Thore Schäck
Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, beim Thema Raumfahrt und Mondmission lohnt auch noch mal ein Blick zurück in die Vergangenheit. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren kam es zu einem Wettrennen zwischen den USA und der Sowjetunion, zu einem Wettrennen um den Weltraum, und das hat damals viele Menschen weltweit mit einer Faszination für den Weltraum infiziert. Ich erinnere mich, dass auch bei meinen Großeltern im Wohnzimmer über der Couch mehrere Fotos hingen, damals noch grob verpixelt, von verschiedenen Planeten und Galaxien. Das größte Foto war das Foto „Earthrise“, ich weiß nicht, ob Sie das kennen, wo über den Mond hinweg fotografiert wird, wie die Erde als kleine blaue Kugel im Weltall aufgeht, aufgenommen damals von einem Astronauten, William Anders, auf der Apollo-8-Mission, exakt an Weihnachten 1968 übrigens. Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass die Hochzeit der bemannten Mondmissionen schon viele Jahrzehnte zurückliegt. Das war vor allem Mitte der Sechziger- bis Anfang der Siebzigerjahre. Dann in den folgenden Jahrzehnten gab es weitere Mondmissionen, aber die meisten waren unbemannt. Wir haben verschiedene weitere Player gehabt wie Japan, wie Indien, vor allem China, die auch in die Raumfahrt eingestiegen sind. Wer aber sehr wenig mit eigenen Missionen vorkam, war Europa. Aber auch, wenn es Europa damals nicht geschafft hat, mit eigenen Weltraummissionen in Erscheinung zu treten und dieses Feld anderen Nationen überlassen hat, waren wir doch immer dabei – und das haben meine Vorrednerinnen und Vorredner schon gesagt –, wir waren bei diesen Missionen im Weltraum immer dabei durch Unternehmen, die in Europa, die in Deutschland und die insbesondere auch hier in Bremen sitzen. Diese Unternehmen haben Schlüsseltechnologien beigesteuert, ohne die viele dieser Missionen, über die wir heute sprechen, nicht erfolgt wären und nicht erfolgreich hätten durchgeführt werden können. Ich finde, das ist etwas, wofür wir dankbar sein können, worauf wir stolz sein können, und wir müssen diesen Unternehmen hier am Standort, die ihren Beitrag in den letzten Jahren und Jahrzehnten zu den erfolgreichen Missionen geleistet haben – –. Diesen Unternehmen müssen wir hier in Bremen dankbar sein, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall FDP) Als jetzt in den letzten Wochen das Thema Mondmission wieder durch die Medien schwappte, wurde ich angesprochen von jemandem, der sagte: „Warum feiert ihr das eigentlich so ab? Der Mond ist nur ein toter Stein, da gibt es nicht viel zu holen, warum ist das so interessant?“ Das ist so halb richtig, aber auch halb falsch. Der Mond ist wichtig als Zwischenstation oder auch als Absprungbasis für weitere Missionen in den Weltraum. Das wird ohne den Mond und zukünftig vielleicht auch irgendwann ohne eine Mondstation schlichtweg nicht funktionieren. Der Mond ist zweitens wichtig, weil er einen ungetrübten Blick in den Weltraum ermöglicht, ungetrübt durch eine Atmosphäre. Man kann dort also viel breiter und viel tiefer den Weltraum beobachten, als es von der Erde aus geht. Es gibt noch ein drittes Thema, und das ist für die Energieversorgung der Erde in Zukunft vielleicht von Relevanz, nämlich das Thema Helium-3. Helium-3 hat sich auf der Erde kaum angesammelt, weil es durch das Magnetfeld abgesondert wird. Auf dem Mond gibt es das aber in der Form nicht, und dort hat sich sehr viel Helium-3 angesammelt. Man schätzt, dass drei Tonnen Helium-3 ausreichen, um den Energiebedarf der gesamten USA für ein komplettes Jahr zu decken. Es hätte also das Potenzial, auch fossile Brennstoffe, die wir heute noch brauchen, auf die wir angewiesen sind, zu ersetzen. Wir haben aber auch gehört, es geht gar nicht nur um Mondmissionen, es geht auch um Satellitentechnik. Und so wie jede Technik kann auch diese Technik für schlimme Dinge verwendet werden, beispielsweise, um Angriffskriege zu führen, sie kann aber auch für gute Dinge verwendet werden, beispielsweise, um Klimaveränderungen zu dokumentieren, um Küstenveränderungen zu dokumentieren, um Menschen frühzeitig vor Naturkatastrophen zu warnen, um Navigation ins Auto zu bringen, oder, was wir jetzt in den letzten Jahren verstärkt erleben, um selbst die entlegensten Ecken der Welt auch ans Internet anzubinden, was ohne Satellitentechnik kaum möglich wäre. Gerade bei dieser Satellitentechnik, über die wir jetzt sprechen, leistet Deutschland und insbesondere Bremen einen großen Beitrag. Vieles von dem, was ich jetzt gerade aufgelistet habe, wofür Satellitentechnik wirklich hilfreich ist, wäre ohne die Unternehmen hier am Standort Bremen schlichtweg nicht möglich. Jetzt kann man lange darüber streiten, und das haben wir in den Reden schon gehört, ob die Unternehmen hier wegen der Politik des rot-grün-roten Senates am Standort erfolgreich sind oder ob sie trotz der Politik des rot-grün-roten Senates am Standort erfolgreich sind. Ich befürchte, da kommen wir zu unterschiedlichen Einschätzungen. Wo wir uns aber hoffentlich alle einig sind, ist, dass wir alles dafür tun müssen, dass diese Unternehmen, die wir hier in Bremen haben, die erfolgreich arbeiten, auch hier am Standort bleiben, dass die hier investieren und dass die hier wirklich neue Arbeitsplätze schaffen. Darauf sind wir hier in Bremen auch als Politik angewiesen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall FDP) Das bringt mich zu dem Kritikpunkt: Das hat auch was mit den Rahmenbedingungen zu tun, die wir hier in Bremen haben. Da sind wir uns als FDP-Fraktion nicht so ganz sicher, ob Erfindungen wie der Ausbildungsstraffonds, ob Erfindungen wie die Zivilklausel oder ihre Hemmung, sich wirklich von den linksextremistischen Brandanschlägen auf Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie zu distanzieren, ob das wirklich zu einer Steigerung der Attraktivität dieses Standortes beiträgt. Es geht aber auch um andere Standortfaktoren. Es geht um die Attraktivität der Stadt. Es geht um das Sicherheitsempfinden der Menschen. Es geht um die Frage: Kann ich mir hier eigentlich noch ein Eigenheim leisten? Das ist zum Beispiel entscheidend für die Frage, ob es uns gelingt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wir dringend hier am Standort brauchen, die auch nicht immer nur aus Deutschland kommen, sondern auch aus dem Ausland, ob es uns gelingt, diese Menschen hier nach Bremen zu holen. All diese Punkte hat die Politik selber in der Hand, und man muss sagen, dass der rot-grün-rote Senat bei all diesen Punkten in den letzten Jahren und Jahrzehnten kein gutes Licht abgegeben hat, kein gutes Bild abgegeben hat. Sie müssen Ihre Politik, gerade, was diese weichen Faktoren angeht, dass es uns gelingt, Fachkräfte nach Bremen zu holen, die sagen, die Bildung ist hier top, ich kann mir hier noch mein Eigenheim leisten, ich traue mich auch nachts um elf noch allein über die Straße – –. Das sind Faktoren, wenn Menschen, die sich die Jobs aussuchen können und sich entscheiden können, gehe ich nach Bremen, nach München oder gehe ich doch ins Silicon Valley – –, das spielt da eine Rolle. Diese Faktoren haben Sie selbst in der Hand. Davon hängt ab, ob es uns gelingt, diese Unternehmen hier in Bremen zu halten. Ich persönlich und wir als FDP-Fraktion würden uns freuen, wenn wir uns auch in zehn Jahren noch dafür feiern können, uns darüber freuen können, dass es erfolgreiche Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie in Bremen gibt. – Vielen Dank! (Beifall FDP)
