Theresa Gröninger
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste hier vor Ort und an den Bildschirmen! Ich muss sagen, lieber Herr Stahmann, lieber Herr Herold, es hat sich so ein bisschen angehört wie: Wir brauchen Ideen, wir brauchen am Ende wahrscheinlich einen Arbeitskreis, (Abgeordneter Volker Stahmann [SPD]: Wir haben Ideen! Ich habe Sie doch gerade genannt! Wir sind innovativ!) und wenn es dann zur Chefsache wird, dann ist das Problem erst recht richtig groß. Wenn wir uns das angucken, dann hat Herr Schäck das gerade sehr, sehr deutlich gesagt: Wir verlieren keine x-beliebige Messe, sondern es war tatsächlich ein europäisches Flaggschiff einer Zukunftsbranche. Ich weiß selber, wie doll die Space Tech Expo Europe mit und für Bremen in diese Branche hineingestrahlt hat, in die gesamte Wirtschaft in Bremen. Ich habe am Wochenende überlegt: Was ist denn ein gutes Bild? Was kann man denn vermitteln, was bedeutet der Verlust? Ich habe Karten gespielt, und ich bin der festen Überzeugung, mit der Space Tech Expo Europe hatten wir einen super Joker in der Hand. Den müssen wir nun abwerfen, und das ist am Ende schädlich für den Spacestandort Bremen. Um das ganze Thema Raumfahrt ist in den letzten Jahren, insbesondere in den letzten drei Jahren, ein riesiges Wettrennen entstanden. Ich meine, wir haben alle sehr geschmunzelt, als Markus Söder mit der Bavaria One aufgetaucht ist während Corona. Es sind die Bundesländer, es sind aber auch die Kommunen. Das heißt, NRW guckt da drauf: Wie kann ich SpaceUnternehmen ansiedeln? Sachsen guckt da drauf: Wie kann ich SpaceUnternehmen ansiedeln? Das Saarland guckt da drauf: Wie kann ich SpaceUnternehmen ansiedeln? Es ist am Ende ein Wettrennen geworden, und Bremen muss seine Hausaufgaben machen, um am Ende auch Spacehauptstadt zu bleiben. Da ist der Verlust der Space Tech Expo Europe tatsächlich etwas, was ein Problem darstellen kann. Wenn wir im internationalen und im nationalen Wettbewerb bestehen wollen, dann brauchen wir mehr als gute Standortfaktoren, denn Zufälle und Traditionen reichen am Ende nicht aus. Da reicht am Ende auch kein Patriotismus. Da brauchen wir vor allen Dingen auch Erreichbarkeit – Erreichbarkeit per Bahn, Erreichbarkeit per Auto. Wir stehen aktuell so viel vor den Brücken im Stau. Wir brauchen Erreichbarkeit mit dem Flugzeug. Das ist tatsächlich ein Faktor, wonach auch Messeaussteller ihre Standorte auswählen. Dann habe ich mir angeguckt: Welche Städte sind denn vergleichbar? Weil man immer gesagt hat, Messen sind überall immer ein Defizitgeschäft. Das ist mitnichten der Fall. Nürnberg ist größentechnisch tatsächlich vergleichbar mit Bremen. Die sind mit der Spielwarenmesse dort gewachsen. Die haben vor Jahren erkannt, dass die Überlebensstrategie ist, mit der Messe mitzuwachsen, stetig wieder hinein zu investieren, um keinen Investitionsstau entstehen zu lassen. Das ist auch etwas, was wir uns in Bremen überlegen müssen. Was ist unsere Strategie? Was wollen wir mit unserem Messestandort? Wollen wir investieren, oder wollen wir uns was anderes überlegen? Ist es wirklich die Nischenrolle, die wir spielen wollen und wo wir kreativ werden müssen? Das ist tatsächlich eine Frage, die wir, glaube ich, nicht hier, sondern in der Deputation für Arbeit und Wirtschaft werden diskutieren müssen. Der Joker ist abgeworfen. Es kommt darauf an, wie die nächste Karte aussieht oder ob man zuschaut, wer am Tisch gewinnt. Ich würde mich sehr dafür interessieren, dass wir mal eine Runde spielen, gewinnen und Bremen wieder strahlen kann. – Vielen Dank! (Beifall CDU)
