Daniel Born
Vielen Dank. – Es folgt die Landesregierung. Ich erteile Frau Ministerin Bauer das Wort. Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Theresia Bauer: Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wenn man auf eine frühere Phase im eigenen Leben zurückschaut, dann erscheinen mit zunehmendem Abstand Dinge auch in einem anderen Licht. Wenn der Weichzeichner der Zeit darüber hinweggeht, dann kommt das Wesentliche besonders deutlich zum Tragen und dann gehen die Kleinigkeiten, die Details, verloren. Das trifft in einer besonderen Weise auf die ganz besondere Phase in unserem Leben zu, wenn man am Anfang der Persönlichkeitsentwicklung die ersten Schritte in die Unabhängigkeit macht und ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass man sein eigenes Leben gestalten kann, den Weg des Lebens selbst bahnen kann, sich selbst verwirklichen kann und wichtige Kontakte für den Rest des Lebens knüpft. Das ist so etwas wie ein magischer Moment. Wenn es einigermaßen gut läuft, dann erinnern wir uns alle sehr gern an diese Phase unseres Lebens zurück. Man erinnert sich gern. Man verdankt dieser Phase des Lebens auch viel. Man ist, glaube ich, auch in einer besonderen Weise bereit, diese Verbindung zu halten. Im Fall eines Hochschulstudiums ist es daher eine außerordentlich wichtige, schöne und gute Aufgabe, wenn Hochschulen sagen: Wir kümmern uns aktiv darum, die Bereitschaft, dort anzudocken, mit Leben zu füllen und sie leicht zu machen. In einer besonderen Weise gilt das vielleicht auch für die renommierten und sehr, sehr traditionsreichen alten Universitäeriode – 32. Sitzung – Donnerstag, 10. März 2022 ten in Baden-Württemberg, die in ganz einfachen Mottos beschreiben, worum es in einem Studium geht, nämlich um viel mehr als Wissensaufnahme. Es geht darum, eine bestimmte Haltung zu entwickeln. Die alte Universität Freiburg schreibt über ihre Pforte: „Die Wahrheit wird euch frei machen“. Die Universität Tübingen schreibt über ihre Pforte: „Attempto“ – ich wage es – und appelliert an den Mut. Die Heidelberger Universität schreibt über die Pforte: „Semper apertus“ – immer offen. Ich glaube, mit diesem Abstand der Zeit erinnert man sich, wenn es gut läuft, an die Dinge, daran, welche Haltung, welche Grundidee, welches Bildungsideal in dieser Phase eigentlich vermittelt worden sind. Auch deswegen glaube ich, dass Alumniarbeit etwas außerordentlich Wertvolles und Wichtiges ist. Es geht um viel mehr als um die Frage: Geben sie uns auch cash etwas zurück? Ich finde, das ist eine relevante Frage. Ich würde sie nicht verachten. Aber es geht um das Andocken, darum, die Verbindung zu halten – über den gesamten Globus hinweg, weil sich Menschen überallhin verteilen, über Generationen und die Jahrhunderte hinweg – zu einer Bildungseinrichtung, die einem nicht nur Wissen, sondern Haltung vermittelt hat. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) Ich glaube, das ist der tiefere Grund, warum es genau richtig ist, dass in unserem Hochschulgesetz das Thema Alumniarbeit verankert ist. Es ist Aufgabe der Hochschulen, sich darum zu kümmern. Deswegen können sie auch aus dem Grundhaushalt, dem Globalhaushalt der Hochschulen entsprechende Arbeit finanzieren. Es ist hochwillkommen, dass dies getan wird. Die Hochschulen in unserem Land machen das in ganz vielfältiger Weise. Manche haben das beim Rektorat angesiedelt, andere haben ehrenamtlich getragene Alumnivereine. Es gibt welche, die Ressourcen hineingeben, andere sagen: „Das ist alles Angelegenheit des Engagements.“ Wie auch immer, es ist in der Runde schon vollkommen korrekt gesagt worden: Die baden-württembergischen Hochschulen sind gar nicht schlecht aufgestellt und sind außerordentlich erfolgreich, auch bei den Wettbewerben, die es früher von der Alexander von Humboldt-Stiftung gegeben hat. Kein Bundesland war in der Präsentation der eigenen Alumniarbeit erfolgreicher als Baden-Württemberg. (Beifall bei den Grünen und der Abg. Gabriele Rol- land SPD) Es ist hervorragend, dass unsere Hochschulen dieses weltweite, interdisziplinäre, lebenslange Netzwerk zwischen Studierenden, Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeitern, Ehemaligen, inländischen und ausländischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern pflegen, dass sie sie einladen, dabeizubleiben, auch etwas zurückzugeben, Botschafterin oder Botschafter der eigenen Hochschule zu sein, als Gastwissenschaftler wiederzukommen, in Hochschulbeiräten mitzuarbeiten und die Verbindung in einem positiven Sinn zu halten. Das wird, finde ich, schon ganz ordentlich gemacht. Es ist immer auch noch Luft nach oben, und wir freuen uns, wenn es noch mehr davon gibt. (Ministerin Theresia Bauer) Ich glaube nicht, dass es nötig ist, diese gute Praxis hochschulgesetzlich noch mal anders zu regeln. Den bayerischen Weg habe ich zur Kenntnis genommen, halte ihn aber eher für PR. Bei Licht betrachtet ist keine zusätzliche Möglichkeit, kein Handlungsspielraum dahinter. Ich glaube, dass wir mit unserer hochschulgesetzlichen Regelung den richtigen Rahmen gesetzt haben. Es wäre auch irgendwie leidenschaftslos: So herum oder andersherum macht nicht wirklich einen Unterschied. Am Ende lautet die Frage, wie man es mit Leben füllt. Ich glaube in der Tat, dass sich das Land, die Regierung nicht zu sehr einmischen, sondern den Raum eröffnen sollte, der von den Hochschulen selbst schon gut bespielt wird.
