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Julia Tiedemann

BÜNDNIS DEUTSCHLAND 08.10.2025 Sitzungen 21/26

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kollegen, liebe Gäste! Herr Bries, so falsch, wie Sie die Anträge hier skizziert haben, sind Sie ein Paradebeispiel für die in dem Antrag der FDP geforderte Medienkompetenz – die Kompetenz im Umgang mit Desinformation. (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Wir haben hier heute zwei Anträge vorliegen, über die wir diskutieren: einmal den Antrag der FDP – „Resilienz beginnt im Kopf“ – und einmal den Antrag der CDU – „Zivil- und Katastrophenschutz stärker in Schulen verankern“. Gemeinsam haben diese Anträge insbesondere, dass junge Menschen auf Krisen- und Katastrophen- und Notsituationen vorbereitet werden sollen, dass künftige Unterrichtsangebote zu diesem Thema gemacht werden und die Schüler darin gestärkt werden und dass die Handlungsfähigkeit in Ausnahmesituationen auch bei unseren jungen Mitbürgern gesichert ist. Konkret sind zu nennen: Resilienztage mit praktischen Übungen, ErsteHilfe-Schulungen und Einführung von Krisenwissen als Wahlpflichtfach. Es geht auch darum, die Kooperation mit Feuerwehr, THW, der Bundeswehr, Hilfsdiensten und der Polizei zu suchen und zudem ein strukturiertes Ausbildungskonzept für Lehrkräfte in diesem Bereich auszuarbeiten. Die CDU legt dabei den Schwerpunkt auf Katastrophen- und Zivilschutz. Die FDP hat zusätzlich noch im Blick, den Umgang mit Desinformation und die Medienkompetenz zu fördern. Das bedeutet insgesamt mehr Selbstverantwortung für die Schülerinnen und Schüler, mehr Handlungskompetenz und mehr Sicherheit. Denn die beiden Anträge setzen im Endeffekt auf Eigenverantwortung statt Abhängigkeit. Denn in Krisen sind die Kinder selbst diejenigen, die zuerst vor Ort sind. Überhaupt: Wenn irgendetwas passiert, sind in der Regel nicht sofort die Einsatzkräfte oder staatliche Hilfen vor Ort, sondern die, die es gesehen haben. Das sind – –, in diesem Fall zielen wir auf die Jugendlichen ab, die dann als Erste vor Ort sind und als Erste handeln können und nicht warten müssen, bis andere kommen, um zu helfen. (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Kompetenz in Hilfe und Resilienz rettet Leben. Beide Anträge fördern also die Selbstständigkeit, die Eigenverantwortung und die Besonnenheit. Frühzeitige Vorbereitung schafft Sicherheit. Je früher Kinder lernen – das ist eben auch schon mal genannt worden –, mit Stress und Gefahren umzugehen, desto souveräner reagieren sie im Ernstfall. Die beiden Anträge zielen zwar nicht direkt auf Kindergartenkinder ab, aber trotzdem möchte ich das Beispiel Japan bringen. Die Kinder dort sind bereits als Kleinste widerstandsfähig und souverän, wenn es darum geht, in Gefahrensituationen wie Erdbeben besonnen zu handeln. Sie wissen, was zu tun ist. Es gibt klare Abläufe, ständige Übungen und Wiederholungen. Sie schaffen Routine und vermeiden Panik. Das wird im erdbebengeplagten Japan schon im Kindergarten vermittelt. Bremer Kids können das auch, nur eben auf andere Themen umgesetzt. Zudem wird durch die Anträge, und das geht so ein bisschen unter, aber deswegen möchte ich das noch einmal besonders herausstellen – –. Solche Anträge, die darauf abzielen, dass Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Besonnenheit gefördert werden, und das schon im Kindesalter, sorgen dafür, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt durch Zivilschutzbildung gefördert wird. Denn wenn Schulen mit Feuerwehr, THW, Hilfsorganisationen oder der Bundeswehr kooperieren, entsteht nicht nur Wissen, sondern auch Respekt für diejenigen, die Verantwortung übernehmen. Es schafft Verbindungen zu diesen Bereichen und erreicht damit mehr junge Menschen für diese ehrenamtlichen Tätigkeiten. Das stärkt den Gemeinsinn, das Vertrauen und die staatsbürgerliche Haltung – Werte, die wir als BÜNDNIS DEUTSCHLAND ausdrücklich unterstützen. (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) International kann man sich viele Beispiele raussuchen. Ich würde hier einmal Frankreich nennen, denn in vielen Schulen werden dort regelmäßig die Evakuierung und Krisenmanagement geübt. Italien: Nach Erdbeben wurden verpflichtende Zivilschutztrainings eingeführt. Auch die Türkei ist als erdbebengeprägtes Land sehr weit vorne, wenn es darum geht, Grundschülern bereits die Abläufe bei Erdbeben durch regelmäßige Notfallübungen zu vermitteln. Japan hatte ich bereits genannt. Diese Länder beweisen: Resilienz ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit in der Bildung. Dann: die persönliche Entwicklung und die psychische Stärke, denn Resilienztraining wirkt weit über den Katastrophenfall hinaus. Krisen gibt es auch im Privaten, und junge Menschen werden automatisch auch für diese gestärkt. Sie erwerben Selbstvertrauen und seelische Stabilität. Gerade in einer Zeit, in der junge Menschen zunehmend psychisch belastet sind, ist es umso wichtiger, dass sie früh lernen, in Ausnahmesituationen angemessen zu handeln. (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND) Natürlich, das wurde auch erwähnt: Wir haben bereits einen sehr vollen Lehrplan, und die Forderung, Erste Hilfe, Zivilschutz, Desinformation und Demokratiebildung mit reinzunehmen, ist sehr viel. Daher wäre es bei der Umsetzung natürlich umso wichtiger, dass wir eine Priorisierung und eine stufenweise Einführung der Inhalte vornehmen, etwa zunächst durch Theorie und erst später die Einbindung der Feuerwehr, der Polizei, des THW und dergleichen. Realistisch wäre es auch, erst Pilotprojekte und Modellschulen zu initiieren, an den Start zu bringen, und dann erst, nachdem man die ersten Erfahrungswerte hat und dann noch wesentlich leichter nachbessern kann, in die Breite zu gehen. Einrichtungen wie das THW, Feuerwehr und so weiter müssten sich sowieso erst mal personell auf diese Änderungen einstellen und auch schauen, wie sie die ganzen Informationen an die Jugendlichen vermitteln. Eine langfristige Koordination ist auf jeden Fall unumgänglich. Was die Finanzierung angeht, muss auf jeden Fall aus unserer Sicht geschaut werden, dass Drittmittel eingeworben werden, Sponsoring, Ehrenamt, und dass so wenig Geld wie möglich über den Landeshaushalt in dieses Projekt fließt, da wir nämlich in unserem Land genug Probleme mit den Finanzen haben. Resilienz ist Mangelware in unserer Gesellschaft, (Glocke) daher stimmen wir vom BÜNDNIS DEUTSCHLAND beiden Anträgen zu. – Vielen Dank! (Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND)

Alle Reden von Julia Tiedemann Protokoll (PDF) ↗