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Daniela Evers

GRÜNE 02.02.2022 Sitzungen 17/27

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Attraktiv, stark und lebendig – das ist Tourismus in Baden-Württemberg. Wer bei­ spielsweise – gestatten Sie mir den kleinen Werbeblock – in meiner Wohngegend im Hochschwarzwald unterwegs ist, kann in einer überschaubaren Region unzählige Sportarten ausüben, spektakuläre Schluchten erwandern, Wellness genie­ ßen, waldbaden, regionale Spitzengastronomie erkunden, Na­ turparke entdecken und Kulturevents erleben. Ich bin sicher, jede und jeder von Ihnen kann für ihren oder seinen Wahlkreis Ähnliches beschwärmen. Unser Land birgt so viele Orte und Gegenden, die sich loh­ nen, entdeckt zu werden. Das schätzen sehr viele. 2019, vor der Pandemie, hatten wir noch über 50 Millionen Übernach­ tungen in unserem Land. Der Tourismus ist ein zentraler Wirt­ schaftsfaktor mit rechnerisch weit über 300 000 Arbeitsplät­ zen und einem Umsatz in Höhe von 25,3 Milliarden €. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Antwort der Landesre­ gierung auf die Große Anfrage der CDU zeigt sehr deutlich die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor, die viel­ fältigen touristischen Angebote im Land. Sie zeigt aber auch die aktuellen Herausforderungen für den Tourismus in Badeneriode – 27. Sitzung – Mittwoch, 2. Februar 2022 Württemberg: die Coronakrise mit den direkten und indirek­ ten Auswirkungen auf die Gästezahlen und der Fachkräfte­ mangel. Genauso aktuell sind der Klimawandel und die da­ mit einhergehende Notwendigkeit eines Transformationspro­ zesses des Tourismus zu Nachhaltigkeit, Klimaschutz und zur Anpassung an die Klimaveränderungen und die Veränderungs­ prozesse durch die fortschreitende Digitalisierung, den demo­ grafischen Wandel und die sich verändernden Gästewünsche. Die Antwort macht aber gleichzeitig auch deutlich: In der Kri­ se und darüber hinaus stehen wir – die Politik, der Landtag, die Landesregierung – eng an der Seite der vielen Tourismus­ betriebe im Land und unterstützen sie mit gezielten Förder­ angeboten. Das ist auch notwendig. Corona hat die Branche stark geprägt: Schließungen, Rückgang der Gästezahlen, Um­ satzrückgänge. Die Gastronomie und die Beherbergungsbran­ che sind und waren davon besonders stark betroffen. Wir haben schon massive finanzielle Hilfsprogramme auf den Weg gebracht. Es gilt aber jetzt, auch weiter gemeinsam den Weg durch die Krise zu gehen. Wir brauchen gut aufgestellte Betriebe und Destinationen, die das stärken können, was vie­ le entdeckt haben: Ein Urlaub im Inland ist eine attraktive und vielseitige Option. Diese Gästezahlen wollen wir auch nach der Krise natürlich weiter festigen. Ganz klar steht hier aber die Frage der Fachkräftebindung und der Fachkräftegewinnung im Vordergrund. Denn diese Prob­ lematik hat sich in der Branche in der Krise nochmals massiv verschärft; das hören wir aus vielen Gesprächen mit Verbän­ den und Betrieben. Hier gilt es, die Zusammenarbeit mit den Betrieben und den Verbänden zu verstärken, die Ausbildungsoffensive zu verstärken, das Bewusstsein für die Vielseitigkeit der Berufe schon in den Schulen zu wecken. Es gilt aber auch, die Menschen aus anderen Ländern, die bereits in den hiesi­ gen Betrieben arbeiten oder planen, dies zu tun, zu fördern, ihr Bleiberecht abzusichern und ihnen langfristige Perspekti­ ven zu schaffen. Auch hier werden wir entscheidende Schrit­ te weitergehen. Das Urlauberverhalten in der Krise zeigt aber auch eine in Wissenschaft und Alltagserfahrung eigentlich bekannte Tat­ sache: Der Markenkern von Tourismus, der Erholungsfaktor, sind die intakte Natur, das Erleben der Naturschönheit, die Bewegung im Freien. Die am Tourismustag 2022 veröffent­ lichte Studie und der Vortrag hierzu haben dies noch mal deut­ lich untermauert. Hier ergibt sich schon aus Logikgründen die große Heraus­ forderung der Zukunft: Naturschutz, Klimaschutz ist eben auch Tourismusschutz. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Die Kernfrage in unserer Gesellschaft, den Klimawandel zu begrenzen, die Frage nach einer naturverträglichen Umwelt­ nutzung betreffen direkt und konkret auch immer die Touris­ muswirtschaft. Auch seitens der Gäste sowie der Nutzerinnen und Nutzer werden die Fragen nach Naturverträglichkeit und Nachhaltigkeit zunehmend lauter. Die Klimaerwärmung stellt uns vor strukturelle Fragen. Mobilität und Individualtouris­ mus brauchen Grenzen und Lenkungen. Diese Herausforde­ rungen werden in den kommenden Jahren noch deutlicher, noch sichtbarer ins Zentrum treten. (Daniela Evers) Klima- und Naturschutz steht dem Tourismus aber nicht ent­ gegen. Er ist vielmehr notwendiger Bestandteil für die Zu­ kunft der Tourismuswirtschaft. Daher bin ich sehr froh, dass dies in der Tourismuskonzeption des Landes stark verankert wurde. Nachhaltigkeit steht ganz oben. Dies gilt es nun um­ zusetzen. Wir brauchen Konzepte, auch den Tourismus in Ba­ den-Württemberg klimaneutral aufzustellen. Herzlichen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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