bremische-buergerschaft.de ↗

Sandra Ahrens

CDU 18.03.2026 Sitzungen 21/32

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Bildung ist der Schlüssel zu einem eigenständigen Leben, und sie beginnt nicht erst in der Schule, sondern in der Kita. Wenn wir es ernst meinen mit Chancengerechtigkeit, dann müssen wir dort ansetzen, wo Bildung beginnt: in der frühkindlichen Bildung, meine Damen und Herren. Bremen hat bundesweit die schlechtesten Quoten: 32,8 Prozent im Krippenbereich, 88,2 Prozent im Elementarbereich. Trotzdem erleben wir gerade etwas Absurdes. Es gibt freie Plätze, die mit Personal hinterlegt sind, und gleichzeitig wird bei Trägern über Personalabbau gesprochen. Das ist der falsche Weg, meine Damen und Herren. Wir müssen die Kinder erreichen, die frühkindliche Bildung bisher gar nicht nutzen. Das ist der erste gemeinsame Auftrag, so weit sind wir gleich. Zweitens, und das ist aber auch der entscheidende zusätzliche Punkt, müssen wir Verlässlichkeit wiederherstellen, meine Damen und Herren. Was Eltern aktuell erleben, ist kein Einzelfall mehr, es ist ein Systemproblem. Wenn mehr als 4 500 Eltern in dem Brandbrief über verkürzte Öffnungszeiten berichten, über Notbetrieb und Ausfälle, dann bedeutet das konkret, dass Eltern morgens ihre Arbeit absagen müssen, Arbeitszeiten reduziert werden müssen, Karrieren unterbrochen werden müssen. Seien wir ehrlich: Das trifft vor allen Dingen Frauen. Über 70 Prozent der Care-Arbeit werden weiterhin von ihnen geleistet. Das ist nicht nur familienpolitisch problematisch, das ist auch wirtschaftspolitisch fahrlässig, meine Damen und Herren. Ein instabiles Betreuungssystem zieht Fachkräfte aus dem Arbeitsmarkt, senkt Steuereinnahmen, die Herr Fecker dringend braucht, und erhöht im Zweifel sogar die Sozialausgaben. Deshalb ist für uns klar: Dieses System braucht Stabilität und keinen Personalabbau. (Beifall CDU) Bildung muss insgesamt wieder in den Mittelpunkt gestellt werden. Kitas sind nicht nur Betreuungsorte. Sie sind Bildungseinrichtungen, und Bildung beginnt mit Sprache, meine Damen und Herren! Ein Kind, das die Lehrkraft nicht versteht, hat vom ersten Tag an schlechtere Chancen in seiner Bildungskarriere. Deshalb sagen wir: Wir brauchen ein verbindliches, ein strukturiertes System der frühkindlichen Förderung. Mit unserem KitaBasiskompetenzjahr setzen wir genau hier an. Wir wollen eine verpflichtende Sprachstandserhebung für alle Kinder mit dem vierten Lebensjahr. Wir wollen, dass dann innerhalb von drei Monaten auch für diejenigen, die sich noch nicht im Kindergarten befinden, eine Platzgarantie und eine verpflichtende Förderung ab diesem Zeitpunkt, eine verpflichtende Förderung, bei der auch geguckt wird, ob das Kind diese Förderung in Anspruch nimmt – –. Denn da werden ja auch massive Ressourcen zur Verfügung gestellt. Wir wollen eine Nachtestung mit fünf Jahren und die Fortsetzung der Förderung, wenn die entsprechenden Sprachauffälligkeiten noch nicht beendet sind. Das Ganze soll spielerisch, aber systematisch, frühzeitig, aber verbindlich erfolgen und, ganz wichtig, klar definiert mit Fachkräften und nicht wie bisher in der Sprachförderung, zum Beispiel bei meinem Kollegen, wo seit einem halben Jahr die Sprachförderkraft überhaupt nicht da ist und der Sprachförderunterricht in Ihrem Kita-Brückenjahr überhaupt nicht stattfindet. Das, meine Damen und Herren, kann es nicht sein! (Beifall CDU) Gerade in Stadtteilen mit sehr hohen Anteilen nicht deutschsprechender Familien brauchen Kinder diese Unterstützung, damit sie nicht von Anfang an in ihrem Bildungserfolg abgekoppelt und abgehängt werden. Wir sind das Bundesland mit der größten Kopplung der Bildung vom Elternhaus – das muss sich ändern! Wir brauchen gute Rahmenbedingungen, der Raum ist der dritte Pädagoge. Auch hier haben wir im Bereich Kita erheblichen Bedarf – das muss sich ändern, meine Damen und Herren. (Beifall CDU)

Alle Reden von Sandra Ahrens Protokoll (PDF) ↗