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Nelson Janßen

Die Linke 08.10.2025 Sitzungen 21/26

Sehr gern. Ja, das Beleidigen ist offensichtlich ein Privileg von Leuten, die verächtlich auf andere herabgucken. (Beifall Die Linke, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Krieg, Krisen, Druck durch soziale Medien, Armut und erkrankte Eltern führen zu Stress und Angst bei Kindern und Jugendlichen. Während wir im letzten Jahr vor allem noch über die Folgen der Coronakrise gesprochen haben, müssen wir heute feststellen, dass die Zahlen auf hohem Niveau stagnieren, auch Jahre nach der Coronapandemie. Etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen berichtet von anhaltender Beeinträchtigung der Lebensqualität. 23 Prozent leiden unter Angstsymptomen. Deutlich gestiegen ist auch der Anteil von Kindern und Jugendlichen, die angeben, sich einsam zu fühlen: etwa jeder Fünfte. Besonders erschreckend finde ich persönlich bei der COPSY-Studie, die die psychische Gesundheit untersucht hat, dass sich 72 Prozent der Kinder bereits um Krieg und Terrorismus sorgen. Die gewollte und auch zunehmende Verrohung der Debatte über Krieg, bei der auch oberste Soldaten in Deutschland eine Katastrophe nahezu herbeireden, schlägt sich auch auf die Gesundheit unserer Kinder nieder. Wenn Kinder in Armut aufwachsen müssen, sie in beengten Wohnverhältnissen leben oder ihre Eltern psychisch belastet sind, ist ihr Risiko, krank zu werden, um ein Vielfaches erhöht. Statt sich aber um diese Realität zu sorgen, beschäftigen sich einige Parteien vor allen Dingen mit der Verunglimpfung von Menschen im Sozialleistungsbezug – und ja, auch das macht krank. (Beifall Die Linke, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der Landesgesundheitsbericht in Bremen zeigt ebenfalls, dass Kinder in Armutslagen hier vor Ort besonders betroffen und häufiger verhaltensauffällig sind. Auch die SCHULBUS-Untersuchung („Schüler*innen- und Lehrkräftebefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln“) aus dem Jahr 2021/2022 zeigt, dass wir zwar keine Zunahme beim Suchtmittelkonsum feststellen können, wohl aber mehr Probleme im Essverhalten und auch im Medienkonsum auftreten. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist es daher wichtig, früh anzusetzen, damit gesundheitliche Ungleichheit abgebaut werden kann. Erkrankungen im Kindheitsalter erschweren nicht nur diese Lebensphase, sondern wirken oft bis ins Erwachsenenalter. Folgeschäden und Chronifizierungen sind keine Ausnahme, sondern leider häufige Begleiterscheinungen von Erkrankungen bereits im Kindesalter. Die eben schon angeführte COPSY-Studie stellt aber nicht nur die aktuelle Lage dar, sondern liefert auch Empfehlungen zur Verbesserung. Zum einen muss das Thema psychischer Belastung in die Schule integriert werden. Dazu braucht es eine Stärkung der Schulsozialarbeit und bessere Erkennungssysteme und Angebote zur Verbesserung der psychischen Gesundheit. (Beifall Die Linke, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir brauchen Verhaltensprävention und die Stärkung der Familien und sozialen Umfelder. Wir müssen die Medienkompetenz verbessern. Wir brauchen auch einen Ausbau von psychotherapeutischen Angeboten. Es braucht niedrigschwellige Unterstützungsangebote im Quartier. Einiges davon gibt es schon. Wir haben die Gesundheitsfachkräfte in den Quartieren. Sie arbeiten zu psychischer Gesundheit und auch zum Umgang mit Medien. Wir haben regionale Fachkräfte in den Quartieren. Wir haben das an das Gesundheitsamt angedockte KIPSY („Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungsstelle und Institutsambulanz“) als Beratungsstelle. Wir haben Schulsozialarbeit in den letzten Jahren aufgestockt. Es gibt Projekte für psychisch erkrankte Eltern wie „Famos e.V.“ oder „Eltern PLUS“. Auch den Ausbau der Gesundheitszentren und der Gesundheitspunkte als Anlaufstelle im Quartier verstehen wir als wichtigen Bestandteil in diesem Komplex. Es gibt bereits einiges. Das ist gut, aber wir wollen noch weitergehen. Wir legen daher heute als Koalition einen Antrag vor, um die aktuelle Lage noch weiter zu verbessern. Wir wollen uns auf Bundesebene für eine bessere Bedarfsplanung bei der psychotherapeutischen Versorgung einsetzen. Wir wollen eine bessere Vermittlung der bereits jetzt freien Therapieplätze. Wir wollen wohnortnahe und präventive Angebote stärken und wir nehmen gezielt Familien und Kinder in Armutslagen in den Blick. Wir wollen ressortübergreifende Ansätze, meine Kollegin hat es bereits angeschnitten, im Zusammenhang mit „Mental Health in all Policies“ unterstützen. Wir wollen auch in der Stadtentwicklung zukünftig stärker gesundheitliche und psychotherapeutische Versorgungsstrukturen in den Blick nehmen. Die Lage ist herausfordernd. Die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen im Land Bremen ist schlechter geworden in den letzten Jahren, aber wir haben schon einiges auf den Weg gebracht und bereiten mit dem Antrag nun die nächsten Schritte vor. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall Die Linke, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Nelson Janßen Protokoll (PDF) ↗