Theresa Gröninger
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste, liebe Vertreter des bremischen Schaustellerverbandes! Auch ich bin schon sowohl auf dem Freimarkt als auf dem Weihnachtsmarkt verabredet und großer Fan. Die Positionen der CDU zum Thema Sicherheit sind hier gut bekannt, deswegen konzentriere ich mich auf das Wesentliche: Wir alle profitieren von einem friedlichen Freimarkt, wo die Bremerinnen und Bremer eine sorglose Zeit in Sicherheit haben können, denn nur, wo Menschen sich wohlfühlen und sicher fühlen, halten sie sich auf, verbringen Zeit und genießen die vielfältigen Angebote. Es wäre fatal für unsere Gesellschaft, wenn die Menschen sich nicht mehr treffen, miteinander feiern und Fahrgeschäfte fahren können und sich vor lauter Angst in den Wohnungen verkriechen. Seit Solingen ist diese Angst in unseren Köpfen, und es ist unsere Aufgabe, Sorge dafür zu tragen, diese Angst wieder klein zu machen. (Beifall CDU) Wir haben dem Messerverbot in der Deputation zugestimmt, und wir werden auch hier dem Antrag der FDP zustimmen, der noch weitreichender die Sicherheit der Freimarktbesucher schützen möchte. Aber nicht nur die Sicherheitslage bedroht den florierenden Freimarkt: Wir diskutieren hier in dieser Debatte auch über vermeintlich gut gemeinte, aber schlecht umgesetzte Mehrweggebote. In der letzten Legislaturperiode voller Einigkeit beschlossen, hat die Zeit gezeigt, dass das Mehrweggebot insbesondere bei den Großveranstaltungen wie Freimarkt, Osterwiese oder Weihnachtsmarkt alles teurer, vieles komplizierter und einiges einfach nicht mehr wirtschaftlich macht. Einig sind wir uns alle, dass wir Ressourcen schonen müssen, um die Umwelt zu schützen. – So weit sind wir d’accord. Sogar die Schausteller ziehen mit, denn auch sie haben die Bedeutung von Umweltschutz verstanden und möchten diesen vertreten. Im Rahmen einer Selbstverpflichtung haben sie alle Speisen geprüft und alternative nachhaltige Darreichungsformen erarbeitet. Sie geben an, dass circa 80 Prozent aller Speisen ohne Einweggeschirr auskommen, darunter auch das beliebte Kräutersteak. Dass man Champignons mit Knoblauchsauce oder Currywurst nicht in zwei Händen essen kann, das dürfte doch wohl selbstverständlich sein. So weit so gut, aber das in der letzten Legislaturperiode beschlossene Mehrweggebot zeigt in der Praxis erhebliche Probleme. Ich möchte mit Ihnen über die Pommes-Preis-Schmerzgrenze sprechen, denn wir können jetzt alle einmal mitrechnen: Was ist der höchste Preis auf dem Freimarkt, den wir für Pommes mit Mayo bezahlen würden? Nehmen wir an, die Preise vom letzten Jahr bleiben stabil, mein Lieblingspommesladen nimmt 4,50 Euro. Jetzt muss der Lieblingspommesladen Mehrwegteller anschaffen. – Der Preis steigt. Diese Mehrwegteller lohnen sich nach Aussage von Frau Staatsrätin Strebl ab 85 Umläufen, aber nimmt man die Osterwiese zum Vorbild, kommen leider nur 48 Prozent der Mehrwegteller zurück. 85 Umläufe sind zusätzlich auch für den stabilsten Mehrwegteller ein tüchtiger Belastungstest, den nur die wenigsten unbeschadet überstehen, wenn es, in Körben gestapelt, zur Spülmaschine über Stock und Stein geht. Der Preis steigt. Dann muss ich irgendwo mehr Mehrwegteller lagern, um dem Hunger der Bremerinnen und Bremer auf Pommes zu begegnen. Entweder muss ich also meinen Wagen oder Stand größer machen, oder ich muss irgendwo in der Nähe Lagerfläche haben, wo ich das Geschirr lagern kann. – Einweggeschirr ist deutlich platzsparender: Der Preis steigt. Dann brauche ich mindestens eine Person, die sich durch die Freimarktbesucher drängelt, um zu zentralen Spülmaschinen zu kommen, das Geschirr hin- und herträgt und ab und zu neue Teller aus dem noch zu findenden Lagerplatz abholt: Der Preis steigt. Diese Arbeitskräfte finde ich nicht, also muss ich einen saftigen Stundenlohn zahlen: Der Preis steigt. Jetzt wurden die Standpreise laut Bericht im „Weser-Kurier“ verdoppelt und laut den Schaustellern vervierfacht. – Der Preis steigt. Die Frage, die Sie sich selbstkritisch stellen müssen: Ab welchen Preis würden Sie auf Pommes auf dem Freimarkt verzichten, und knacken Sie mit dem Mehrweggebot Ihre Pommes-Preis-Schmerzgrenze oder nicht? Ich wette, sie wird geknackt. (Beifall CDU) Zusätzlich kann ich mit meinen Pommes nicht weiterlaufen und bin am Stand gebunden, dass verstopft den Umlauf auf dem Freimarkt. Im „WeserKurier“ vom März dieses Jahres hat die Vorsitzende des bremischen Schaustellerverbands, Susanne Keuneke, von einer Preissteigerung von 1,50 Euro pro Portion Pommes gesprochen. Das ist sicher ein realistischer Wert. Wie wäre es also? – Eine Portion Pommes für sechs Euro? Machen Sie sich damit ehrlich: Soziale Teilhabe auf dem Freimarkt wird so nicht einfacher. (Beifall CDU) Da hilft auch die Freikarte nicht! (Beifall CDU) Es macht einen Unterschied, ob man 1,5 Millionen oder 500 Gäste bedient. Wir brauchen ein vielfältiges und differenziertes Angebot und müssen überprüfen, ob das Mehrweggebot wie, wo und in welcher Form angewendet werden kann, sodass Ökologie, Wirtschaftlichkeit und vor allen Dingen auch soziale Teilhabe in Einklang gebracht werden können. (Beifall CDU) Das Mehrweggebot bedeutet hohe Kosten und deutlich erhöhten Aufwand, da kann der Bürgermeister Bovenschulte noch so viele Spülmaschinen mit Pressekameras im Schlepptau in Betrieb nehmen. Damit Sie uns hier heute nicht vorwerfen, wir seien Klimasünder, liebe Koalitionäre: Das sind wir nicht. Ich habe ein paar Fakten mitgebracht: Ein Abend auf einem Volksfest verbraucht weniger Energie als ein Abend zu Hause auf der Couch, besagt eine Studie vom Oldenburger Kramermarkt. (Abgeordnete Dr. Henrike Müller [Bündnis 90/Die Grünen]: Ach, Überraschung vom Kramermarkt!) Der durchschnittliche Verbrauch dort war um circa 0,4 Kilowattstunden niedriger als zu Hause. Bei 1,5 Millionen Freimarktbesuchern kann die eingesparte Energie eine LED-Glühbirne mit zehn Watt 6,8 Millionen Tage versorgen, oder man fährt mit einem durchschnittlichen Elektroauto 100- mal um die Welt. Aus einem Liter Altfett werden 0,9 Liter Kraftstoff gewonnen. 2021 wurden auf dem Freimarkt 6 475 Kilo Altfett entsorgt, das sind 7 200 Liter Biodiesel. Damit kann ich mit meinem Passat circa fünfmal um die Welt fahren oder ein durchschnittliches Einfamilienhaus zwei bis drei Jahre heizen. Wenn ich mich auf dem Weihnachtsmarkt und dem Freimarkt so umschaue, dann entdecke ich viele regionale Anbieter, vermutlich mehr, als bei einem Supermarkt ihre Produkte anbieten. Es gibt noch mehr Beispiele. Die Teilnahme an einem Volksfest lohnt sich also auch aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten. Ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Die Lust, von Mehrwegtellern zu essen, ist mir vergangen, als ich auf der Breminale sah, wie ein Mann von einem Foodimbiss die Teller mit einem Gartenschlauch abspülte und im Gras zum Trocknen auslegte. (Heiterkeit CDU – Beifall CDU) Davon gibt es sogar Bildmaterial. So, wie es war, wollen Sie es nicht, so, wie Sie es geplant haben, funktioniert es nicht, also nutzen Sie die Zeit, die Ihnen unser Antrag gibt, und denken Sie einfach noch einmal darüber nach! – Vielen Dank! (Beifall CDU)
