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Philipp Bruck

GRÜNE 26.08.2026 Sitzungen 21/36

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleg:innen! Wir Menschen sind in etlichen Fällen direkt dafür verantwortlich, wenn Tiere Schaden nehmen, weil wir Häuser bauen, weil wir Gebiete bebauen, wo vorher Natur war, wo vorher Lebensräume von Wildtieren waren, weil wir an diesen Gebäuden Glasscheiben haben, gegen die Vögel fliegen, durch den Straßenverkehr, in dem etliche Tiere sterben, weil wir Wildtiere auch direkt bejagen, durch die Klimakrise, auch durch Windenergieanlagen, durch Haustiere, durch Pestizide. Deswegen ist es neben einer Wildtierstation auch wichtig, dass wir natürlich auch all diese weiteren Einflüsse auf die Natur und auf Wildtiere so gering wie möglich halten. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, Die Linke) Unsere Eingriffe in die Natur und unsere Ausbreitung auf diesem Planeten sind so dramatisch, dass von den natürlichen Lebensräumen, die es früher einmal gab, nicht mehr viel übriggeblieben ist und damit auch die Zahl der Wildtiere heute nur noch ein Bruchteil derer ist im Vergleich zu vor 200 Jahren. Natürlich ist schon das ein Problem für den Artenschutz und unsere Ökosysteme, und auch deshalb ist die Versorgung von verletzten, hilflosen und kranken Tieren auch im Bundesnaturschutzgesetz geregelt, und viele der Tierarten, die heute bereits zum Beispiel vom Bremer Tierheim versorgt werden, stehen auch auf der Roten Liste für gefährdete Arten wie Feldhase oder Fledermaus oder auf der Vorwarnliste wie Kaninchen und Igel. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns um diese Tiere kümmern. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD) Unsere Verantwortung endet aber nicht da, wo wir sicher sein können, dass die Art erhalten bleibt und das Ökosystem funktioniert, sondern angesichts dieser krassen Eingriffe in das Leben von Wildtieren haben wir auch eine Verantwortung gegenüber den Individuen. In den meisten Fällen, wenn wir sie irgendwo entdecken, sind wir als Menschen auch direkt irgendwie schuld, und wir müssen uns immer wieder klar machen, egal, ob das ein Igel ist oder eine Ente, ein Eichhörnchen oder eine Fledermaus: Diese Tiere kennen auch Schmerzen, auch diese Tiere können leiden. Es gibt sogar Studien, die allen Wirbeltieren eine dem Menschen ähnliche Gefühlswelt zusprechen. Machen Sie sich das einmal für einen Moment bewusst, was das bedeutet, wenn auch die Gans oder das Kaninchen eine grundsätzlich ähnliche Gefühlswelt hat wie wir. Wenn man sich dann vorstellt, wie unsere Welt für diese Tiere aussieht, dann ist es das Mindeste, dass wir uns um diese Tiere kümmern. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD) Das Gute ist, dass wir uns darüber in Bremen seit vielen Jahren total einig sind. (Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]: Sie machen nur nichts!) Das war 2021 so, als das Bremer Tierheim, glaube ich, zum ersten Mal eine Problemanzeige im Tierschutzbeirat eingebracht hat und Silvia Neumeyer und ich uns für das Thema eingesetzt haben. Das war ein Jahr später in der Umweltdeputation so, damals auch noch mit Thore Schäck und dann auch im rot-grün-roten Koalitionsvertrag, wurde schon genannt. Die ganze schöne Einigkeit bringt aber natürlich nichts, wenn es keine Wildtierstationen gibt. Deswegen freue ich mich sehr, dass wir das Thema heute debattieren, dank zweier Initiativen aus der Opposition. Zunächst vielen Dank an die FDP für die Große Anfrage, die die Problemlage noch einmal sehr deutlich gemacht hat. Heute wird das Thema weitgehend privat gelöst, ehrenamtlich, mit Spenden, im Tierheim in Bremen, früher auch in Bremerhaven, in den vielen Aufnahmestellen, wo etliche Ehrenamtliche etliche Stunden und privates Geld investieren, um die Tiere zu versorgen, in den Tierarztpraxen, die sich häufig darum kümmern und natürlich mit allen Einzelnen, die sich kümmern, wenn sie so ein Tier entdecken und nicht einfach weitergehen. Euch und Ihnen allen deswegen vielen, vielen Dank! (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, FDP) Das ist der private Teil. Bei der öffentlichen Versorgung gibt es dagegen noch Lücken, nicht nur die fehlende Wildtierstation, sondern auch, was die Regeln angeht, Abläufe. Auch das hat die Anfrage gezeigt, und das hat der Kollege Humpich gut dargestellt. Deswegen als nächsten Schritt auch vielen Dank an die CDU und insbesondere an Silvia Neumeyer, die das Thema seit Jahren nicht losgelassen hat und die jetzt wirklich einen guten Antrag dazu verfasst hat, um zunächst ein Konzept zu erstellen, Bedarfe zu ermitteln und damit die Grundlage zu schaffen, um dann so eine Station in Bremen und in Bremerhaven realisieren zu können, denn natürlich brauchen wir perspektivisch in beiden Städten eine solche Wildtierauffangstation. Ich hätte heute sehr gern auch einen gemeinsamen Antrag beschlossen, aber das Wichtigste ist, dass wir heute einen Beschluss fassen und damit den nächsten Schritt gehen, wenigstens so ein Konzept zu haben. Denn dass die Realisierung von einer Wildtierstation nicht so leicht wird angesichts der Finanzbedarfe und angesichts der finanziellen Lage unseres Bundeslandes, ist, glaube ich, keine Frage. Keine Frage für mich ist aber auch, dass es die Igel und Enten, die Eichhörnchen und Fledermäuse uns wert sein müssen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD) Zum Schluss noch ein kleiner Exkurs: Viele der Tierarten, die in einer Wildtierstation versorgt werden, unterliegen dem Jagdrecht, und nach geltendem Recht müsste man bei solchen Tieren, wenn man sie findet und aufnehmen will, erst mal die Jagdausübungsberechtigten einbinden, weil denen das Tier quasi gehört. Es wird noch ein bisschen absurder. Wir wollen eine Auffangstation errichten, in der wir Zeit und Geld investieren, um solche Tiere zu versorgen, zu pflegen und wenn sie wieder fit und gesund sind, wieder auszusiedeln, und diese Tiere könnten dann direkt danach von Jäger:innen in Bremen ganz legal geschossen werden. (Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Das machen sie ja nicht! So fair muss man sein!) Das machen sie natürlich nicht, aber das zeigt trotzdem auf, welche Absurditäten das aktuelle Jagdrecht hat. Dazu gehören die Tiere, wo ich sowieso schon sagen würde, es gibt eigentlich keinen Grund, dass man sie ohne Not überhaupt bejagen darf. Aber richtig absurd ist, wenn es dann auch noch um Tierarten geht, die auf der Roten Liste stehen, wie Feldhase, Silbermöwe, Krickente oder Pfeifente, die auch bisher noch in Bremen bejagt werden dürfen. Deswegen wäre es richtig, dass wir neben der Wildtierstation auch das Jagdrecht anpassen und wenigstens all die Arten, für die es keine ganz zwingenden Gründe für die Bejagung gibt, komplett aus dem Jagdrecht herausnehmen. – Vielen Dank! (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD)

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