Thomas Poreski
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Titel der heutigen Debatte „Die Bildungspolitik von Grün-Schwarz steht vor einem Scherbenhaufen“, kombiniert mit einem Fragezeichen, ist nicht nur grammatikalisch falsch, (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Das war die Land- tagsverwaltung, die auf dem Fragezeichen bestanden hat, nicht wir!) sondern er wird auch den vielen Akteuren im Bildungssystem, die sich tagtäglich um eine bessere Bildung in unserem Land verdient machen, in keiner Weise gerecht. Diese Akteure sind Lehrerinnen und Lehrer und andere pädagogische Fachkräfte, die Schulleitungen, die Schul- und Kultusverwaltung, die Schülerinnen und Schüler, die Ausbildungsstätten und ebenso die Wissenschaft, auf die Sie gern hören dürfen. Sie alle sind Partnerinnen und Partner dieser Koalition – auf Augenhöhe und mit einem Horizont, der die Erkenntnisse der Bildungsforschung ebenso umfasst wie Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Bildungspraxis. Wir sind stolz auf das, was hier in unserem Land an unseren Schulen schon alles geleistet wird, und freuen uns über die Bereitschaft aller Beteiligten, jeden Tag miteinander ein Stück weit dazuzulernen. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) iode – 32. Sitzung – Donnerstag, 10. März 2022 Übrigens gibt es in allen Bundesländern Großbaustellen, unabhängig davon, wer Kultusministerin oder Kultusminister ist. (Zuruf des Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP) Sie, die Opposition, benennen solche Großbaustellen natürlich zu Recht. Das Bild eines „Scherbenhaufens“ kann aber nur strapazieren, wer ein merkwürdiges Bild von einer heilen Bildungswelt hat. Das ist, lieber Kollege Kern, die scheinbar heile Welt eines hoch selektiven Bildungssystems der Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts, bei dem fast nur noch im Bereich Digitalisierung nachgesteuert werden müsste. Meine Damen und Herren, dieses Bild ist ein Trugbild. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen) Aber der PISA-Schock der Jahrtausendwende hatte Gründe, und diese lagen in Ihrer scheinbar heilen Welt mit einer verbindlichen Grundschulempfehlung, der größten Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft und einer insgesamt mangelhaften Kompetenz im internationalen Vergleich. Ihr Maßstab, nur den innerdeutschen Vergleich heranzuziehen, wirkt da notorisch provinziell. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen) Schlimmer noch: Die besseren Hauptschülerinnen und Hauptschüler schnitten bei besagten PISA-Vergleichen regelmäßig besser ab als die schwächeren Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Was sagt uns das denn? In der Folge wurden über die beiden letzten Jahrzehnte immerhin viele Maßnahmen ergriffen, die messbare Verbesserungen brachten. Zugleich mussten wir aber feststellen, dass andere Länder innerhalb der Bundesrepublik, vor allem aber außerhalb Deutschlands, noch wesentlich größere Fortschritte gemacht haben. Mich wundert schon, dass Sie nicht diese Entwicklung zum Maßstab Ihrer Betrachtung machen. (Abg. Joachim Steyer AfD schüttelt den Kopf. – Abg. Joachim Steyer AfD: So ein Quatsch!) Stattdessen beziehen Sie sich mit einem Antrag auf die Studie von Professor Esser, der kein Bildungswissenschaftler ist und der behauptet, eine größere Homogenität von Lerngruppen ergebe bessere Ergebnisse und bringe mehr Chancengerechtigkeit. Die Qualität dieser Studie und deren Aussagekraft wurde auf allen Ebenen widerlegt. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Nein! Falsch! –
