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Yvonne Averwerser

CDU 06.05.2025 Sitzungen 21/22

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste! Lassen Sie mich dieses Thema mal losgelöst von diesen 26 oder 27 Referendaren, die damals im Raum standen, betrachten. Wir alle kennen die dramatische Lage an Schulen. Es ist nicht nur der Raum-, es ist auch der Lehrkräftemangel, der uns da immer wieder treibt. Denn nicht wenige Schulen haben nicht die 110-prozentige Personalausstattung, die notwendig wäre, um einen ordentlichen Schulablauf darzustellen, sondern 90 Prozent, manche sogar darunter. Von daher ist der Lehrermangel eine tägliche Herausforderung für Schülerinnen, Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Aber ist die Einführung von Ein-Fach-Lehrkräften denn wirklich so eine charmante Lösung, wie man am Anfang meint? Schauen wir uns doch mal an, wo man diese einsetzen könnte. Wir haben jetzt gerade den großen Bedarf in Grundschulen. Jeder von Ihnen liest es täglich in seinem Stadtteil: Die Grundschulen werden eigentlich gebraucht, in der Deputation wird auch beschlossen, dass sie gebaut werden, sie werden dann nicht gebaut, aber die Klassenräume werden geschaffen, und für diese Klassenräume braucht man natürlich Grundschullehrer. Aber gerade bei Grundschullehrern ist eine Umstellung auf eine Ein-Fach-Lehrkräfteausbildung nicht denkbar, weil für den Grundschulunterricht die Regel gilt, dass die Lehrerinnen und Lehrer nach dem Klassenlehrerprinzip den Unterricht in einer Klasse in mehreren Fächern vornehmen. Das löst das Problem bei uns an der Stelle nicht. Werfen wir einen Blick auf die sonderpädagogischen Lehrkräfte, die wir in Bremen und Bremerhaven in ganz besonders hohem Maße benötigen. Deren Ausbildung orientiert sich nicht an einem Unterrichtsfach, sondern an einem Förderschwerpunkt. Auch keine Lösung für uns hier, den EinFach-Lehrer einfach einzuführen. Wie sähe es denn aus mit der Bewältigung des Mangels in der Sek I beziehungsweise Sek II, also von der 5. bis 12. oder 13. Klasse? Da würde ein Ein-Fach-Lehrer insbesondere die weiterführenden Schulen und dort die gymnasialen Oberstufen vor immense Herausforderungen stellen, weil er nämlich mit einem Fach nicht so eingesetzt werden könnte, dass Profile und Stundentafel vollumfänglich dargestellt werden könnten, und Abschlüsse wären gefährdet. Während in anderen Bundesländern die Lösung des Ein-Fach-Lehrers gerade bis Klasse 10 möglich ist, ist dies in Bremen mit einer enormen Umstellung in der Lehrerausbildung verbunden und auch nicht schnell umzustellen. Auch hier taugt ein Ein-Fach-Lehrer zumindest in Bremen nicht zur schnellen Lösung. Darüber hinaus: Wie sieht denn das Leben sonst an Schule aus? Die Schulen leben von Flexibilität. Ein-Fach-Lehrkräften bieten wenig Spielraum im Alltag. Sie sind schwer in den Stundenplan integrierbar, können bei Ausfällen nicht einspringen und erhöhen das Risiko von Unterrichtsausfall beziehungsweise erhöhen den fachfremden Unterricht – all das, was wir eigentlich vermeiden wollen. Wie sieht zudem die tägliche Realität an Schulen aus? Sie besteht aus Teamarbeit, Austausch in der Erarbeitung gemeinsamer pädagogischer Konzepte. Doch Ein-Fach-Lehrer, die nur wenige Stunden in Klassen oder im Kollegium sind, können sich hier nur schwer einbringen. Das schadet nicht nur der Atmosphäre im Schulteam, sondern auch der Schulentwicklung und somit der Qualität des Unterrichts. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr pädagogische Qualität. Wir müssen langfristig denken und besser planen. Sonst wären wir nämlich nicht in dieser hausgemachten (Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]: Miserablen Situation! – Beifall CDU) miserablen Situation, ich habe nach einem freundlichen Wort gesucht, dass wir nämlich unsere eigenen Lehrerbedarfe nicht mehr richtig ausbilden. Wir sind nicht mehr in der Lage, die Bedarfe aus eigener Kraft zu decken, und das ist die Fehlplanung, die hier die ganzen Jahren stattgefunden hat und die Planung, die eben nicht stattfindet. (Beifall CDU) Wir lehnen den Antrag der Einführung des Ein-Fach-Lehrers ab. Das heißt aber nicht, dass wir nichts tun müssen. Wir müssen genau hingucken, dass wir ausreichend Lehrerausbildungsplätze an unserer Universität schaffen. Wir müssen die Ausbildung bedarfsgerecht machen, sie müssen die realen Zahlen auch tatsächlich endlich mal im Voraus mit beantragen. Wir brauchen qualitativ hochwertige Quereinstiege, wir brauchen qualitativ hochwertige und verbindliche Weiterbildung und Fortbildung, wir brauchen berufsbegleitende Modelle, bessere Arbeitsbedingungen, und all das müssen wir hier noch ganz besonders gut voranbringen. Und es muss vorausschauender werden und wir müssen verlässlicher in unseren Aussagen sein. Dabei dürfen wir die Qualität nicht vergessen. Ja, wir müssen handeln, aber wir müssen klug handeln. Die Ein-Fach-Lehrkraft darf nicht zum Notnagel der Bildungspolitik werden. Mit der Einführung von Ein-Fach-Lehrkräften würde der Mangel zur Lösung werden. Das schwächt unsere Schulen strukturell mehr, als dass es sie nachhaltig stärkt. Das ist nicht nur das, was unsere Kinder nicht brauchen, das brauchen auch unsere Lehrkräfte nicht, und das braucht unsere Gesellschaft nicht. – An der Stelle bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall CDU)

Alle Reden von Yvonne Averwerser Protokoll (PDF) ↗