Andreas Sturm
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen in diesem Haus oft über nachhaltige Ressourcen und Rohstoffe. (Abg. Miguel Klauß AfD: Zu oft, ja!) Bisher haben wir aber nicht die Hochschulabgängerinnen und Hochschulabgänger im Blick, die sogenannten Alumni. Exzellente Hochschulen und Universitäten brauchen ein exzellentes Alumnimanagement. (Beifall bei der CDU) Ein Blick auf die angelsächsischen Universitäten zeigt ganz deutlich: Alumni bieten ein enormes Potenzial, etwa in den Bereichen Recruiting, Fundraising, Karriereperspektiven, Praxis-Input, Image und Reputationsbildung. Zum Thema Fundraising: Ein hoher Prozentsatz der angelsächsischen Hochschulmittel, teilweise 40 bis 50 %, kommen von Alumni. Dabei geht es nicht nur um Großspenden, sondern auch um kleinere Beträge. Alumni bieten hervorragende Kontakte in die Wissenschaft und die Wirtschaft, regional wie überregional. Denn unsere Universitäten und Hochschulen stehen im Wettbewerb, national und international. Wenn wir diese wertvolle Ressource nicht nutzen, ist das im Umkehrschluss ein Wettbewerbsnachteil gegenüber den Unis im Ausland, die aus dieser Ressource Kapital schlagen. Ein sinnvolles Alumnimanagement darf aber nicht nur etwas von den Alumni fordern, sondern muss auch etwas bieten. eriode – 32. Sitzung – Donnerstag, 10. März 2022 Hochschulen im angelsächsischen Raum mit ungefähr 20 000 Studierenden haben fünf bis sechs Stellen im Alumnimanagement. In Deutschland reden wir von ungefähr einer halben Stelle pro Uni. (Abg. Dr. Albrecht Schütte CDU: Immerhin!) Wie können wir also Rahmenbedingungen schaffen, um Alumni dauerhaft an unsere baden-württembergischen Hochschulen zu binden? Um langfristig erfolgreich zu sein, benötigen wir eine angemessene finanzielle und personelle Ausstattung. Die CDU-Fraktion glaubt deshalb, dass wir eine Anschubfinanzierung benötigen – nur eine Anschubfinanzierung. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Denn ein gutes Alumnimanagement trägt sich von selbst. Wir haben Bundesmittel bekommen, die aber nur einmalig geflossen sind. Wir brauchen dauerhaft eine E-Mail-Adresse für Alumni, damit Hochschulen auch später noch mit den Absolventen in Kontakt bleiben können. Wir müssen Rahmenbedingungen an die Datenschutzanforderungen anpassen. Am Ende des Studiums muss es doch die Möglichkeit geben, dass Hochschulen auf das Alumni-eigene Netzwerk hinweisen. Dazu braucht es beispielsweise eine Anpassung des Hochschulgesetzes nach bayerischem Vorbild, wo die Hochschule Alumni z. B. als Mitglieder der Hochschule aufführen kann. (Abg. Dr. Erik Schweickert FDP/DVP: Das wäre gut!) Es ist auch vollkommen klar, dass wir ein ganz anderes Alumniselbstverständnis haben, als das in England oder Amerika der Fall ist. Dort ist es ganz normal, dass Akademiker auch nach ihrem Studium noch ein T-Shirt mit dem Logo ihrer Hochschule tragen. Aber was das Beziehungsmanagement angeht, haben wir dort Chancen. Es geht um ein generelles Umdenken. In Deutschland gibt es Schule, Ausbildung, Uni, Beruf, Ruhestand, und all diese Bereiche sind streng voneinander abgetrennt. Wir brauchen ein lebenslanges Bewusstsein, zu seiner Alma Mater, der nährenden Mutter, dazuzugehören. Das ist eine riesige Chance. (Vereinzelt Beifall bei der CDU und den Grünen) Die CDU-Fraktion ist der Meinung, dass wir durch ein kluges Konzept bei Absolventinnen und Absolventen offene Türen einrennen, wenn wir auf die Vorzüge eines solchen Alumnimanagements aufmerksam machen. Wir haben dann hier eine Win-win-Situation für Universitäten und Hochschulen und für die Alumni vor Augen. Dieses Thema ist nicht neu. Es wurde in meinem Wahlkreis von D. und C. K. aus der Großen Kreisstadt, der Rennstadt Hockenheim an mich herangetragen. Die beiden sind seit 21 Jahren im Dachverband der Alumninetzwerke der deutschsprachigen Länder aktiv und kämpfen für ihr Anliegen. Lassen Sie uns hier also endlich die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU)
