Fynn Voigt
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Mehr als 360 Lehrkräfte haben laut der Senatorin für Kinder und Bildung in den vergangenen zehn Jahren ihren Schuldienst in Bremen gekündigt. Das sind 360 Lehrkräfte, die unser Land Bremen mehr als gebrauchen könnte, denn zu Beginn des aktuellen Schuljahres 2023/2024 haben wir erfahren, dass laut Bildungsbehörde ganze 156 Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen in Bremen fehlen. Diese Entscheidung, diesen Lehrerberuf zu verlassen und aus eigenen Gründen zu kündigen, werden die Lehrkräfte nicht einfach so gefällt haben. Das ist keine leichte Entscheidung, denn wie Sie wissen, sind damit verschiedene Konsequenzen verbunden wie zum Beispiel entfallende Pensionsansprüche oder, dass man sich gesetzlich krankennachversichern muss. Trotz dessen, dass es so gravierende Nachfolgen hat, entscheiden sich trotzdem viele Lehrkräfte in Bremen, ihren Beruf zu kündigen oder ins Umland zu ziehen. Das sagt einiges über unser Bremer Bildungssystem aus. (Beifall FDP) Bevor ich auf unseren Antrag eingehen und einige Gründe und Verbesserungsmaßnahmen anführen möchte, möchte ich einmal feststellen, dass jede Lehrkraft, die unser Bremer Schulsystem verlässt, eine Lehrkraft zu viel ist und dass unser Bremer Schulsystem jede Lehrkraft braucht, die es kriegen kann. (Beifall FDP) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir wollen, dass in Zukunft sogar mehr junge Menschen sagen, ich möchte Lehrerin werden, ich möchte Lehrer werden, und wenn wir wollen, dass Lehrkräfte nicht in das Umland abwandern, dann müssen wir unsere Schule als Arbeitsplatz attraktiver gestalten. Wir müssen dafür sorgen, dass sich Lehrer beispielsweise mehr auf ihren Berufsalltag konzentrieren können und dass sie diesen Alltag ausführen können, weswegen sie damals überhaupt diesen Beruf gewählt haben, und zwar, dass sie Wissen gegenüber jungen Menschen vermitteln können. Mittlerweile ist es nämlich so, dass ein großer Teil des Berufsalltags eines Lehrers aus Verwaltungstätigkeiten besteht, aus kaufmännischen Tätigkeiten. Teilweise übernehmen Lehrer auch IT-Tätigkeiten. Deswegen fordern wir als FDP-Fraktion, dass Schulen und insbesondere auch die Lehrkräfte unterstützt werden, indem man IT-Angestellte einstellt, weitere Verwaltungsangestellte einstellt, damit die Lehrer sich wieder auf das konzentrieren können, weswegen sie damals diesen Beruf gewählt haben, und zwar das Unterrichten von Inhalten. (Beifall FDP) Als wir damals bei der Schulbehörde nachgefragt haben, weshalb es eigentlich so viele Eigenkündigungen gab, da fielen die Antworten relativ dürftig aus. Eine große Analyse scheint nicht gemacht worden zu sein. Einer der möglichen Gründe, die angeführt worden sind, ist aber, dass es weniger Unterrichtsverpflichtungen zum Beispiel in Niedersachsen gibt. Diese Erklärung ist für uns nachvollziehbar, denn in dem wenig entfernten, angrenzenden Niedersachsen gibt es sehr viel weniger Pflichtstunden. Eine Gymnasiallehrerin beispielsweise in der Sekundarstufe I hat in Bremen 27 Wochenstunden, in Niedersachsen nur 23,5 Wochenstunden. Eine Lehrkraft in Niedersachsen verfügt über ein freiwilliges Arbeitszeitkonto, wo sie zum Beispiel Freistellungszeiten sich selbst ansparen und dann darüber verwalten kann. Lieber Senat, wenn Sie wissen, dass es diese Gründe gibt, dann frage ich mich, warum Sie daran nichts ändern, warum Sie sich wundern, dass diese Lehrkräfte dann in das Umland abwandern. Wir haben diese Punkte erkannt, wir haben diese Punkte in unseren Antrag geschrieben und wenn Sie diese Maßnahmen nicht selber treffen, fordern wir Sie jetzt mit unserem Antrag dazu auf. (Beifall FDP) Aufgrund der Redezeit fasse ich zusammen: Wir haben in Bremen ein eindeutiges Problem mit Lehrkräften, die entweder ganz ihren Beruf aufgeben, weil der Lehrberuf in Bremen in den Schulen nicht mehr attraktiv genug ist, oder in das angrenzende Bundesland Niedersachsen abwandern. Sie haben bisher keine vernünftige Analyse darüber gemacht, woran dies liegen könnte, seit über zehn Jahren. Dazu fordern wir Sie jetzt auf. Sie machen es den Lehrern teilweise noch schwieriger in ihrem Alltag, indem Sie unfreiwillige Abordnungen an andere Schulen anordnen. Unser Bildungssystem lebt von Menschen, die in unseren Schulen mit viel Herzblut arbeiten. Wir wollen den Arbeitsplatz Schule wieder so gestalten, dass er attraktiv wird und seine Vorteile ausspielen kann. Nur so können wir in Bremen dafür sorgen, dass Schülerinnen und Schüler in Bremen das bekommen, was sie verdienen. Ich glaube, darüber sollten wir uns alle einig sein. Denn nur mit einer bestmöglichen Schulbildung mit den darauffolgenden guten Schulabschlüssen ist es so möglich, dass die Kinder in Bremen das bekommen, was sie verdienen, und zwar gute Chancen, um das aus ihrem Leben zu machen, was sie wollen. – Vielen Dank! (Beifall FDP)
