Jochen Haußmann
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! „Keine Benachteiligung von Bürgern durch Gender-Zwang“ – man sieht an dieser Formulierung schon wieder, wie man Themen emotionalisiert, die eine große Sachlichkeit verdient hätten. Insofern bedaure ich einmal mehr Ihre Form der Diskussion, die ein eigentlich wichtiges Thema gleich in eine falsche Richtung bringt. (Beifall bei der FDP/DVP – Vereinzelt Beifall bei den Grünen, der CDU und der SPD) Man kann geteilter Meinung darüber sein, wie wir Texte formulieren. (Abg. Anton Baron AfD: Was würden Sie vorschla- gen?) Ich glaube, niemand fühlt sich dadurch in einer Zwangslage. So hat beispielsweise die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, der Dachverband der kulturellen Bildung der gesamten Bundesrepublik, einen Leitfaden entwickelt, wie das Ehrenamt, wie ehrenamtliche Strukturen eine gendergerechte Sprache entwickeln können. Darin sehen wir ein schönes Beispiel, wie man sich intensiv damit beschäftigt, das geschlechtergerecht zu machen. Kollege Dr. Becker hat den Rat für deutsche Rechtschreibung zitiert, unser zwischenstaatliches Gremium, das sozusagen den obersten Schiedsrichter darstellt, wenn es um die Einheitlichkeit der Rechtschreibung geht. Im März dieses Jahres hat sich dieser Rat noch einmal damit beschäftigt und hat die Auffassung bekräftigt, ... dass allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnet werden soll und sie sensibel angesprochen werden sollen. Dies ist allerdings eine gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Aufgabe, die nicht allein mit orthografischen Regeln und Änderungen der Rechtschreibung gelöst werden kann. ode – 17. Sitzung – Mittwoch, 27. Oktober 2021 Kollege Becker hat darauf hingewiesen, dass man eben keine Empfehlung ausgegeben hat. Das zeigt schon, wie unterschiedlich die Möglichkeiten sind, sich damit auseinanderzusetzen. Das sollen die beiden Beispiele auch noch einmal verdeutlichen. Zu Genderzwang sehe ich in der Bundesrepublik keine Veranlassung. Der Druck, der kommt, kommt einzig von der Art und Weise, wie Sie das Thema hier in den öffentlichen Raum bringen. (Abg. Dr. Bernd Grimmer AfD: Gehen Sie mal an die Hochschulen! – Zuruf von der AfD: Von der „Bild“- Zeitung hört man etwas anderes von Ihren Vertretern!)
