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Ralph Saxe

GRÜNE 20.08.2025 Sitzungen 21/24

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! (Unruhe auf dem Besucherrang) Die Symptomatik nimmt zu, das muss man eindeutig sagen. Die Symptome nehmen an Häufigkeit zu, sie nehmen an Vielfalt zu und sie nehmen an Intensität zu. Wir haben heutzutage in Bremen und Bremerhaven etwa zehn Hitzetage, in den Fünfzigerjahren waren es noch drei. Das heißt, Extremwetter hat zugenommen, die Hitzeereignisse haben zugenommen und vieles andere hat auch an Symptomen zugenommen, worüber wir uns vorher noch gar keine Gedanken gemacht haben. Wer versucht hat, in diesem Jahr in der Neustadt im Werdersee baden zu gehen, der wird festgestellt haben, das ging an vielen Stellen nicht, weil die Wasserpest sich geradezu explosionsartig ausgebreitet hat. Auch das ist eine Folge der höheren Temperaturen, der Überdüngung, die da stattgefunden hat. So ist dann dieser Ort, der für Menschen ein Ort der Abkühlung und der Erholung ist, nicht mehr nutzbar gewesen. Ich glaube, das kann man nicht akzeptieren. Darüber hat, glaube ich, die ganze Neustadt diskutiert: Was machen wir denn jetzt? Das Problem muss man jetzt lösen, wie man andere Probleme der Klimaanpassung auch lösen muss. (Präsidentin Antje Grotheer übernimmt den Vorsitz.) Am Bodensee gibt es dafür eine „Seekuh“, die das Problem löst, das ist ein Mähboot. Ich glaube, wir kommen nicht umhin, uns so ein Mähboot für Bremen anzuschaffen, um dieses Problem zu lösen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP) Da zeigt sich, dass Probleme auf uns zugekommen sind, die wir vorher gar nicht geahnt haben. Die Frage unserer Aktuellen Stunde ist: Wie gut sind Bremerhaven und Bremen eigentlich für das gewappnet, das auf uns zukommt, und wie gut gewappnet sind andere Städte? Da muss ich sagen: Keine Stadt der Welt ist diesen Problematiken im Augenblick gewappnet, die da auf uns zukommen. Ich hatte eine Veranstaltung mit Jörn Moock, das ist der Leiter des Gesundheitsamtes. Wir haben über Klimakrise, Klimaanpassung gesprochen. Der hat gesagt: Das Problem Hitze, das jetzt auf uns zukommt, die Herausforderung der Klimaanpassung sei im Vergleich zur Pandemie, die für uns Menschen in den Folgen schon so schrecklich war, auch den sozialen Folgen – –. Da sei das, was auf uns in Sachen Hitze zukommt, sehr viel schlimmer als das, was wir in der Pandemie erlebt haben. Der feine Unterschied ist nur: Diese Herausforderungen bleiben, die werden uns unser ganzes Leben begleiten und die zukünftigen Generationen auch. Das hat verschiedene Dimensionen. Man kann sagen, Bremen hat sich in vielen Bereichen gut aufgestellt. Wir haben eine Klimaanpassungsstrategie gemacht, wir haben die Baumschutzverordnung verbessert, wir haben einen Hitzeaktionsplan gemacht, der in vielerlei Hinsicht sehr vorbildlich gewesen ist. Bremen hat sich gut aufgestellt. Eine Stadt muss Widersprüche aushalten, das ist vollkommen klar. Das erleben wir immer wieder. Ein Widerspruch ist: Die einen sagen „Beton muss fließen“ und die anderen sagen „Grün muss wuchern“. Die Frage ist jetzt: Müssen wir diesen Widerspruch aushalten oder müssen wir diesen Widerspruch auflösen, damit diese Städte auch zukünftig bewohnbar bleiben? Die Klimakrise hat eine soziale Dimension, das haben wir, glaube ich, alle erkannt. Ärmere Länder sind sehr viel stärker davon betroffen als die reicheren Länder, zu denen wir gehören. Die Klimaanpassung – also das, was wir den Städten zumuten, was der menschengemachte Klimawandel angerichtet hat – hat auch eine soziale Dimension. Das betrifft zuallererst ärmere Menschen. Die reicheren Menschen werden bei den Hitzetagen nach draußen auf ihr Landhaus ziehen und dort kühl abwarten, bis die Zeit vorbei ist. (Abgeordneter Martin Michalik [CDU]: Was ist das denn für ein Menschenbild?) Die ärmeren Menschen wohnen dort, wo es weniger Bäume gibt, wo es mehr Umweltverschmutzung gibt. Sie sind sehr viel stärker davon betroffen. Deswegen hat das, was wir hier in dieser Stadt machen, auch eine soziale Dimension. (Abgeordneter Martin Michalik [CDU]: Deswegen wollen Sie die Galopprennbahn bebauen – –.) Ich habe das gerade eben gesagt: „Beton muss fließen“ versus „Grün muss wuchern“. Den Widerspruch merkt man zum Beispiel in Kattenturm. In Kattenturm haben wir einen Bebauungsplan gehabt, wo wir KattenturmMitte leider fast komplett versiegelt haben. Gleichzeitig ist Kattenturm ein Klimaquartier. Das sind Widersprüche, wie gesagt, die muss eine Stadt aushalten können, aber eigentlich sind wir gefordert, bei allen Planungen, die wir jetzt machen, wenn wir bauen, zu beachten, dass die Themen Klimaanpassung, Schwammstadt beachtet werden, dass sie eine Prämisse unserer Planung sind, damit wir nicht am Ende noch gucken: Oh, da haben wir das Grün jetzt vergessen, da müssen wir noch ein paar Bäume unterbringen. Das kann nicht unser Handeln sein. Die Städte müssen auch in zwanzig Jahren bewohnbar sein. Das ist unser aller Verantwortung. Das betrifft natürlich auch die Rennbahn, das haben wir gestern gehabt. Natürlich, wenn wir über solche Themen reden, müssen wir auch das in unsere Überlegungen einbeziehen: In welcher Stadt wollen wir leben und müssen dann die Generationen leben, die das ertragen müssen, was wir möglicherweise in den Infrastrukturen angerichtet haben? Diese Infrastrukturen, die verändern sich nicht von heute auf morgen. Das heißt: Sehr viel mehr Hingucken auf die grüne Infrastruktur, sehr viel mehr auf Bäume gucken. Die CDU wird gleich sagen: Ihr macht viel zu wenig. Trinkwasserbrunnen: haben wir in Bremen bald 23. Dort, wo die CDU regiert, in Bremerhaven, haben wir 2. In Bremen haben wir 75 000 Straßenbäume, in Bremerhaven haben wir 8 700. Liebe CDU: Wenn ihr wollt, dass wir diese Themen voranbringen – und wir müssen da viel mehr machen –, dann macht das auch dort, wo ihr verantwortlich seid! Ein letzter Satz noch: Das wird nicht die einzige Katastrophe sein, die auf Städte der Zukunft zukommt, sondern wir brauchen eine Resilienz-Strategie für die ganzen Katastrophen der Zukunft, die sich schon am Horizont zeigen und für die wir verantwortlich Vorsorge treffen müssen. – Vielen Dank! (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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