landtag-bw.de ↗

Dr. Alexander Becker

CDU 10.03.2022 Sitzungen 17/32

Das stimmt nicht!) Herr Esser – ich habe ja mit ihm gesprochen – kann z. B. nicht erklären, warum integrative Systeme international bessere Ergebnisse bringen als jedes hoch selektive System. Auch die seinen Erkenntnissen widersprechende, nämlich viel bessere Leistung integrativer Schulen in Deutschland – (Abg. Joachim Steyer AfD schüttelt den Kopf.) Gemeinschaftsschulen, Gesamtschulen – kann er nicht erklären. Er begründet dies damit, dass er diese Schulen nicht näher betrachtet habe. Daraus so weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen wie Sie von der FDP ist zumindest fahrlässig; seriös ist das auf keinen Fall. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Zurufe der Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP und Daniel Born SPD) (Thomas Poreski) Unsere Kultusministerin und die grüne Landtagsfraktion gehen einen anderen Weg. Wir hören auf die Akteure in der Bildungswelt, wir beraten uns mit den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats und finden Formate, wie wir voneinander lernen können, anstatt uns alte Scheingewissheiten an den Kopf zu werfen. Deshalb hat die Koalition trotz der Überlagerung durch die Pandemie viele wichtige Entwicklungen auf den Weg gebracht. Ministerin Theresa Schopper hat eine wertschätzende und lösungsorientierte Gesprächskultur mit schulischen Interessengruppen etabliert, die auch Ministerialdirektor Daniel Hager-Mann mit guten Formaten lebt, auch bei Querschnittsthemen wie der Inklusion. Unsere Staatssekretärin Sandra Boser praktiziert diesen Ansatz im Schlüsselbereich der Digitalisierung. Hier werden wir zügig zu guten, mit der Praxis gespiegelten Plattformtools und Qualifizierungsangeboten kommen. Die kommunalen Landesverbände haben zumindest verstanden, dass hier in einer neuen Qualität gearbeitet wird. Staatssekretär Volker Schebesta steht dafür, dass die frühkindliche Bildung – ich sage: endlich – ein eigenes Fachreferat im Kultusministerium bekommt. Im guten Zusammenwirken mit dem neuen Qualitätsinstitut Forum Frühkindliche Bildung werden die Weichen für eine noch bessere Qualität in der frühkindlichen Bildung gelegt. Ein Mittel dazu ist der sogenannte Orientierungsplan, der in einem partizipativen und dialogischen Prozess mit klaren Meilensteinen weiterentwickelt wird. Herzlichen Dank dafür. (Beifall bei den Grünen) Sehr erfreulich ist, dass unsere Kultusministerin Theresa Schopper das Kultusministerium so organisiert, dass es seine Aufgaben künftig noch besser erfüllen kann: ohne hinderliche Doppelstrukturen und so, dass die Akteure miteinander arbeiten und voneinander lernen. Dazu dient das neue, von Ihnen kritisierte Referat für die Sekundarschulen. Dass Sie dies reflexhaft als Angriff auf einzelne Schularten bewerten, zeigt, wie wenig Sie die bildungspolitischen Herausforderungen erkennen. (Beifall bei den Grünen und des Ministers Manfred Lucha – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Sie arbeiten sich ja – wir haben es gehört – auch an den neuen Qualitätsinstituten ab. Das ist Ihr gutes Recht. Unbestritten ist aber, dass das IBBW – eines der beiden Institute – bereits sehr erfolgreich arbeitet. Es hat mit einem Praxisbeirat einen Referenzrahmen Schulqualität erarbeitet, der demnächst in gereifter Form in die Fläche kommt. Er orientiert sich an den Kriterien, die die internationale Bildungsforschung als Maßstab für gute Bildungsqualität definiert hat. Dass an der Erarbeitung alle Schularten beteiligt waren, ist ein gutes Signal. Es gibt Grund zur Hoffnung, dass wir in der Bildung ideologische Schützengräben überwinden und dass künftig Science und nicht Fiction zählt. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Heiterkeit) Das größte Institut, das ZSL, kann trotz der pandemiebedingten Verzögerungen einiges vorweisen, etwa überzeugende dieriode – 32. Sitzung – Donnerstag, 10. März 2022 gitale Formate in der Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern oder aktuell sehr gute Handreichungen zu Putins Angriffskrieg auf die Ukraine. Dass die Entwicklung des Instituts nicht abgeschlossen ist, ist aber kein Geheimnis. Die Ministerin hat dies anlässlich des Jubiläums zum dreijährigen Bestehen klar benannt. Deshalb gibt es im grün-schwarzen Koalitionsvertrag auch eine Passage zur Evaluierung. Diese wird laufend und konsequent vorgenommen, auch vor dem Hintergrund, dass die Einrichtung der Qualitätsinstitute eine Schlussfolgerung aus den Erfahrungen erfolgreicher Bildungsländer und Bildungsnationen ist. Wir wissen bei alldem, dass gute Bildung weit mehr ist als die Anhäufung von Fachwissen – so wichtig gute fachliche Grundlagen sind. Wir sehen angesichts der gesellschaftlichen und globalen Krisen, dass es mehr denn je auch um eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung gehen muss, darum, dass sich Kinder und Jugendliche in einer offenen Gesellschaft zurechtfinden und sich dort zu Hause fühlen, dass sie Demokratie, eigenständiges Denken und die Übernahme von Verantwortung lernen, dass sie Vielfalt als Bereicherung erfahren und miteinander den zivilen und lösungsorientierten Diskurs erlernen. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Entwicklung sehen wir, wie wichtig Bildung für nachhaltige Entwicklung, für ein friedliches Miteinander und für eine naturverträgliche Lebens- und Wirtschaftsweise ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die internationale Bildungsforschung hat „flügelübergreifend“ klare Kriterien für gute und erfolgreiche Bildung erarbeitet. Es geht um Excellence, also um hohe Leistung, darum, dass Kinder und Jugendliche ihre Potenziale optimal entfalten, (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Davon sind wir meilenweit entfernt!) und darum, dabei die Kompetenzen zu erwerben, die für ein ebenso erfolgreiches wie friedliches Zusammenleben im 21. Jahrhundert unerlässlich sind. Es geht ebenso um Equity, also um Chancengerechtigkeit, um Integration und Inklusion. Und es geht um Wellbeing, also um das Wohlbefinden der Schulbeteiligten, vor allem der Schülerinnen und Schüler, und dabei nicht zuletzt darum, dass sie in ihrem Schulalltag Selbstwirksamkeit erfahren. Das sind die Maßstäbe unserer Bildungspolitik. Wir arbeiten an vielen kleinen und großen Baustellen mit den bildungspolitischen Akteuren im Land daran, die Bildung jeden Tag ein Stückchen besser zu machen. Dafür sage ich von unserer Seite ganz herzlichen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Zuruf des Abg. Joachim Steyer AfD) Die Bildungsobleute aller Fraktionen haben sich gestern gemeinsam darauf verständigt, die Ausschussreise des Bildungsausschusses in ein Bildungssystem zu machen, das im PISA-Vergleich international ganz vorn ist. (Vereinzelt Lachen) Kanada ist in der Leistung spitze, genau wie bei den Kompetenzen, bei Integration, Kooperation, Digitalisierung, Inklusion in allen Dimensionen und bei der frühkindlichen Bildung. Ich erhoffe mir, dass wir diese Reise als gemeinsame Lerner- (Thomas Poreski) fahrung nutzen – mit der Nebenwirkung, dass die Opposition künftig weniger populistische Aktuelle Debatten anmeldet. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und des Ministers Manfred Lucha)

Alle Reden von Dr. Alexander Becker Protokoll ↗