Dr. Dorothea Kliche-Behnke
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleg/-innen! (Ah-Rufe von der AfD) – Wenn Sie sich damit nicht angesprochen fühlen, dann ist das wirklich Ihr eigenes Problem. (Beifall bei der SPD und den Grünen) Ich habe aus dieser Debatte jetzt schon mitgenommen, dass der AfD die Achtsamkeit ganz besonders wichtig ist und dass Feministinnen wie ich Ihnen Angst machen. (Lachen bei der AfD) – Frau Wolle, das waren Ihre Worte: dass es Ihnen Angst mache. Falls das so ist, kann ich Ihnen versichern: Das ist nicht meine Absicht; (Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD, der Grünen und der CDU) das ist nicht, was wir hier wollen. (Zurufe von der AfD, u. a. der Abg. Carola Wolle) Aber kommen wir einmal zur Realität. Während andere Bundesländer längst riode – 17. Sitzung – Mittwoch, 27. Oktober 2021 (Zuruf von der AfD: Den Schwachsinn abgeschafft haben!) klare Regelungen haben, wie in Formularen, Gesetzen oder Stellenanzeigen geschlechtergerechte Sprache verwendet wird, haben wir es in Baden-Württemberg mit einer ganz anderen Situation zu tun: Da lobt der Fraktionsvorsitzende der FDP/ DVP den Koalitionsvertrag der Landesregierung in genau einem einzigen Punkt, nämlich: dass darin der Genderstern nicht zu finden sei. (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Genau! Das ist das Beste an dem Koalitionsvertrag!) – Herr Dr. Rülke erinnert sich. – Ich war überrascht. Wenn Sie das wirklich als das Beste bezeichnen – – Mir ging es da anders. An dieser Stelle gehen unsere Positionen auseinander. (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Das soll es geben!) Während in vielen Kommunen und selbstverständlich auch an den Hochschulen im Land geschlechtergerechte Sprache sowieso eine völlige Selbstverständlichkeit ist, gibt es hier bei uns bis heute keinerlei Leitfäden für Verwaltung und Behörden, wie eigentlich die verschiedenen Geschlechter sprachlich repräsentiert werden sollen. Aus der Sicht der SPD-Fraktion wäre das dringend zu ändern. (Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen) Nun zum Antrag der AfD selbst. Er ist nicht nur gleichermaßen einfach gestrickt und selbstentlarvend, sondern noch dazu abgeschrieben. Sie haben hier einen Antrag der AfD-Fraktion im Hessischen Landtag abgeschrieben. Wir müssen Ihnen aber eines wirklich zugutehalten: Sie haben einen großen Eigenanteil geleistet. Sie haben teilweise die Reihenfolge der einzelnen Fragen vertauscht, im Vergleich zum ursprünglichen Antrag. Chapeau! (Heiterkeit und Beifall bei der SPD und den Grünen – Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) Das Thema scheint Sie ja wirklich wahnsinnig umzutreiben. Der bundesweite Parlamentsspiegel verzeichnet tatsächlich 154 Treffer zum Stichwort „Gender und AfD“. Erst vor einem Jahr haben Sie bereits einen ähnlich lautenden Antrag eingereicht, also vor meiner Zeit als Abgeordnete. Ich habe ihn mir angeschaut; ich bin ja eine fleißige Abgeordnete. Da wollten Sie allen Ernstes – ich zitiere – ... zur normalen Sprache Goethes und Schillers ... zurückkommen. (Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD und der Grü- nen) Wir freuen uns darauf, wenn Sie Ihre nächste Rede hier in Schiller-Deutsch vortragen. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und den Grünen sowie Abgeord- neten der CDU und der FDP/DVP) Ihr großes Interesse an diesem Thema erstreckt sich natürlich auch auf die sozialen Medien; das ist ja klar. Seit Januar die- (Dr. Dorothea Kliche-Behnke) ses Jahres hat die AfD auf Facebook mehr Posts zum Thema Gender abgesetzt als alle anderen Parteien zusammen. Das heißt umgekehrt: Im Bundestagswahlkampf kam jeder zweite Post zum Thema Gender aus den Reihen der AfD. (Abg. Anton Baron AfD: Was sagt denn die Bevöl- kerung dazu?) Während sich SPD und Grüne zu diesem Thema immer wieder mit Themen wie Gender-Equality oder Gender-Pay-Gap auseinandersetzten – das sind Themen, die uns tatsächlich umtreiben –, dominierten bei den Tweets der AfD Themen und Begriffe wie Gender-Gaga und Genderwahn. Vielleicht als Conclusio: Mit anderen Worten, die einzige Partei, die hier unter Genderwahn leidet, ist die AfD. Herzlichen Dank. (Beifall bei der SPD und den Grünen sowie Abgeord- neten der CDU)
