Dr. Timm Kern
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Alumnimanagement an den Landeshochschulen läuft bisher hauptsächlich über eingetragene Alumnivereine. Dort können sich die Absolventinnen und Absolventen der Hochschulen vernetzen, sich austauschen, neue Kontakte knüpfen oder aber alte Kontakte aufrechterhalten, sei es für das Berufsleben oder im Privaten. Auch wir, die FDP/DVP-Fraktion, haben uns bereits in der letzten Legislaturperiode mit dem Thema Alumnimanagement beschäftigt. Aus unserem dementsprechenden Antrag ging damals hervor, dass die Alumniarbeit nicht nur über Vereinsarbeit, sondern auch oft institutionell gefestigt wird. Dies geschieht etwa in Form einer Teilhabe in einer Stabsstelle innerhalb der Öffentlichkeitsarbeit oder über das Beziehungsmanagement der jeweiligen Institution. Die Hochschulen und die Alumnivereine leisten bereits jetzt gute Arbeit. (Dr. Timm Kern) Aus dem Antrag der CDU-Fraktion geht hervor, dass sechs Landesuniversitäten in einem Wettbewerb der Alexander von Humboldt-Stiftung für ihre Forscher-Alumni-Strategien ausgezeichnet wurden. Die Universitäten hierzulande nehmen also bereits einen guten Platz im Ländervergleich ein, ganz abgesehen von den Leistungen und Angeboten, die auch an anderen Hochschulen durch Alumniarbeit erbracht werden. Für ein erfolgreiches Alumnimanagement müssen vor allem interessante Veranstaltungen für die Alumni geboten werden. Diese schaffen Anreize, um digital oder in Präsenz zur Hochschule zurückzukehren und sich dort einzubringen. Für die Vermittlung und Bewerbung solcher Events braucht es eine sehr gut geführte Datenbank, damit die richtigen Leute erreicht werden und sich von ihrer ehemaligen Hochschule angesprochen fühlen. Mit der oft institutionalisierten Alumnirepräsentation, der Möglichkeit zum Aufbau eines digitalen Alumninetzwerks durch § 12 des Landeshochschulgesetzes und den vielen Alumnivereinen existiert für die meisten Hochschulen bereits eine gute Möglichkeit, um den Absolventinnen und Absolventen Engagement, Austausch und Zusammenarbeit zu ermöglichen. Nun lagen die Herausforderungen für die Hochschulen zuletzt in Zeiten der Pandemie eher darin, für ihre aktiven Studierenden attraktive Onlineangebote zu schaffen und zumindest in Teilen ein möglichst normales Studierendenleben aufrechtzuerhalten, trotz der teilweise unverständlichen, unverhältnismäßigen oder später vom Verfassungsgericht gekippten Maßnahmen der grün-schwarzen Landesregierung. Ohne Präsenzveranstaltungen wie Seminare, Vorlesungen, Tutorien, Laborpraktika oder Arbeitsgruppen ist eine emotionale Bindung der Studierenden an eine spezifische Hochschule aber schwer möglich. In dieser Situation jedenfalls würde es wenig helfen, die Hochschulen in ihrem Aufgabenkanon dazu zu verpflichten, die Verbindungen zu Ehemaligen zu fördern, wie es etwa das bayerische Hochschulrecht vorsieht. Ohne eine solche Bindung gibt es dann aber auch wenig Anreize für Studierende, sich nach dem Abschluss in Alumnivereinen zu engagieren. Bevor von der grün-schwarzen Landesregierung also an ein Fundraising für Hochschulprojekte gedacht wird, sollte zuerst ein ernsthaftes Friendraising innerhalb der Studierendenschaft erfolgen, welches nur durch eine authentische, lebendige und präsente Studienerfahrung möglich ist. Zusätzlich könnte § 9 des Landeshochschulgesetzes dahin gehend erweitert werden, dass Alumni zu Mitgliedern der Hochschule gemacht werden können, um dadurch ein stärkeres Bindungsgefühl zu erzeugen. Auch eine lebenslange Mailadresse der Hochschule kann attraktiv sein. Eine intensive Förderungskultur nach dem Studienabschluss, wie sie beispielsweise im angloamerikanischen Raum üblich ist, wird man hierzulande aber nicht kurzfristig erreichen können. Eine solche Alumnikultur wächst über Jahrzehnte und lässt sich nicht künstlich durch Steuermittel kreieren. Aus der Sicht der FDP/DVP-Fraktion ist es jedenfalls wichtig, nicht ohne Not in bereits bestehende und funktionierende iode – 32. Sitzung – Donnerstag, 10. März 2022 Institutionen einzugreifen, wenn die Hochschulen längst eine solide Bindung der Absolventinnen und Absolventen an ihre Alma Mater geschaffen haben. Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der FDP/DVP und der Abg. Gabriele Rol- land SPD – Vereinzelt Beifall bei der CDU)
