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Ralph Saxe

GRÜNE 22.04.2026 Sitzungen 21/33

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Ich danke der FDP und der CDU ausdrücklich, dass sie dieses Thema erneut auf die Tagesordnung gesetzt haben. Man kann sich, glaube ich, gut mit solchen gesundheitlichen Themen beschäftigen, wenn man eine Betroffenheit entwickelt, weil man selber was erlebt hat oder weil man es zumindest direkt bei seinen Angehörigen, Freunden und Bekannten erlebt. So löst das dann ein stärkeres Verständnis aus, was das eigentlich für eine Krankheit ist. Diese Krankheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe geworden. Man kann sie nicht unbedingt verhindern, aber man kann sie verzögern und man kann auch versuchen, sie so gut wie möglich mit den Betroffenen, mit den Angehörigen zu bewältigen. Der Antrag hat zu Recht die Strukturen adressiert, die wir hier in Bremen haben. Wir haben die Demenz Informations- und Koordinierungsstelle, die machen einen super Job. Da waren wir ja auch schon alle – nicht miteinander, aber zumindest nacheinander – ein paar Mal und haben mit denen diskutiert. Da steckt eine große Kompetenz hinter, die würden aber gerne mehr machen, das ist auch vollkommen klar. Wir haben es mal gerade hingekriegt, dass das so abgesichert gewesen ist, wie es zu wenig gewesen ist. Da teile ich die Ansicht, dass unsere Ambition sein muss, dass wir mehr hinbekommen. Sie haben zu Recht, finde ich, auch Bremerhaven angesprochen. Das ist auch ein Vorteil dieser Landesfachstelle Demenz, für die ich mich auch ausdrücklich einsetze, dass wir Bremerhaven stärker adressieren können. Wir haben in Bremerhaven einen Pflegestützpunkt, wir haben Seniorentreffs, wir haben ein großes ehrenamtliches Engagement, aber leider nicht mehr. Ich sage mal, was wir hier in Bremen zu wenig haben, das erkenne ich an, das haben wir in Bremerhaven viel zu wenig. Da gibt es nur diese selbstorganisierten Strukturen, die da vorhanden sind. Das ist etwas, was wir, glaube ich, stärken können und wo wir dieses Bewusstsein auch in Bremerhaven stärken müssen. Deswegen ist es gut, dass wir versuchen, eine Landesaufgabe daraus zu machen. Nur ich finde, dass wir die Kommune Bremerhaven nicht aus der Verantwortung rauslassen können. Wir haben hier in Bremen versucht, wie gesagt, mit viel zu wenig Mitteln, etwas hinzubekommen auf kommunaler Ebene. Ich erwarte bei dem Konstrukt, was sich dann entwickelt, ein bisschen, dass die Kommune Bremerhaven auch eine Verantwortung übernehmen wird. Das werden sie hoffentlich tun, nur so kann das am Ende funktionieren. Ich bin sehr froh darüber, dass wir diese Arbeitsgruppe geschaffen haben, wo unterschiedliches, aber sehr viel Know-how drin ist. Die Erwartung, dass die uns jetzt unsere Landesstrategie machen, die ist vielleicht ein bisschen hochgestochen, aber man könnte ja erwarten, dass sie das zumindest unterstützen können durch ihr Know-how, diesen Prozess, zusammen mit einer gestärkten DIKS, das fände ich sehr hilfreich. Ich würde mir auch sehr wünschen – die haben Sie zu Recht angesprochen, die Angehörigen –, dass wir mehr lokal denken. Das heißt, jemand, der demente Angehörige zu Hause pflegt, der geht vielleicht, wenn ihn jemand unterstützt, mal zur DIKS, die man gar nicht so einfach auffinden kann in der Innenstadt, und holt sich dort Rat und überhaupt Zuspruch und Verständnis, was Menschen, die davon betroffen sind, bekommen müssen. Aber eigentlich muss es solche Aufgaben vor Ort geben, weil die Leute gar nicht die Zeit haben, so lange von zu Hause wegzugehen. In meinem Umfeld war jemand, die relativ jung, also mit 65 an Demenz erkrankt ist – –, die konnte man nicht alleine lassen, weil zweimal wirklich das Haus brannte. Aus dem Grunde muss man diese lokalen Sachen stärken. Ich würde die Begrifflichkeit wagen der „doppelten Prävention“. Die eine Prävention ist die, dass wir es möglichst lange schaffen, wie Herr Humpich das zu Recht formuliert hat: Es muss das Ziel sein, dass diese Menschen möglichst lange zu Hause betreut werden. Wenn es diese vielen Menschen nicht geben würde, die mit großer Aufopferung ihre Angehörigen zu Hause pflegen, dann hätten wir noch einen ganz anderen Pflegenotstand in diesem Land und in unserer Stadt. Deswegen ist es Selbstschutz, unsere Pflegestrukturen (Das Saallicht geht aus. – Oh-Rufe) aufrechtzuerhalten. – Wir sollten vielleicht mal ein „Licht“-Schild darüber machen. Dann unterbleiben diese Störungen. (Abgeordnete Sandra Ahrens [CDU]: Ich glaube, dann geht manchen immer noch kein Licht auf in diesem Haus.) Wir müssen diese Angehörigen wirklich stärken. Dann ist ein anderer Bereich der Prävention: Ich habe gesagt, man kann Demenz am Ende nicht verhindern, aber man kann sehr wohl Prävention betreiben, dass sie sehr viel später ausbricht und dass sie sich auch sehr verlangsamt verschärft. Ich glaube, in diese Art von Beratungsstrukturen müssen wir auch kommen. Manche sagen mir nach, dass ich das Fahrrad in jeder Debatte unterbringe, aber ich nenne es mal Bewegung und das Fahrrad gehört irgendwie mit dazu. Bewegung hilft sehr stark dabei, und dann können Sie tatsächlich, wenn Sie zu Fuß laufen oder sich mit einem Zweirad bewegen, Ihr Demenzrisiko um zwanzig Prozent senken. Das ist eine Prävention, die ist verdammt gut adressiert. Ernährung spielt eine große Rolle, – – zu gucken, wie ist es mit dem Cholesteringehalt. Auch soziale Kontakte sind unglaublich wichtig. Ich habe in der Vorbereitung gelesen: Wenn Menschen intensive soziale Kontakte haben, dann sinkt das Demenzrisiko um 38 Prozent. (Abgeordneter Thore Schäck [FDP]: Ja, das stimmt.) Tatsächlich noch besser als Fahrradfahren ist es, viele soziale Kontakte zu haben. Deswegen glaube ich: Am besten macht man alles das. Man guckt auf seinen Cholesterinspiegel, man bewegt sich viel, man ernährt sich gesund, und dann fährt man vielleicht auch noch Fahrrad und geht viel zu Fuß. 5 000 Schritte werden immer wieder angedacht. (Abgeordneter Rainer Bensch [CDU]: 10 000!) Wir haben da noch viel zu tun. Wir haben aber auch die Gruppen anzusprechen, die wir jetzt nur im Ansatz adressieren. Das sind Menschen mit Migrationshintergrund, die vielleicht nicht den Sprachhintergrund haben, den man sich wünschen würde, der dann im Laufe der Erkrankung auch nachlässt. Da müssen wir uns, glaube ich, verstärkt darum kümmern, denn auch aus dem Bereich mit einem migrantischen Hintergrund wird dieses Problem stärker werden. Ich habe auch gesagt, die jüngeren Leute, ich erinnere mich an die Zahl 900, aber da mag man mich nicht darauf festlegen – –, es gibt eben auch unter 60 Jahren sehr viele Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Ich weiß nur von einem Tagesangebot in der Überseestadt, das das adressiert. Da können wir sehr viel mehr machen, und ich wünsche mir, dass das wiederholt wird und am besten noch mehr, was wir letztes Jahr erlebt haben, nämlich die Präsenz der DIKS auf dem Welt-Alzheimertag hier auf dem Marktplatz. Das war ganz toll, um mehr Verständnis zu entwickeln und auch viel mehr Leute zu erreichen. Vielen Dank noch mal für die Initiative, die wir gern unterstützen. Wir beantragen Überweisung zur abschließenden Beratung an die zuständige Gesundheitsdeputation. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, FDP)

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