Klaus-Rainer Rupp
Frau Präsidentin, verehrte Anwesende! Ist schon spannend zu hören, dass, wenn Bremen im letzten Jahr Spitzenreiter im Wirtschaftswachstum war und ein bremisches Unternehmen ein entscheidendes Modul baut, um dieser „Artemis IIMission“ zum Erfolg zu verhelfen und weitere Module schon fertig und andere angekündigt sind, dass das irgendwie schlecht sein soll, dass das trotz der Politik des rot-grünen Senats wahr geworden ist. Man kann natürlich die Augen immer zumachen, kann immer sagen: „Das hat nicht gereicht, da hättet ihr viel mehr machen müssen, dann wäre es noch besser“. Aber ich empfinde das insgesamt als respektlos, sowohl gegenüber den Beschäftigten von Airbus Defence and Space als auch gegenüber diesem Senat, weil die Rahmenbedingungen, das sagen Sie ja richtig, werden durch die Politik gesetzt, und offensichtlich gibt es in Bremen Rahmenbedingungen, in denen so was gedeiht. Der Kollege Herold hat die Liste der Firmen, die Liste der Einrichtungen aufgezählt. Ich finde es unredlich und auch nicht in Ordnung gegenüber den Wählerinnen und Wählern, wenn man diese Dinge einfach nur mit einem Handstreich wegwischt und sagt, das muss man alles viel besser machen, das funktioniert sowieso nicht. Es funktioniert. (Beifall Die Linke, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die „Artemis-Mission“ ist ein Erfolg für den Raumfahrtstandort Bremen, und ich habe Respekt, großen Respekt vor den Leistungen der Ingenieurinnen und Ingenieure, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Airbus, die das hingekriegt haben. Ich arbeite anderswo, nicht in der Raumfahrt, aber ich weiß, wie herausfordernd, wie unglaublich spannend, wie unglaublich schwierig ein solches Projekt ist. Wissen ist vielleicht übertrieben, aber ich habe eine Idee davon, wie viele Menschen planmäßig zur richtigen Zeit das Richtige tun müssen, die richtigen Materialien erforschen müssen. Das ist doch kein Baukasten, den man zusammensetzt und zack hat man ein ESM, ein European Service Module. Das Spannendste ist doch, wir haben diesen Auftrag bekommen, weil die Amerikaner es nicht hingekriegt haben. Wenn das nicht ein Zeichen dafür ist, dass Bremen ein Raumfahrtstandort ist, dass hier Bedingungen herrschen, in denen so was existiert, in denen sich so was entwickelt, weiß ich nicht, was man noch an Beispielen heranziehen sollte. (Beifall Die Linke, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es geht weiter, trotzdem jetzt schon Unkenrufe da sind: „Wenn der Senat so weitermacht, dann wird das vielleicht abgewürgt oder nicht rechtzeitig weiterentwickelt“. Das Gegenteil ist der Fall. Weitere „Artemis-Missionen“ stehen auf der Tagesordnung und das European Service Module ist dabei. Es wurde schon gesagt, das ist ja nicht einfach nur so ein Koffer, den die mitnehmen, sondern das ist ein wichtiger Teil dieser Rakete. Der kommt mit zurück. Der versorgt die Astronautinnen und Astronauten mit Sauerstoff und allem, was sie brauchen, um im All zu überleben. Keine Kleinigkeit. Das geht weiter, und ich bin ziemlich sicher, dass wir auch in anderen Bereichen, beispielsweise in der Satellitentechnik, schon einen Vorsprung haben und dass wir diesen Vorsprung weiter ausbauen werden. Dass es wichtig ist, aus wissenschaftlicher, astrophysikalischer und geophysikalischer Grundlagenforschung noch mal wieder zum Mond zu fliegen, finde ich auch. Ich bin ja ein Kind dieser Ära, wo die ersten Menschen zum Mond geflogen sind. Ich war noch live dabei, als der den ersten Schritt gemacht hat. (Abgeordneter Arno Gottschalk [SPD]: Ich auch!) So. Klar, wir sind alt, aber wir haben diese Euphorie geteilt. Was ich wichtig finde, ist, dass man erkennen muss, welche Möglichkeiten die Menschheit eigentlich hat. Was mich zutiefst ärgert, ist, wenn wir die Kapazitäten, wissenschaftlichen, technischen Ressourcen, Geld, alles und das Know-how der Menschen, viel weniger in die Mühlen stecken würden, uns gegenseitig umzubringen und stattdessen vielleicht solche Forschungen vorantreiben, dann wäre die Menschheit weiter und dann würde die Menschheit auch – –, ja. Das ist eine Alternative, die ich bevorzuge. Ich denke mal, wir sollten darüber nachdenken, dass das so ist. Als Letztes will ich sagen, wir müssen verhindern, dass der Mond zur Ware wird. Den Mond kann man nicht kaufen. Der Mond gehört der ganzen Welt und nicht einzelnen Staaten. Deswegen ist es auch ein Politikum, ob der Mond jetzt zu kaufen ist oder nicht. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall Die Linke, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
