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Ole Humpich

FDP 18.09.2024 Sitzungen 21/16

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal möchte ich sagen, dass für mich eigentlich in einem sehr sozial geprägten Land wie Bremen und auch in einem sozial geprägten Land wie Deutschland niemand obdachlos sein sollte oder niemand obdachlos sein darf. (Beifall FDP) Dennoch passiert es zeitweise, oder die Lebensumstände stellen es irgendwann so dar, dass man dann leider doch auf der Straße lebt oder gezwungen ist, auf der Straße zu leben. Diese Geschichten sind mir beispielsweise bekannt dadurch, dass ich zeitweise den JohanniterKältebus abends unterstütze und dort auch am Bahnhof mit Essen verteile. Es sind viele Einzelschicksale, die dort zustande kommen, weswegen sich irgendwann der Umstand ergibt, dass man leider obdachlos wird. Wenn ich mir aber die Zahlen anschaue, muss ich ehrlicherweise sagen, bin ich schockiert darüber, dass so viele junge Menschen unter achtzehn bereits schon auf der Straße leben. Wenn wir hineinschauen und nur auf das Jahr 2023 blicken, sind es 170 obdachlose junge Menschen, die bereits auf der Straße leben, schauen, wie sie mit dem Leben zurechtkommen. Ich glaube, meine Damen und Herren, das zeigt uns, dass an manchen Stellen die Systeme, was Prävention angeht, was Unterstützung angeht bereits in jungen Jahren, leider versagt haben. (Beifall FDP) Solche Modelle und Projekte, Modellprojekte, wie „Housing First“ jetzt als das neueste Projekt vorgestellt ist, können dabei unterstützen. Was aber eine Riesenherausforderung innerhalb der Stadt ist: dass diese Projekte nicht auskömmlich über einen längeren Zeitraum finanziert sind. So schafft man es auch nicht, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger und langfristig an sich zu binden und so auch langfristig einen Erfolg zu sichern, dass nicht mehr so viele junge Menschen überhaupt auf der Straße leben und tagtäglich nicht wissen, ob sie den nächsten Tag überhaupt noch mitbekommen, meine Damen und Herren, denn das ist eigentlich die harte Wahrheit, der man auch ins Auge blicken muss: Auf der Straße zu leben, bedeutet, nicht zu wissen, ob der nächste Tag überhaupt noch anfängt. Das heißt, wir müssen dort weiter und tiefer reingehen. Sie haben auch schon die Kooperation mit der GEWOBA oder beispielsweise auch der Vonovia genannt, die bei Ihnen mit in Ihrer Antwort stehen. Die geplante Quote von 20 Prozent gefördertem Wohnraum wird allerdings nicht helfen, wenn diese nicht auch durchgesetzt wird und nicht auch finanziell dort hinterlegt ist. Sie müssen mehr auf die Privatwirtschaft vertrauen, mehr mit der Privatwirtschaft zusammenarbeiten. So schaffen Sie es auch wirklich, endlich genügend Wohnraum zu schaffen dafür, dass Menschen nicht tagtäglich auf der Straße leben müssen. (Beifall FDP) Bremen kann und muss mehr dabei tun. Die bestehenden Strukturen wie die Fachstelle Zentrales Wohnen und die aufsuchende Hilfe leisten dabei wertvolle Arbeit, aber wie bereits erwähnt, müssen wir den Akteuren auch die nötigen Mittel an die Hand geben, um wirklich nachhaltig helfen zu können. Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Schluss kommen und gestatten Sie mir noch zwei Bemerkungen: Die erste Bemerkung ist, dass ich mich sehr darüber gefreut hätte, hätten wir die Themen gestern in der Aktuellen Stunde heute miteinander verbunden, denn das sind zwei Themen, die sehr, sehr eng miteinander zusammengehören. Auch eine Zwangsräumung stellt einen Schicksalsschlag dar, der in der Obdachlosigkeit enden kann. Die zweite abschließende Bemerkung, meine Damen und Herren: Niemand in Deutschland sollte obdachlos sein, weder heute noch im Jahr 2030. Aber ohne deutlich entschlossene Maßnahmen und ohne einen klaren Plan wird dies nicht machbar sein. – Vielen Dank! (Beifall FDP)

Alle Reden von Ole Humpich Protokoll (PDF) ↗