Dr. Michael Preusch
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Obduktion ist zweifelsohne ein wichtiges Werkzeug bei der Erforschung von Krankheiten und deren Folgen in einem komplexen Organismus, wie es der Mensch nun einmal ist. Im Rahmen der Pandemie wurden weltweit viele Obduktionen von an Covid-19 verstorbenen Patientinnen und Patienten durchgeführt. Diese Sektionsdaten in Verbindung mit den klinischen Behandlungsdaten haben in den letzten zwei Jahren zu einem enormen Erkenntnisgewinn geführt, uns aber auch gezeigt, dass wir vieles über die Infektion mit SARS-CoV-2 und deren Folgen noch nicht wissen. Biomedizinische Forschung wird dann effektiv, wenn sie in großen Verbünden organisiert und umgesetzt wird. Mit dem deutschen Register der Obduktionen von an Covid-19 Verstorbenen wird diesem Punkt bundesweit Rechnung getragen. Die im Antrag geforderte Studie entsteht u. a. aus solchen bereits etablierten Registern. Darüber hinaus fördert das Land mit knapp 1,8 Millionen € – es wurde schon erwähnt – verschiedene Covid-19-Obduktionsprojekte an den pathologischen Instituten der vier Universitäten. In Teilen sind die Ergebnisse übrigens bereits veröffentlicht; man braucht sie einfach nur nachzulesen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie auf der Regierungsbank – Vereinzelt Beifall bei der FDP/DVP) Es ist diesen und anderen Gruppen aus Forschern, aber auch Klinikern gelungen, die Versorgung von an Covid-19 erkrankten Menschen zu verbessern. Gingen wir in den ersten Monaten des Jahres 2020 noch davon aus, dass wir es mit einem klassischen Lungenversagen zu tun haben, erkennen wir heute ein komplexes Zusammenspiel aus Gasaustausch, Entzündung und Gerinnung. Mit Blick auf Covid-19 werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch in den kommenden Jahren an lebendem und totem Gewebe forschen müssen. Deshalb ist es wichtig, dass diese Schwerpunktforschung an großen Zentren mit Expertise läuft und dass die Kooperationen in gemeinsame Strukturen wie beispielsweise eine landesweite Biobank münden. In dieser müssen Gewebe zur Klärung weiterer Fragen adäquat gelagert und bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden. ode – 28. Sitzung – Donnerstag, 3. Februar 2022 Hier besteht sicherlich auch noch von politischer Seite Handlungsbedarf. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, auch zu der Frage möglicher Impfkomplikationen, wie im vorliegenden Antrag adressiert, gibt es Zahlen, Daten und Fakten. Diese gehen übrigens weit über die Erkenntnisse einzelner Obduktionen hinaus, da im Rahmen der Therapie bereits eine Fülle von Informationen gesammelt werden. Wir lernen heute eben nicht mehr nur von Toten, sondern beispielsweise dank der modernen Bildgebung gerade auch von den Lebenden. Wir wissen, dass es sich Stand heute bei der Impfung gegen Covid-19 um eine sichere, wahrscheinlich d i e sicherste Impfung handelt. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie auf der Regierungsbank – Vereinzelt Beifall bei der SPD) Selbstverständlich gibt es keine Wirkung ohne Nebenwirkungen. In der Abwägung von Nutzen und Risiko der Impfung ist diese aber nach derzeitigem Kenntnisstand definitiv vertretbar. Dies gilt auch für die oftmals zitierte Herzmuskelentzündung. Das kann ich Ihnen als Kardiologe nur bestätigen. Wer Forschung nach der sogenannten guten klinischen Praxis – GCP – betreibt, macht seine Daten transparent, diskutiert diese in Fachgremien und veröffentlicht sie dann in Peer-Reviewed Journals. Nicht zu belegende Statements sind unseriös und führen maximal zu einer Veröffentlichung in der „Blöd“-Zeitung. (Heiterkeit – Beifall bei der CDU und den Grünen) Die Antragsteller mögen mir erlauben, den Antrag fachlich zu korrigieren. Bei Verdacht auf Vorliegen eines Impfschadens erfolgt keine klinische Obduktion durch den Pathologen, sondern eine durch die Staatsanwaltschaft angeordnete gerichtliche Sektion durch den Rechtsmediziner. Wenn ich finanzielle Mittel bereitstellen, wenn ich Studien machen will, dann muss ich mir natürlich auch über die Praktikabilität Gedanken machen. Es sterben in Baden-Württemberg ca. 1 200 Menschen pro Monat, die unter 65 Jahre alt sind. Nehmen wir einmal an, es sind 20 %, die Ihre Kriterien erfüllen, dann wäre es ein enormer Auftrag, der sicherlich nicht so einfach umzusetzen wäre. Der zweite Punkt – das muss ich jetzt doch noch mal sagen –, zu dem von Ihnen zitierten Kollegen aus Heidelberg: Dieser hat zu seinen Thesen noch in keinem Fachjournal etwas veröffentlicht. Ihm wird durch die Kollegen der Pathologie auch mehrheitlich widersprochen. (Zuruf des Abg. Dr. Uwe Hellstern AfD) Ich glaube, daran müssen wir uns auch halten, wenn wir uns auf Daten beziehen. Diese müssen wasserfest, seriös (Abg. Thomas Blenke CDU: Genau!) und ausreichend diskutiert sein. (Beifall bei der CDU, den Grünen und der SPD so- wie auf der Regierungsbank – Abg. Dr. Uwe Hell- stern AfD: Und Kepler hatte doch recht!) (Dr. Michael Preusch) Bei diesen Bemerkungen zu dem Antrag will ich es belassen, wenngleich es mich freuen würde, wenn mehr Mittel für die Forschung zur Verfügung gestellt würden. Aber wir haben gewisse Qualitätskriterien, die wir auch im Landtag erfüllen müssen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU, den Grünen und der SPD so- wie des Abg. Jochen Haußmann FDP/DVP – Abg. Thomas Blenke CDU: Sehr gut! Sauber geklärt! –
