Ole Humpich
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Abgeordnete! Auch ich freue mich, denn die CDU bittet zu Tisch. Das Thema der Einsamkeit oder auch der Bedürftigkeit der Rentnerinnen und Rentner oder Seniorinnen und Senioren fängt ja etwas weiter vorn an. Das Thema fängt da an, dass eigentlich am Ende des Tages nach einem langen Arbeitsleben die Rente nicht mehr dafür reicht, sich einen Laib Brot zu kaufen, wie wir es heute gehört haben, oder vielleicht auch mal abends oder nachmittags essen zu gehen. Wir als FDP setzen uns ja schon lange für die Aktienrente ein. Diese könnte tatsächlich diese Thematik revolutionieren, oder auch Eigentum schafft im Alter Sicherheit. Dadurch fordern wir ja schon länger, dass es einen Freibetrag für junge Familien und junge Menschen gibt beim Kauf der ersten eigengenutzten Immobilie. Kommen wir zu dem Antrag: In Ihrem Antrag sprechen Sie von 140 000 bis 145 000 Senioren in Bremen. Wenn ich mir dann den Antrag weiter durchlese, sind 140 000 Senioren in der Stadt allein oder bedürftig. Das ist für uns als FDP-Fraktion eine Entmündigung der Senioren und stellt die Senioren als eine Gruppe dar, die eigentlich im Alter nichts mehr wirklich gebacken bekommen, allein sind und nicht mehr wissen, wie sie von A nach B kommen oder sich nicht mehr selbst ernähren können. Das ist etwas, wo Sie ein bisschen zu harsch und ein bisschen zu entmündigend sind. Schauen wir aber genauer in die Stadteile rein, und ich habe mich im Vorfeld auch da sehr gern mit dem Bürgerhaus in Obervieland ausgetauscht, wo es bereits sehr gute Angebote für Mittagstische gibt, wo die Seniorinnen und Senioren – das hatten wir, glaube ich, auch in einer Einsamkeitsdebatte bereits – sehr gut untereinander organisiert bekommen, sehr gut Acht aufeinander geben und sie gar nicht wollen, dass jemand von außen mit dazukommt, denn wie es so oft ist: Wenn die Politik von außen mit dazukommt, wird vieles komplizierter, gerade bei Mittagstischen. Wir haben es gerade gestern gehört, was auch die Schulverpflegung angeht, da gibt es dann hohe Standards, die erfüllt werden müssen. Da wird alles im Endeffekt teurer. Da muss man sich dann schon ein bisschen die Frage stellen, die Sie sich ja vielleicht auch gestellt haben, so wie wir als FDP-Fraktion auch: Wie und wovon wollen wir das alles bezahlen? In Ihrem Antrag, meine Damen und Herren, finde ich dazu leider keine Antwort. (Beifall FDP) Einen charmanten Punkt habe ich bei Ihnen dann aber doch gefunden: dass Sie Mensen der Hochschulen und Universitäten mit einbeziehen wollen. Ich gebe Ihnen einen Tipp, den hat mir der Kollege Schröder gegeben, weil ich selbst habe nur eine Ausbildung gemacht und muss Ihnen sagen, bin damit auch außerordentlich zufrieden: Die Mensen der Hochschulen und Universitäten sind bereits für alle Menschen zugänglich. Das heißt, wenn es Senioren gibt, die Lust haben, sich in der Universität Bremen mittags – es gibt da einen fantastischen Burger mit Pommes, habe ich gehört – dort hinzusetzen und zu essen, ist dies absolut schon möglich, und ich gehe auch ganz stark davon aus, dass es ganz viele Studentinnen und Studenten gibt, die sich dann auch mit den Seniorinnen und Senioren unterhalten. Damit das organisiert wird, kann man sich gemeinsam mit den Bürgerhäusern, die ja bereits schon vor Ort und in den Stadtteilen sehr aktiv sind, einfach mal zusammensetzen und gemeinsam mit der Universität oder der Hochschule das vielleicht an ein oder zwei Nachmittagen organisiert bekommen. Dafür braucht es Ihren Antrag aber nicht. (Beifall FDP) Was wir auch schon gehört haben, ist der Bedarf in den Stadtteilen. Woher kommen Ihre 50 Personen, 50 Seniorinnen und Senioren an jedem Tag die Woche in jedem Stadtteil in Bremen? Woher nehmen Sie das? Das wäre eine Frage, die Sie uns ja vielleicht noch mal beantworten können, denn es gibt Stadteile, da gibt es vielleicht noch nicht mal mehr 50 Personen, die da überhaupt leben, die bedürftig sind. Ich gucke da Ihren Kollegen, den Fraktionsvorsitzenden Imhoff an, der ja gerade wahrscheinlich draußen ist und schon mal zu Tisch bittet. Ehrlicherweise gibt es einige Stadtteile, wo es gar nicht möglich ist, weil so viele Seniorinnen und Senioren gar nicht vorhanden sind. Da gibt es andere Stadtteile, da wird es wieder mehr benötigt. Das ist sehr unkonkret, sehr wenig Zahlen. Sie entmündigen die Senioren. Die Frage ist: Haben die Senioren wirklich diese Herausforderungen? Oder sind die Herausforderungen: Wie komme ich sicher von A nach B, wie funktioniert der ÖPNV, und bleibt mein Eigenheim mein Eigenheim, oder wird es mir irgendwann enteignet, weil meine Wohnung zu groß ist, meine Damen und Herren? Und nicht, dass sie mittags sich gemeinsam auf Staatskosten beisammensetzen und dann gemeinsam Kaffee und Kuchen machen. Meine Damen und Herren, wir als FDP-Fraktion lehnen Ihren Antrag ab. (Beifall FDP)
