Dr. Wolfgang Reinhart
Bitte sehr, Herr Minister. riode – 11. Sitzung – Donnerstag, 22. Juli 2021 Minister für Verkehr Winfried Hermann: Vielen Dank, Herr Schweickert. Wir sind inzwischen ein eingespieltes Team. Wir haben im letzten Jahr tatsächlich über die Frage der Reisezeitinformation gesprochen. Für die anwesenden Abgeordneten, die nicht im Thema drin sind: Worum geht es? Wenn es auf Autobahnen Staus gibt, schauen die meisten Leute in ihr Navi, fahren runter und durchfluten die Orte und die Städte, die am Rande einer Autobahn liegen. Dann herrscht dort in Kürze ein Verkehrschaos. Sie glauben, sie wären dadurch schneller, sind aber faktisch immer länger unterwegs. Was tun wir dagegen? Wir haben angefangen, auf Autobahnen sogenannte Echtzeitanzeigen aufzustellen. Wenn Sie in einem Stau stehen, wird angezeigt, dass man zehn oder zwölf Minuten länger bis zu einem gewissen Ort braucht. Das entlastet die Autofahrer, weil sie dann einschätzen können, dass sie zwölf Minuten Geduld brauchen. Wir haben auch gesagt, dass wir auf jeden Fall vermeiden wollen, dass die Autofahrer von der Autobahn herunterfahren. Deswegen schreiben wir auch nicht hin, die Umfahrung durch folgende Orte verkürzt oder verlängert die Fahrzeit um, sagen wir, zehn Minuten, sondern wir gehen immer davon aus, dass eine solche Umfahrung eine längere Fahrzeit bedeutet. Wir warnen immer vor dem Herunterfahren und sagen: Bleiben Sie auf der Autobahn, das ist die schnellste Strecke. An dieser Stelle wollten wir die Information geben, um wie viel länger eine solche Umfahrung dauert, damit quasi sichtbar wird, dass es blöd ist, wenn man der Empfehlung des Navigationsgeräts folgt. Auf der Autobahn soll die Anzeige z. B. vermitteln: Wenn du da herunterfährst, brauchst du 18 Minuten länger; das ist nicht, wie dein Navi sagt, die schnellere Lösung. Das hatten wir im Detail besprochen. Jetzt ist, nicht ganz unvorhergesehen, Folgendes passiert: Seit dem 1. Januar sind wir, das Land, nicht mehr zuständig für die Autobahnen. Wir haben das natürlich an die Autobahngesellschaft weitergegeben, und die Autobahngesellschaft hat das geprüft. Manchmal sind es ja banale Argumente, die nicht so ohne Weiteres vom Tisch gefegt werden können. Die am Straßenrand aufgestellten Echtzeitanzeigetafeln lassen es nicht zu, mehrere Orte draufzuschreiben. Wenn mehrere Orte draufstehen, muss es sehr klein geschrieben werden, und dann ist es nicht mehr lesbar. Auf der A 8 Karlsruhe–Stuttgart gibt es im Bereich Pforzheim diese Anzeige, aber auf dem anderen Teil der Strecke gibt es sie nicht, weil zu viele Orte genannt werden müssten, was nicht auf die Anzeigetafel passen würde. Das ist der ganz banale Grund, warum sie es nicht gemacht haben. Ich habe jetzt als Minister keine Befugnisse mehr, der Autobahngesellschaft etwas zu sagen. Ich kann mit denen nett reden und sagen: „Sie waren doch mal Mitarbeiterin bei mir. Können Sie nicht?“ Aber mehr kann ich nicht machen. Die Ansage machen dort jetzt andere. Ich finde es jetzt nicht so tragisch, weil die Autobahngesellschaft immer informiert: „Bleiben Sie auf der Autobahn“, und keine Hinweise gegeben werden, dass man schneller sei, wenn man von der Autobahn herunterfährt. Selbst wenn wir wissen, dass das schneller ist, wird es nicht angezeigt. (Minister Winfried Hermann) Damit sollen die Kommunen gerettet werden. Denn klar ist: Wenn dransteht: „Sie kommen schneller nach Stuttgart, wenn Sie durch Pforzheim fahren“, dann gilt diese Information vielleicht fünf Minuten. Nach fünf Minuten ist Pforzheim verkehrlich dicht, und dann geht es eben nicht mehr schneller, und dann ist auch Pforzheim „geflutet“.
