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Fynn Voigt

FDP 13.11.2024 Sitzungen 21/17

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Zum Abend debattieren wir noch einmal eine Große Anfrage von uns über das Thema der dualen Ausbildung. Wir haben schon zwei- bis dreimal in dieser Legislaturperiode über die Thematik der Ausbildung des Handwerks geredet. Ich möchte aber noch mal an dieser Stelle sagen, dass die duale Ausbildung das Fundament bildet für die Qualität und die Qualifizierung unserer Arbeits- und Fachkräfte in Bremen. (Beifall FDP, CDU) Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen, vor denen wir stehen, nicht nur in Bremen. Trotz dessen stehen wir vor der zweiten Herausforderung, dass sich immer weniger Menschen für eine Ausbildung entscheiden. Bei dem Problem des Fachkräftemangels auf der einen Seite und dem Ist-Zustand, dass sich immer weniger Menschen für eine Ausbildung entscheiden, ist es folgerichtig, dass wir hier wieder über das Thema sprechen und dass wir auch diese Große Anfrage gestellt haben. Wir haben einige Sachen abgefragt, unter anderem, wie die baulichen Gegebenheiten sind, wie die Lehrkräftesituation ist, wie digital die Bildung in den beruflichen Schulen ist und wie die berufliche Orientierung ist. Auf diese vier Punkte versuche ich, schwerpunktmäßig einmal einzugehen. Punkt 1, die baulichen Gegebenheiten: Sanierungen und Sanierungsstau sind ein Thema, in Summe 130 Millionen Euro. Sie schreiben, dass es dadurch keinen Unterrichtsausfall gibt, dass es schon ein Programm gibt, dass sich um das Problem gekümmert wird. Wir sind aber der Meinung, dass Sie für dieses Thema eine erheblich höhere Priorität einräumen müssten. Das machen wir bei den Haushaltsverhandlungen auch immer wieder deutlich. Thema 2, die Lehrkräfte- und Fachkräftedeckung an beruflichen Schulen ist ausreichend. Allerdings fehlt es eindeutig an Sonderpädagogen, das haben Sie auch geschrieben. Wir sind der Meinung, dass da dringend nachgeholfen werden muss. Sonderpädagogen sind sehr, sehr wichtig, um Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf zu helfen, nicht nur in den normalen Schulen, sondern auch in den beruflichen Schulen. Wir hoffen, dass Sie jetzt, wo Sie das Problem auch durch die Anfrage noch mal erkannt haben, diesen Fehlbestand beheben werden. (Beifall FDP) Die digitale Bildung steht ausreichend zur Verfügung, aber beim vierten Punkt möchte ich einmal etwas tiefer einsteigen. Das ist die berufliche Orientierung, weil wir auch Vorschläge haben, wie wir hier vorankommen. Ich glaube, dass da noch sehr viel Nachholbedarf ist. Es gibt einige Angebote wie zum Beispiel den „Boys' Day“ und „Girls' Day“, ein Praktikum in der 9. oder 10. Klasse und in der 10. Klasse auch noch mal einen „Tag der beruflichen Bildung“, so heißt es. Dort kommen die Schülerinnen und Schüler mit der beruflichen Bildung in Kontakt, mit Handwerksbetrieben et cetera. Wir glauben allerdings, dass das deutlich zu spät ist. Wir glauben, dass wir Schülerinnen und Schüler deutlich früher davon begeistern müssen, berufliche Ausbildungen als Alternative in Erwägung zu ziehen und dass wir da einen Imagewandel vollziehen müssen, dass es nicht die berufliche Bildung auf der unteren Stufe und das Studium auf einer höheren Stufe gibt, sondern dass das wieder gleichwertige Alternativen sind. Dafür wollen wir uns einsetzen. (Beifall FDP) Drei konkrete Vorschläge sind also, einmal diesen Tag der beruflichen Bildung etwas früher heranzuziehen; Vorschlag 2 ist, dass wir wieder mehr Vorbilder schaffen. Dass wir zum Beispiel Unternehmen oder Ausbildungszentren dazu bewegen, Besuche in den Schulen zu vollziehen. Dass wir ähnlich, wie das in anderen Bundesländern der Fall ist oder auch in anderen Ländern ist, Eltern dazu bewegen, ihre Berufe in den Schulen vorzustellen. „Parents' Days“ heißt das. Dass Schülerinnen und Schüler berufliche Ausbildungswege kennenlernen und diese auch als Vorbilder sehen. Das ist Vorschlag 1 und 2. Vorschlag 3 sind Besichtigungen. Wir reden immer wieder von verpflichtenden Besichtigungen. Wir finden – angesichts der Lage, dass es nicht als Alternative für den beruflichen Weg gesehen wird, eine Ausbildung zu machen –, dass wir, insbesondere den Schülerinnen und Schülern an Gymnasien, zum Beispiel einen Besuch in einem Weiterbildungszentrum zur Verfügung stellen, wo viele verschiedene Ausbildungen stattfinden, damit sie diese kennenlernen. Das sind unsere drei Vorschläge. Diese brauchen auch gar keine Haushaltsmittel, also sind relativ leicht umzusetzen. Deswegen werben wir wärmstens darum, dass Sie sich diese Vorschläge zu Herzen nehmen und wir vielleicht gemeinsam, weil das ja auch ein fraktionsübergreifendes Ziel ist, der beruflichen Ausbildung wieder einen größeren Stellenwert zu geben, dass wir das schaffen, voranzukommen. – Danke schön! (Beifall FDP)

Alle Reden von Fynn Voigt Protokoll (PDF) ↗