Carola Wolle
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Das englische Wort „Gender“ hat sich als Fachbegriff für das soziale Geschlecht etabliert. Worüber wir heute debattieren, ist aber keine Sternchen- oder Schluckaufproblematik. Vielmehr handelt es sich um ein handfestes politisches Problem. Wer vom Gendern spricht, meint damit die chaotische Veränderung der deutschen Orthografie mit dem Binnen-I oder einem Sternchen. Dabei verfügt die deutsche Sprache seit Jahrhunderten mit dem generischen Maskulinum über die Fähigkeit, Personenbezeichnungen geschlechtsneutral zu verwenden. Jeder von Ihnen kennt sicherlich Beethovens Schlusschor der Sinfonie Nr. 9. Einer der berühmtesten Söhne unseres Landes, Friedrich Schiller, hat den Text dazu – „Ode an die Freude“ – verfasst. Wer von Ihnen hat bei der Zeile „Alle Menschen werden Brüder“ befürchtet, dass Frauen von dieser lyrischen Verbrüderung ausgeschlossen wären? (Oh-Rufe von den Grünen und der SPD) Den Vernünftigen unter Ihnen – ich höre es ja – wird diese Frage absurd vorkommen. Aber der lautstarken Minderheit der Genderanbeter ist es mit dem Eingriff in die Weltliteratur ernst. Märchen und Kinderbücher werden umgeschrieben. Auch vor der Heiligen Schrift machen Sie nicht halt. Die katholische Studentenjugend schreibt Gott zukünftig mit Sternchen. (Heiterkeit des Abg. Bernd Gögel AfD) Man wolle sich für ein anderes Gottesbild starkmachen, weg von dem strafenden, alten weißen Mann mit Bart, hin zu einer Gottesvielfalt. (Abg. Bernd Gögel AfD: Unglaublich!) Nun stellen wir, die AfD-Fraktion, die Frage: Ist Gendern nur ein Luxusproblem eines übersättigten Teils der Bevölkerung, oder dient Gendern allein der Ablenkung? Die Bürger in Baden-Württemberg stehen vor existenziellen Problemen. Zu nennen sind: industrieller Strukturwandel, erzwungene E-Mobilität, unsichere Energieversorgung, Bildungsqualität im Sinkflug, Migrationskonflikte in den Kommunen und weitere harte Herausforderungen. Wer angesichts dieser gewaltigen Probleme die Ressourcen Baden-Württembergs an gendergetriebene Pappkameraden verschwendet, schadet unserem Heimatland. (Beifall bei der AfD) Meine Damen und Herren, ich habe 16 Jahre in einem namhaften Automobilunternehmen gearbeitet, (Zuruf von der SPD: Aha!) ode – 17. Sitzung – Mittwoch, 27. Oktober 2021 davon sechs Jahre im Bereich Personalpolitik. Ich war mit dem Thema Chancengleichheit betraut. Sie können sich sicher sein: Ich kenne die Probleme der Männer und Frauen in der Arbeitswelt. Ein bisher ungelöster Widerspruch ist die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen bei gleicher Qualifikation und Leistung. Keine Quote, kein Gender-„ens“, kein Gendersternchen oder kein Gender-I werden etwas daran ändern. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Ob alleinerziehende Frauen mit dem Wort „KollegInnen“ angesprochen werden, bringt ihnen keinen Cent mehr in ihren Geldbeutel. (Abg. Jonas Weber SPD: Wer sagt das?) Halten wir also fest: Der Genderzwang ist ein Projekt der Ablenkung von den wirklichen Problemen unseres Landes, oder? (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Aber worum geht es noch? Wer sich in der Öffentlichkeit nicht den ungeschriebenen Gesetzen der Genderterminologie unterwirft, wird schnell als Abweichler abgestempelt. Noch schlimmer ist es, wenn sich diese Person in einem Abhängigkeitsverhältnis befindet, also Angestellter in einem genderkonformen Unternehmen oder Student an einer Uni mit Genderregime ist. Die Universitäten und die anderen Hochschulen in Baden-Württemberg haben bereits im August dieses Jahres angekündigt – ich zitiere –: An den Hochschulen im Südwesten hält die geschlechtssensible Sprache Einzug. ... Die Gleichstellungsbeauftragten für alle Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und Musikhochschulen wollen Empfehlungen formulieren, die im Herbst erscheinen werden. Meine Damen und Herren, falls es nicht schon Praxis ist, wird es dann in Baden-Württemberg so zugehen wie an der Universität Kassel? Dort können Studenten sogar schlechtere Noten bekommen, wenn sie kein Gendersternchen und keine neue Form verwenden. Freiheit von Forschung und Lehre, das wird so zur puren Floskel, meine Damen und Herren, (Beifall bei der AfD) besonders dann, wenn Studenten oder Lehrkräfte wegen inkonsequenten Genderns öffentlichkeitswirksam abgestraft werden – getreu der Mao-Losung: Bestrafe einen, erziehe Tausende. Viele von Ihnen kennen sicherlich George Orwells düstere Vision „1984“. Ich erinnere mich noch heute an den Begriff „Neusprech“. Neusprech, das ist eine aus politischen Gründen künstlich modifizierte Sprache. Verstöße gegen Neusprech werden als Gedankenverbrechen öffentlich und hart bestraft. Ich habe George Orwells Dystopie bisher als bloße Fiktion gesehen. Was George Orwell in seinem Buch für 1984 prophezeit hat, droht heute düstere Realität zu werden. (Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Jonas Weber SPD) (Carola Wolle) Dagegen müssen sich alle aufrechten Demokraten entschieden zur Wehr setzen. (Beifall bei der AfD – Zuruf: Bravo!) Was macht nun Genderismus zu einer politischen Gefahr? Jeder von uns weiß: Sprache ist weit mehr als Informationsaustausch. Worte sind mit Assoziationen und Gefühlen verknüpft. Das kann Sprache reich machen. Aber gleichzeitig kann Sprache als Mittel der Manipulation verwendet werden. Wer achtsam mit Worten umgeht, sie also bewusst wahrnimmt und verwendet, gibt anderen weniger Macht über sich selbst und respektiert seinen Mitmenschen. Gendersprech ist genau das Gegenteil davon. Von oben verordnet soll die Sprache radikal verändert werden. Unter dem Vorwand der Geschlechtergerechtigkeit wird die deutsche Sprache deformiert. Verzerrte Rollenstereotype werden erfunden. Wer sich dem Druck der gendergerechten Sprache nicht beugt, ist offensichtlich ein alter weißer Mann. Ihm soll für seine reaktionäre Haltung keine Bühne mehr gegeben werden. Kurz gesagt: Ob Mann oder Frau, wer gendert, gehört nicht mehr dazu. (Lachen bei den Grünen und der SPD) – Wer nicht gendert. Lachen Sie noch so blöd, das ändert überhaupt nichts an der Realität. Sie haben sich noch nie versprochen. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Gerade in mir als Frau löst dieser Radikalfeminismus Ängste aus. Wenn diese alten weißen Männer, also alle, die die Gendersprache ablehnen, diskriminiert werden – so wie ich gerade eben von Ihnen –, wo ist dann der Unterschied zum Rassismus, meine Damen und Herren? (Beifall bei der AfD) Um ein letztes Mal George Orwell zu zitieren: Wer die Gedanken kontrolliert, kontrolliert die Realität. Was mich optimistisch stimmt, ist die zunehmende Ablehnung von Binnen-I oder Gendersternchen. Nach einer INSA-Umfrage vom August 2021 lehnen zwei Drittel der Deutschen diese Gendersprache ab. Bleibt zu hoffen, dass diese klare Position ihren Niederschlag im Handeln dieser Landesregierung findet. Die AfD-Fraktion fordert die Landesregierung daher auf: Stellen Sie sich gegen die Verzerrung unserer deutschen Sprache, indem Sie hier in diesem Hohen Haus auch künftig ein vernünftiges Deutsch sprechen! Lassen Sie nicht zu, dass das Land von Hölderlin, Hegel, Schiller, Uhland, Mörike zum Ort des Sprachmissbrauchs wird! (Abg. Thomas Poreski GRÜNE: Alles Männer!) Stellen Sie sich gegen jede Form des Tugendterrors, die getarnt als emanzipatorische Sprache an den Grundfesten des demokratischen Konsenses rüttelt, und lassen Sie nicht zu, riode – 17. Sitzung – Mittwoch, 27. Oktober 2021 dass die Bürger dieses Landes zu Untertanen einer künstlich erzeugten Gender-Gaga-Sprache werden! Danke schön. (Beifall bei der AfD)
