Michael Joukov
Herr Präsident, meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Wir debattieren heute über eine in der Tat wichtige Frage: Wie können wir bei der Kontaktaufnahme und bei der Kommunikation mit künftigen und ehemaligen Studierenden erfolgreicher werden? Denn bei ihrer primären Arbeit sind die baden-württembergischen Hochschulen bereits jetzt spitze. Mit vier von bundesweit nur elf Exzellenzuniversitäten können wir mit Fug und Recht behaupten, dass Baden-Württemberg zu den bundesweit erfolgreichsten Hochschulstandorten zählt. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Ja, wenn wie jetzt der Applaus kommt, muss diese Botschaft auch verbreitet werden. Alumni sind die besten und wichtigsten Botschafterinnen und Botschafter ihrer ehemaligen Hochschulen. Denn sie sind der glaubwürdigste Beweis dafür, dass die Hochschule erfolgreich arbeitet. Alumni können auch als Multiplikatoren in allen gesellschaftlichen Bereichen wirken, sowohl für die Gewinnung von künftigen Studierenden als auch für die Etablierung eines interdisziplinären Netzwerks von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, national und international. Dennoch ist das Alumnimanagement ein verhältnismäßig neues Thema. Die Vorstellung, dass die Hochschulen nicht nur höhere Lehranstalten sind, sondern sich auch aktiv um eine emotionale Bindung zu den Studierenden bemühen, kam erst zu meiner Studierendenzeit verstärkt auf, und ich bin bekanntlich erst 40. Viele Hochschulen sind im Bereich des Alumnimanagements bereits erfolgreich. So wurden sechs Landesuniversitäten für ihre Forscher-Alumni-Strategien im Rahmen des Wettbewerbs der Alexander von Humboldt-Stiftung auch ausgezeichnet. Aber zur Wahrheit gehört auch: Gerade im Wettbewerb mit den Universitäten im angelsächsischen Raum gibt es Nachholbedarf. Dass die ehemaligen Studierenden auch Botschafterinnen und Botschafter ihrer Hochschule sein können, wurde noch nicht überall erkannt. Sie dabei zu unterstützen ist sehr im Sinne der jeweiligen Einrichtung, und dafür ist es unerlässlich, Kontakt zu halten und sie dazu zu empowern. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) Umgekehrt können sie, die Alumni, auch für aktive Studierende eine Mentorinnen- und Mentorenrolle einnehmen zur Vermittlung von Praktika und von Jobs. Es gilt auch aus tragisch aktuellem Anlass die Feststellung, dass russischsprachige und russischstämmige Alumni eine nicht zu vernachlässigende Ansprechgruppe innerhalb Russlands sein können, sofern sie dorthin zurückgezogen sind. Denn bei der Art des neuen Eisernen Vorhangs, der von Putins Regierung in klassischen und sozialen Medien errichtet wurde, ist ein direkter Austausch unter Menschen, die sich persönlich kennen und sich persönlich vertrauen, einer der wenigen Kanäle, die noch uneingeschränkt zur Verfügung stehen, und diesen Kanal gilt es nach Kräften zu nutzen. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen, der CDU und der SPD) iode – 32. Sitzung – Donnerstag, 10. März 2022 Der Gewinn ist für alle Beteiligten beträchtlich. Ich will hier nur einige Beispiele nennen. Es entstehen der Raum und die Plattform, um mit der Alma Mater, die der Kollege angesprochen hat, in Verbindung zu bleiben, sei es als Gastreferentin oder Gastreferent, als Mentor oder Mentorin, als potenzielle Arbeitgeberin oder potenzieller Arbeitgeber, als Projektpartnerin oder -partner für Seminararbeiten, für Austausch in Forschung oder Kunst, für die internationale Zusammenarbeit und natürlich – wie bereits erwähnt – als Markenbotschafterin und Markenbotschafter der jeweiligen Hochschule. Die Rechtsgrundlage für die Kontaktpflege wurde bereits vom vorherigen Landtag gelegt. Die Kontaktaufnahme und die Datenverarbeitung sind im Landeshochschulgesetz rechtlich geregelt. Es ist – da stimme ich dem Kollegen zu – immer nützlich, danach zu schauen, ob man von anderen Bundesländern etwas lernen kann. Aber im Falle Bayerns ist das Ergebnis aus meiner Sicht eindeutig. Das bayerische Hochschulgesetz hat zwar eine Bestimmung zum Status der Alumni, die sich deklaratorisch sehr gut liest, aber im Ergebnis nichts anderes bewirkt als die traditionell geradezu schwäbisch zurückhaltende – ich hoffe, die Ministerin, die aus Heidelberg kommt, verzeiht mir den Vergleich – Formulierung unseres Landeshochschulgesetzes, liebe Kolleginnen und Kollegen. Der gesetzgeberische Boden ist also bereitet, und es liegt an den Hochschulen, diesen entsprechend zu nutzen. Herr Präsident, wir reden hier, während weiter östlich in Europa Bomben fallen und Menschen sterben. Das hat ganz unmittelbare Folgen für Baden-Württemberg. Deswegen möchte ich die Gelegenheit nutzen, der Ministerin für ihren Appell vom 27. Februar zu danken, die vorhandenen akademischen Kontakte in die Ukraine nicht abbrechen zu lassen, sondern die Zusammenarbeit nach Möglichkeit fortzusetzen und die Hilfsangebote zu nutzen. Dazu gehören neben den Hilfsangeboten für Geflüchtete u. a. die Förderung bilateraler Forschungsprojekte, die Vergabe von Stipendien sowie die gemeinsame Nutzung der wissenschaftlichen Infrastruktur und natürlich der Kontakt zu Alumni dort, wo er schon hergestellt wurde. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)
