über die Coronakrise; nun wirkt sich der Ukrainekonflikt auf unsere Lebenshaltungskosten aus und belastet unseren Landeshaushalt stark. Wenden wir nun aber den Blick auf das Linden-Museum. Wie ich bereits eingangs gesagt habe – meine Vorredner haben dies ebenfalls betont –: Es besteht große Einigkeit darüber, dass die räumliche Situation des Museums verbessert werden muss. (Andreas Sturm) Hierbei geht es uns insbesondere um die Vergrößerung der Ausstellungsfläche, die Räumlichkeiten für Museumspädagogik sowie um die Barrierefreiheit. Solange allerdings bei der Grundstücksfrage keine klare zeitliche Perspektive erkennbar ist, führen wir hier eine Debatte, die leider einer konkreten Umsetzung entbehrt. Die Standortfrage ist nämlich zentral, bevor wir weitere Überlegungen anstellen. Es gibt sicher Alternativen zum Standort, den Sie genannt haben. Diese müssen aber in Abstimmung des Landes mit Stadt und Museum geklärt werden. Für einen Neubau und einen geeigneten Bauplatz wird deshalb die Unterstützung der Stadt Stuttgart benötigt. Aufgrund der unklaren Grundstückssituation – selbst wenn wir ein Grundstück gefunden hätten; Sie wissen, mit Planung und Vergabeverfahren dauert es mindestens zehn Jahre – müssten wir nun schauen, wie wir ab sofort, um diesen Status zu halten, die notwendigen Verbesserungen am aktuellen Standort des Linden-Museums angehen könnten. Die Frage der Zukunftsfähigkeit und der zukünftigen Ausrichtung des Museums hängt aber nicht am Neubau – wie gesagt: Das dauert zehn Jahre. Im Übrigen fällt mir bei der Berichterstattung in den Medien auf, dass die organisatorische Frage des Neubaus oft mit der Neukonzeption und der Ausrichtung des Museums verknüpft wird. Das spiegelt auch der Titel der Aktuellen Debatte, die von der SPD-Fraktion eingebracht wurde, wider. Trotzdem, Herr Rivoir, finde ich die Spitze gegen das Humboldt-Museum nicht angebracht; denn auch die Menschen dort leisten eine hervorragende Arbeit. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Natürlich ist der Neubau eine Zäsur, bei der man über neue Wege, eine neue Konzeption oder einen neuen Namen diskutieren kann. Ja, wir müssen verantwortungsvoll mit der kolonialen Vergangenheit unseres Landes umgehen. Ja, völkerkundliche Museen müssen in den nächsten Jahren ihre Konzeptionen überdenken. Und ja, wir, das Land Baden-Württemberg, wollen in der globalen Kulturpolitik weiterhin eine starke Stimme sein. Aber nein, das hat primär erst mal nichts mit dem Neubau zu tun. Die Fragestellungen von Neubau und Neukonzeption sind momentan etwas ineinander verkeilt und versperren den Blick darauf, worauf es wirklich ankommt. Ja, die räumliche Situation des Museums muss zwingend verbessert werden. Ja, sie muss kurzfristig verbessert werden. Ja, das kostet Geld. Aber nein, ohne die Entscheidung über ein Grundstück bringt die Diskussion im Landtag keine neuen Erkenntnisse. Herr Kollege Köhler hat es richtig gesagt: Der Ball liegt nun bei der Stadt Stuttgart. Wir freuen uns aber darauf, uns in die Diskussion einzubringen. Daher vielen Dank für diese Aktuelle Debatte. Lassen Sie uns deshalb aber – das ist mein eindringlicher Appell – kurzfristig am jetzigen Standort Verbesserungen erzielen, bis die Faktenlage zu einem neuen Grundstück deutlich ist. Vielen Dank. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen) eriode – 34. Sitzung – Mittwoch, 6. April 2022
