Dr. Erik Schweickert
Frau Ministerin, vielen Dank für das Zulassen der Zwischenfrage. – Wenn Sie sagen, dass die Strukturen in Baden-Württemberg so in Ordnung sind und dass man das tun kann, sind Sie dann nicht auch der Meinung, dass man vielleicht, gerade wenn die Alumniarbeit auf der einen Seite ehrenamtlich von einem Verein gemacht wird und auf der anderen Seite aufgrund von Vorgaben an der Hochschule – ich sage mal – Justiziariate große Verwaltungen sind, genau diese Kooperationen noch etwas mehr unterstützen müsste? Eine ehrenamtliche Arbeit in der Alumniarbeit ist, glaube ich, nicht zu gering zu schätzen. Das ist zumindest der Eindruck, den ich habe. Ich war selbst viele Jahre lang Vizevorsitzender eines Alumninetzwerks, das 1894 gegründet worden ist. Da stellt man einfach fest, dass die ehrenamtliche Bespielung dieses Themas immer schwieriger wird. Wenn man möchte, was Sie wollen: Was tut dann die Landesregierung, um genau da zu helfen? Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Theresia Bauer: Wie gesagt: Der Spielraum ist vorhanden, ehrenamtliche Vereine zu unterstützen. Dadurch, dass es in unserem Hochschulgesetz als Aufgabe festgeschrieben ist, sind die Hochschulen berechtigt, Ressourcen der Hochschule einzusetzen, um entsprechende Strukturen zu unterstützen. Da sind die Türen einfach sperrangelweit offen. Ich würde es selbstverständlich begrüßen, ehrenamtliches Engagement zu stützen und zu stärken, indem man ihm gute Rahmenbedingungen gibt. Ich bin mir aber auch sicher: Für gute Alumniarbeit ist es nicht schwer, zusätzliches Geld einzuwerben, weil die Bereitschaft der Menschen, für diese besondere Phase ihres Lebens etwas zurückzugeben, vorhanden ist. Aber wie gesagt: Hochschulrechtlich ist da alles möglich. Ich würde gern einen Aspekt noch mal unterstreichen, der in Baden-Württemberg besonders gut gemacht wird. Unsere Alumniarbeit bezieht sich nicht nur darauf, die ehemaligen Studierenden in Verbindung zu halten, sondern wir haben in iode – 32. Sitzung – Donnerstag, 10. März 2022 Baden-Württemberg auch das Forscher- und Forscherinnennetzwerk (Abg. Gabriele Rolland SPD: Ja!) besonders gut aufrechterhalten. Wir wollen, dass auch mit denen, die für einen kurzen Forschungsaufenthalt kommen, Verbindung gehalten wird, weil man mit ihnen auch in Zukunft arbeiten kann, z. B. um internationale Spitzenkräfte zu gewinnen und um international neue Forschungskooperationen ins Leben zu rufen. Gerade bei diesen Forscher-Alumni-Netzwerken sind die baden-württembergischen Universitäten besonders auffallend gut unterwegs gewesen. Was ich auch wirklich bemerkenswert finde: Vielleicht war der eine oder die andere von Ihnen damals schon dabei, als wir eine Delegationsreise nach Südkorea gemacht haben. Wir haben in Seoul den Alumniverein der baden-württembergischen Musikhochschulen besucht. Die Mitglieder haben sich vor Ort organisiert, um zusammen zu musizieren und die wunderbare Phase ihrer Ausbildung in Baden-Württemberg sozusagen zu feiern und eine lebenslange Verbindung zu halten. Wenn man das erlebt, dann weiß man, welche Emotionen und welche Bereitschaft der Menschen da drinstecken, wenn sie sagen: Wir wollen nicht vergessen, was uns in dieser Zeit geschenkt wurde. Deswegen freue ich mich über alle Aktivitäten in diesem Bereich. Noch ein letztes Lob in diesem Zusammenhang: Die Baden-Württemberg Stiftung vergibt in diesem Bereich ein wichtiges Stipendium. Viele Incomings und Outgoings laufen über das Baden-Württemberg-Stipendium. Die Stipendiaten sind auch Botschafter für das Land und für unser gutes Hochschulsystem. Auch da gibt es inzwischen auf allen Kontinenten Alumninetzwerke von ehemaligen Stipendiaten des Baden-Württemberg-Stipendiums. Auch das ist eine schöne, eine sehr willkommene, gute Maßnahme, Verbindung zu halten zu unseren Hochschulen, zu unserer Hochschullandschaft, zu Baden-Württemberg, „THE LÄND“, überhaupt. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Weil Sie so schön kreativ die Verbindung hergestellt haben zwischen der Alumniarbeit und der Pandemie, mache ich das am Ende auch noch mal. Ich wollte Ihnen ja die Überraschung, die sich Frau Rolland gewünscht hat, gewähren. Es ist ja auch wahr. Wenn wir darüber reden, dass das so eine magische Phase in unserem Leben ist, dann wissen wir auch: Da geht es nicht um die magische große Menge an Wissen, das man aufgenommen hat, sondern es geht um die Verbindungen, die man hergestellt hat. Ja, die jungen Leute an unseren Hochschulen waren in den letzten drei Semestern ordentlich beeinträchtigt. Aus Sicherheitsgründen und Hygienegründen konnten wir das über eine Phase hinweg nicht anders halten. Es ist dringend, dass sie auf den Campus zurückkommen können. Sie konnten schon ein Stück weit im letzten Semester zurückkommen, und sie werden im Sommersemester wirklich zurückkommen, sich treffen können, nicht nur miteinander diskutieren, sondern auch miteinander feiern können. Auch das ist nötig. (Ministerin Theresia Bauer) Und ja, selbst das unterstützen wir mit Maßnahmen und auch mit Geld. Wir haben 28 Millionen € zur Verfügung gestellt – vielen Dank an Sie alle für das Bereitstellen dieser Ressource –, um zu helfen, Lernrückstände aufzuholen, aber auch Lerngruppen und soziale Konstellationen herzustellen für jene, die hier nie Kontakte aufbauen konnten. Ich freue mich außerordentlich, mit welchem Engagement die Hochschulen diese 28 Millionen € genommen haben, um tatsächlich kleinteilige, innovative, schöne neue Formate aufzustellen, um das Zurückkommen an den Campus zu erleichtern, sodass hoffentlich auch diese Generationen für spätere Alumniarbeit nicht verloren sein werden. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Beifall bei der SPD)
