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Bettina Hornhues

CDU 17.09.2024 Sitzungen 21/17

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! Die FDPFraktion hat heute die Situation der 270 Schülerinnen und Schüler in Bremen-Nord, die Schüler der Oberschule Borchshöhe, in dieser Aktuellen Stunde auf die Tagesordnung gehoben. Deren Schulalltag ist seit Wochen auf den Kopf gestellt. Der Grund – wir hörten es eben bereits –: ein Wasserschaden in den Schulcontainern der Oberschule Borchshöhe, der bereits in den Sommerferien auftrat und die Klassenräume aufgrund von Kontamination unbenutzbar macht. Seitdem hat sich das Leben dieser Schülerinnen und Schüler und ihrer Familien dramatisch verändert, und eine ausreichende Lösung scheint nicht in Sicht. Fünf Wochen sind seit Schulbeginn vergangen, und diese Kinder bekamen täglich nur 2,5 Stunden Unterricht. Rechnen wir der Einfachheit halber einmal mit 30 Wochenstunden Unterricht im Durchschnitt pro Kind pro Kopf pro Woche, fehlen jedem einzelnen Schüler bereits fast 100 Unterrichtsstunden, und täglich werden es mehr. Vor allem den Schülerinnen und Schülern, die in diesem Jahr einen MSA-Abschluss machen oder den Übergang in die Sekundarstufe II anstreben, fehlt wichtiger Unterricht. Das ist nicht hinnehmbar, das darf nicht hinnehmbar sein! (Beifall CDU, FDP) Die Fragen, die wir uns stellen müssen, sind dringend und drängend: Wie sollen die betroffenen Schülerinnen und Schüler unter diesen Bedingungen den Abschluss machen? Wie sollen die Schülerinnen und Schüler diese Lerndefizite aufholen? Es geht hier nicht nur um die Gegenwart, sondern auch um die Zukunft von 270 Schülerinnen und Schülern, von jungen Menschen. (Beifall CDU) In einer ohnehin schon herausfordernden Lebensphase fehlt ihnen ein erheblicher Teil der schulischen Förderung. Wenn schon keine Räumlichkeit für vollen Unterricht zur Verfügung steht, warum haben die Lehrkräfte nicht, wie schon bei Corona erprobt, sofort auf digitalen Unterricht umgestellt? Wenn die Kinder schon nach Hause geschickt werden müssen und dies eine zusätzliche Herausforderung für die Eltern darstellt, dann hätte die Zeit effektiv genutzt werden müssen – Zeit, die nun leider verschenkt wurde. Was machen eigentlich die Lehrer, wenn sie nur 2,5 Stunden täglich unterrichten? Sie haben weiterhin den Anspruch, qualitativ hochwertigen Unterricht zu geben. – Aber wie sollen sie das umsetzen? Haben sie in der Vergangenheit Vertretungsunterricht an anderen Schulen gegeben? Es ist nicht nur ein Problem für die Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte, die in einem System arbeiten, das ihnen zurzeit keine adäquaten Mittel zur Verfügung stellt. Wie sollen sie unter diesen chaotischen Bedingungen planen und unterrichten? Es ist mehr als berechtigt, hier einige wichtige Fragen an den Senat zu richten: Was gedenken Sie zu tun, Frau Aulepp, um diese katastrophale Situation zu beheben? Haben Sie eine klare Strategie, wie die entstandenen Lernlücken wieder geschlossen werden können? Haben Sie Pläne, wie die Schüler die Defizite aufholen sollen, die durch diese wochenlange missliche Lage bisher entstanden sind? Noch eine entscheidende Frage: Glauben Sie wirklich, dass es diesen Schülerinnen und Schülern unter den gegebenen Bedingungen möglich ist, ihre Prüfungen zu bestehen oder erfolgreich in die gymnasiale Oberstufe zu wechseln? Auch die Eltern stehen vor immensen Herausforderungen. Es sind nicht nur die längeren Schulwege und die verkürzten Unterrichtszeiten, die ihnen zu schaffen machen. Ich bin ja schon einmal froh, dass die erste Lösung, die mit dem Schulzentrum Alwin-Lonke-Straße angestrebt wurde, erst einmal vom Tisch ist. Dort wäre der Schulweg für die Kinder über zwei Stunden am Tag gewesen, ein Weg, der vor allem für jüngere Kinder eigentlich viel zu lange dauert und zu schwierig ist. Mir stellt sich nur die Frage, warum man nicht nach anderen Alternativen gesucht hat. Ich weiß zum Beispiel, dass die Strandlust immer noch leer steht, auch noch nicht abgerissen ist, dort hätte man sicherlich auch die eine oder andere Klasse unterbringen können. (Beifall CDU) Unglücksfälle wie hier der mit dem Wasserschaden geschehen, aber der Senat steht in der Verantwortung, eine Lösung für diese Situation zu finden. Es ist nicht akzeptabel, dass die Schüler weiterhin in so unzulänglicher Weise unterrichtet werden. Was gedenken Sie also zu tun, um den Schülern zu helfen, die entstandenen Lernlücken zu schließen? Wie wollen Sie sicherstellen, dass die betroffenen Schülerinnen und Schüler dieses Jahr ihren Abschluss machen? Die Kinder haben ein Recht auf Bildung, und das Versäumnis, ihnen dieses Recht zu gewähren, wird gravierende Folgen für ihre Zukunft haben. Der Senat muss jetzt handeln, bevor es zu spät ist. Es geht hier nicht nur um das Versagen in einer konkreten Situation, sondern um eine grundsätzliche Frage: Wie ernst nehmen wir die Bildung unserer Kinder in unserem Bundesland? Wie ernst nehmen wir die Zukunft unserer Gesellschaft? Wenn wir zulassen, dass Bildung zu einer Nebensache wird, wenn wir es tolerieren, dass Schülerinnen und Schüler in einer wichtigen Phase ihres Lebens im Stich gelassen werden, dann versagen wir als Gesellschaft. Das können wir uns nicht leisten. – Vielen Dank! (Beifall CDU)

Alle Reden von Bettina Hornhues Protokoll (PDF) ↗