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Hetav Tek

CDU 17.03.2026 Sitzungen 21/34

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleg:innen! Wenn wir heute über Kinderund Jugendfarmen sprechen, dann sprechen wir über Einrichtungen, die ein unverzichtbarer Bestandteil der offenen Kinder- und Jugendarbeit sind – Orte, an denen Kinder und Jugendliche Verantwortung übernehmen, Gemeinschaft erleben und Selbstwirksamkeit erfahren. Wir sprechen über Einrichtungen, die auf dem Papier und in politischen Debatten von der Koalition geschätzt werden und die dem Senat – ich zitiere – „ein besonderes Anliegen“ sind. Doch diese Wertschätzung zeigt sich in der Realität vor allem in einem: der jahrelangen Unterfinanzierung. (Abgeordnete Sandra Ahrens [CDU]: Kürzungen!) Die Antwort des Senats auf die Große Anfrage der FDP macht deutlich, dass die bisherige Förderung nicht ausreicht. An mehreren Standorten mussten Angebote heruntergefahren werden, und nun lobt sich heute, aber auch morgen, die Koalition dafür, dass sie im Haushalt 200 000 Euro zusätzlich für die Farmen bereitstellt und wird sich vermutlich wundern, dass die Träger dafür nicht Spalier stehen und auch nicht Konfetti regnen lassen. Herr Hassanpour, die abzulenken, indem Sie sagen, „was wäre, wenn die CDU“, ist unredlich und hilft auch nicht der Debatte, aber ich sage Ihnen, was passiert, wenn die CDU in Regierungsverantwortung kommt: Wir sind in der Lage, Prioritäten zu setzen. (Beifall CDU – Zuruf Abgeordneter Tim Sültenfuß [Die Linke]) Gute Arbeit, liebe Kolleg:innen der Koalition, entsteht nicht durch kurzfristige Rettungsaktionen wie die 200 000 Euro, die Sie jetzt im Haushalt einstellen. Gute Arbeit braucht gute und verlässliche Rahmenbedingungen. Die Realität ist aber: Geld wird immer wieder in letzter Minute irgendwie, irgendwo und irgendwann bereitgestellt, gerade so viel, dass es zur Überbrückung ausreicht, und ausgerechnet diese Koalition nimmt in Kauf, dass die Beschäftigten der Kinder- und Jugendfarmen unter unsicheren und weniger verlässlichen Bedingungen arbeiten müssen. Damit sind wir aber noch lange nicht am Ende der Fahnenstange: Im Zuge der aktuellen Planungskonferenzen entstehen neue Unsicherheiten – eine Sorge, die sich exemplarisch an der Kinder- und Jugendfarm in Habenhausen zeigt. Dort wird im Rahmen der neuen Fördersystematik darüber diskutiert, die bisherige institutionelle Förderung durch Projektförderung zu ersetzen. Es entsteht der Eindruck, als würde man eine Jugendfarm behandeln wie ein zeitlich begrenztes Freizeitangebot, die ihre Arbeit mit Projektmitteln nebenbei organisiert; aber die Frage der Finanzierung ist nicht nur eine Frage der Jugendarbeit, sie ist auch eine Frage der Bildungspolitik. Ganztag heißt auch Raum für Orte wie Jugendfarmen, Sportvereine oder Jugendarbeit. Sehr geehrter Herr Senator Rackles, Sie verstecken sich hinter Ihrer Kollegin Frau Senatorin Schilling, aber ich sehe Sie, (Heiterkeit SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und ich sehe auch Sie in der Verantwortung und die Verantwortung Ihrer Behörde, denn die Kinder- und Jugendfarmen sind für viele Schulen bereits jetzt längst wichtige außerschulische Lernorte. Während sie genutzt werden, wird der größte Teil dieser Arbeit aus den Mitteln der Kinder- und Jugendarbeit getragen. Wenn Sie den Ganztag wirklich ernst nehmen, sehr geehrter Herr Senator Rackles, dann dürfen Sie nicht ausschließlich schulisch denken. Kinder und Jugendliche brauchen auch außerhalb der Klassenzimmer Lernund Erlebnisorte, und die Kinder- und Jugendfarmen sind solche Orte. Deshalb sollten wir sie nicht als Ergänzung für die Ferien betrachten, sondern als Partner im Ganztag unter der Woche. Der Ganztag muss ein Zusammenspiel zwischen Bildung und Jugendhilfe sein, und dieses Zusammenspiel muss sich auch in der Finanzierung widerspiegeln. (Abgeordnete Sandra Ahrens [CDU]: Ja, nach 15 Jahren wäre es endlich mal Zeit!) Es braucht einen gemeinsamen Fördertopf für die Kinder- und Jugendfarmen, vor allem getragen von Bildung und Soziales, aber auch von Umwelt. Ein solcher Fördertopf könnte es den Trägern ermöglichen, gezielte Angebote für den Ganztag zu entwickeln und Kooperationen für Schulen aufzubauen, denn wir dürfen nicht unterschätzen, dass es eine besondere Herausforderung ist, zwei pädagogische Herangehensweisen herbeizubringen: Schule, ein strukturierter, verzweckter, verpflichtender Raum, und auf der anderen Seite die Kinder- und Jugendarbeit, geprägt von Freiwilligkeit, Selbstbestimmung und offener Beteiligung. Gerade deshalb macht es einen Unterschied, ob die Schulen Angebote einkaufen oder ob die Träger Angebote konzipieren aus ihrer freiwilligen pädagogischen Logik heraus. Das bedeutet erstens eine verlässliche finanzielle Unterstützung für Kinder- und Jugendfarmen, zweitens eine Fördersystematik, die stabile Strukturen stärkt, statt sie unter Druck zu setzen und drittens einen Ganztag, der außerschulische Lernorte bewusst einbindet. – Vielen Dank! (Beifall CDU)

Alle Reden von Hetav Tek Protokoll (PDF) ↗