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Ole Humpich

FDP 19.08.2025 Sitzungen 21/26

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Was auf dem Gelände der Bremer Galopprennbahn passiert ist, oder besser gesagt nicht passiert ist, ist schlicht und ergreifend eine Frechheit. Seit Jahren wird den Bürgerinnen und Bürgern etwas vorgemacht: Schöne Bilder, große Versprechen – in Wahrheit aber haben wir nichts weiter als eine der größten Brachflächen in Bremen. (Beifall FDP – Zuruf Abgeordnete Selin Arpaz [SPD]) Der Sprecher des Bauressorts sagte dazu: „Die Entwicklung erfolgt schrittweise, und die zeitliche Perspektive ist abhängig von der Finanzierung und der Abstimmung der einzelnen Ressorts.“ Es gehe weniger um die Fertigentwicklung als um einen Park, der „im Werden sein darf“. Man Damen und Herren, blumige Worte, die in Wahrheit doch blanker Hohn sind. Denn das ist kein Park im Werden, das ist Stillstand, und zwar Stillstand, der Bremen Millionen kostet und weiterhin kosten wird. (Beifall FDP) Selbst in zwanzig Jahren wird es dort keine Sportplätze, keine Multifunktionshallen oder sonst etwas geben, was im Rahmen des Beteiligungsprozesses in Aussicht gestellt wurde. (Abgeordnete Sofia Leonidakis [Die Linke]: Was dachten Sie denn, dass es das für lau gibt?) Bremen braucht keine leeren Versprechen, sondern eine sichtbare Nutzung oder erst einmal eine Nutzungsperspektive für das Areal. Die Entwicklung des Areals in der Vahr stagniert seit Jahren. Nur in einem waren Sie schnell: im Schaffen von Fakten und im Geldausgeben. (Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]: Genau!) 4 Millionen Euro, um den Golfplatz plattzumachen, ohne Not. Das sind nur die offiziellen Zahlen, abgesehen davon, dass der Senat vor Jahren das Gelände für Millionen abgekauft hat, damit bloß dort nicht extern gebaut werden kann. Verträge, die von heute auf morgen geändert wurden und Geld für ein Fußund Radweg quer über das Gelände, ohne dass die Fläche wirklich genutzt wird. Währenddessen wurde der Pferdesport, der stets mit dem Senat kooperiert und das Gelände für einen Appel-und-Ei-Preis an den Senat verkauft hat – Traditionssport mit über 100 Jahren Geschichte in Bremen –, eiskalt ausgesperrt. Das, meine Damen und Herren, ist schlicht und ergreifend bodenlos. (Beifall FDP) Dabei müssen wir gar nicht weit schauen, was mit politischem Willen und gestärktem Rücken eigentlich möglich ist. In Cuxhaven zieht jedes Jahr, wie am Wochenende, das Wattrennen rund 15 000 Besucherinnen und Besucher an – ein Volksfest, bei dem selbst der niedersächsische Ministerpräsident, seines Zeichens SPD-Mann, vor Ort ist. In Quakenbrück gibt es seit Jahren ein sogenanntes Jedermannrennen. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, örtliche Bäckereien und Fleischereien sorgen für die Verpflegung. Rund 10 000 Menschen kommen jedes Jahr zusammen. (Zuruf Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]) Es ist das Highlight des Jahres. Wenn also Cuxhaven und Quakenbrück solche Erfolge feiern können, warum bitte soll Bremen das nicht auch schaffen? Wir haben die Fläche, wir haben den Rennverein, wir haben die Tradition und wir haben die Menschen, die mit Herzblut dabei sind. Nur dem Senat fehlt der Mut, die Dinge endlich in die Hand zu nehmen. Stattdessen: Vertrösten, Verschieben, Verträumen. Wir als FDP sagen ganz klar: Das darf so nicht weitergehen! (Beifall FDP) Der Bremer Rennverein muss an dieser Galopprennbahn so schnell wie möglich, am besten sofort, wieder Rennen austragen können. Aber es gibt auch andere Freizeitangebote, die dort sehr wohl möglich wären und auch schon längst Realität sein könnten. (Abgeordnete Katharina Kähler [SPD]: Die finden doch statt!) Zum Beispiel wäre es toll, wenn dort die Galopprennbahn mit Leben gefüllt werden könnte, mit Sommerkinos, Bauernmärkten, Konzerten oder auch Sportveranstaltungen, die nicht nur einmal durch Glück und durch Investitionen von privaten Anbietern nach Bremen kommen. Viel wichtiger: Wir brauchen Ehrlichkeit und einen klaren Zeitplan, wie Sportanlagen und eine Multifunktionshalle endlich umgesetzt werden sollen, statt immer nur weiter neue Ausreden. Meine Damen und Herren, die Galopprennbahn ist keine Nebensache. Sie ist ein Herzensprojekt für viele Bremerinnen und Bremer, auch, das werden Sie merken, für mich persönlich. Sie steht für Sport, für Gemeinschaft, für Kultur. Sie hat das Potenzial, wieder ein echtes Aushängeschild für Bremen zu sein – aber nur, wenn wir, wenn Sie endlich handeln, nicht weiter die Bürgerinnen und Bürger vertrösten und weiter dafür sorgen, dass dort außer dem Grünen Klassenzimmer und ein, zwei Veranstaltungen im Jahr nichts weiter passiert und diese Brachfläche bleibt. (Abgeordnete Katharina Kähler [SPD]: Das stimmt doch schlicht und ergreifend nicht. Die finden doch statt!) Wir wollen nicht weiter die Zeit zurückdrehen. (Abgeordnete Dr. Henrike Müller [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Doch, Sie wollen die Zeit in vielen Fällen zurückdrehen!) Die Galopprennbahn sollte weiterhin ein offenes Gelände für alle sein, mit sportlicher und gesellschaftlicher Aktivität und Attraktivität. Sehr geehrte Damen und Herren, die Galopprennbahn ist mehr wert als schöne Worte und „Park im Werden“. Sie verdient eine Zukunft und wir als FDP werden dafür weiterhin kämpfen. (Beifall FDP)

Alle Reden von Ole Humpich Protokoll (PDF) ↗