Dr. Wiebke Winter
Vielen Dank! Die Zahlen wurden hier von meinen Vorrednerinnen und Vorrednern schon eindrücklich dargestellt, und sie zeigen, dass wir auch in Bremen ein großes Problem mit Aggression und Gewalt gegenüber medizinischem Personal haben. Dabei muss uns allen klar sein – und diejenigen von Ihnen, die womöglich auch häufiger mit Menschen sprechen, die entweder selbst regelmäßig in medizinischer Behandlung sind oder selber auch womöglich im ärztlichen Bereich arbeiten, die wissen, dass wir hier mit einer sehr großen Dunkelziffer arbeiten. Denn, was passiert, ist das: Insbesondere Leute, die in der Notaufnahme arbeiten, die wissen gar nicht mehr: Wo sollen sie eigentlich zuerst hingehen? Es kommen immer mehr Menschen, als man eigentlich sofort behandeln könnte, und dann wird häufig die Zeit nicht genutzt, die man vielleicht noch zwischendrin hat, um zum Schluss tatsächlich zu melden, was passiert. Wenn ich mit diesen Menschen spreche, dann sagen sie mir ganz deutlich und ganz klar: „Beleidigungen, Aggressionen, gerade in der Notaufnahme, das ist für uns Alltag.“ Das ist normal, und das können wir nicht akzeptieren, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall CDU) Dann fragt man sich natürlich, und auch ich habe mir diese Frage gestellt: Woher kommt das? Man kann sicherlich darüber sprechen, dass es eine Verrohung der Gesellschaft gibt, vielleicht eine neue Ungeduld, aber ich glaube, es ist auch wichtig, einmal insbesondere in die Notaufnahmen unserer Krankenhäuser hier in Bremen zu schauen. Wenn wir zum Beispiel da hinschauen, dann wissen wir, dass in einigen Krankenhäusern das medizinische Personal gar keine Namensschilder mehr trägt, sondern lieber Nummern, weil sie zum Schluss nicht von diesen Aggressionen betroffenen werden wollen, wenn die Menschen wieder zu Hause sind, weil sie dann angegriffen werden, weil sie dann zum Beispiel auf Social Media kontaktiert werden. Das ist eine Realität. Warum passiert das? Weil die Menschen frustriert sind, wenn sie in unsere Notaufnahmen kommen, weil sie zum Schluss teilweise sechs Stunden, wenn nicht sogar noch länger, warten müssen, bis sie das erste Mal behandelt werden. Ich höre Geschichten, wo mir Leute erzählen: „Na ja, wir hatten gar kein Krankenzimmer mehr im Krankenhaus Bremen-Mitte, weil es dort so eng ist, wir mussten schauen, dass wir die Anamnese auf dem Flur durchführen.“ Ich kenne Menschen, die dort hingekommen sind mit Schüttelfrost und Fieber, die gesagt haben: „Bitte, ich brauche eine Decke. Mir ist kalt. Ich kann hier nicht mehr sein.“, die zum Schluss ein einfaches Laken bekommen und weiter gefroren haben. Ich kann jeden verstehen, der in dieser Situation sagt: „Wie kann das sein? Wie kann mir das passieren? Ich dachte, ich bin hier sicher. Ich dachte, ich bin hier in einem Krankenhaus.“ Das sind die Situationen, wo Menschen aggressiv werden. Das ist der Moment, wo Menschen das Vertrauen verlieren in unsere Gesundheitssysteme. Deswegen ist es unserer aller Aufgabe, dass wir dafür sorgen, dass wir ein funktionierendes Gesundheitssystem haben, auf diese Probleme noch stärker schauen und sie auch verbessern, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall CDU) Ich möchte auch noch mal darauf hinweisen, dass es insbesondere die Pflegekräfte sind, die gerade in den Krankenhäusern besonders stark von Aggressionen und Beleidigungen betroffen sind, weil sie womöglich nicht sagen können, wann der Arzt oder die Ärztin endlich kommt, dass es gerade diese Menschen sind, die das jeden Tag ertragen müssen, und die Zahlen aus der Großen Anfrage waren dazu ja auch sehr eindrücklich, die gesagt haben, dass einige sich überlegen, ob sie diesen Job tatsächlich noch weitermachen können. Da müssen wir ansetzen, denn wir dürfen diese Menschen nicht verlieren. Sie brauchen unsere Unterstützung. (Beifall CDU) Wie das aussehen kann, da gibt es ja schon verschiedene Vorschläge. Ich würde auch Sie, Frau Senatorin Bernhard, eindrücklich darum bitten, dass Sie prüfen und schauen, wie wir die noch stärker umsetzen können. Es gibt Vorschläge der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, BGW, und sie haben gesagt, was man machen kann: Zugangskontrollen zum Haus und zur Notaufnahme, sichere Rückzugsorte, Deeskalationstraining, Nachsorgekonzepte, Absprache mit der Polizei. Ich weiß, dass Vieles schon in den Häusern gemacht wird. Ich weiß, dass es an einigen Standorten tatsächlich schon Sicherheitsdienste gibt. Ich bitte nachdrücklich darum: Sorgen Sie dafür, dass wir diese überall in Bremen und Bremerhaven haben, denn was für uns wichtig ist, ist, dass wir wollen, dass wir in Bremen und Bremerhaven gesund und sicher zusammenleben können. Dafür muss medizinisches Personal gern und sicher zur Arbeit gehen können, und dafür dürfen Krankenhausbesuche nicht zum Frustrationstest werden. – Vielen Dank! (Beifall CDU) Als Nächstes hat das Wort der
